https://www.faz.net/-gum-7069z

Eurovision Song Contest 2012 : Viel Lob für Anke Engelke

Anke Engelke: „Es ist gut, eine Wahl zu haben“ Bild: dpa

Die schwedische Sängerin Loreen hat den Song Contest in Baku gewonnen. Es ist bereits der fünfte Sieg für Schweden. Roman Lob aus Deutschland landete auf Platz 8. Anke Engelke sorgte mit einem politischen Kommentar für Aufsehen.

          Ein Gummimonster aus Finnland löste die Spannung, die schon keine mehr war. Acht Punkte, so Mr. Lordi, vergebe er an das heißeste, hübscheste, schönste Babe des Abends, eigentlich seien es sogar sechs an der Zahl, die Großmütter aus Russland. Pause. Und weiter: Zehn Punkte vergebe er an das heißeste, hübscheste, schönste Babe des Abends, den jungen Mann aus Estland. Dabei leckte sich der Frontmann der finnischen Hardrockband genüsslich die Lippen, als wolle er den Esten Ott Lepland gleich verspeisen. Wieder Pause. Und die höchste Punktzahl, die zwölf, die vergebe er an das heißeste, hübscheste, schönste Babe des Abends überhaupt – an die reizende Loreen aus „Swiiiiieeeden“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Lordi hatte für Finnland den „Eurovision Song Contest“ (ESC) im Jahr 2006 gewonnen. Drei Jahre später holte Alexander Rybak die gläserne Trophäe nach Norwegen. Und nun, wieder drei Jahre später, hat ein weiteres Land aus dem hohen Norden Europas, Schweden, die große Ehre und nicht einmal mehr zwölf Monate Zeit, den nächsten Grand Prix auszurichten.

          Finnland war nicht das einzige Land, das Schweden vor Russland sah. Loreens „Euphoria“ wurde 18 Mal mit zwölf Punkten bedacht und holte insgesamt 372 Punkte. Damit scheiterte sie zwar knapp am Fabelrekordwert des Norwegers Alexander Rybak. Der war mit seinem Song „Fairytale“ auf 387 Punkte gekommen und hatte einen Vorsprung von 169 Punkten auf die damalige Nummer zwei, Island. Die Schwedin überragt aber Lena, die mit „Satellite“ im Jahr 2010 in Oslo auf 246 Punkte gekommen war.

          Loreen hat mit dem mystischen Popsong „Euphoria“ für Schweden den Song Contest gewonnen Bilderstrecke

          Für die Buranowskije Babuschki aus Russland hieß es in der Kristallhalle in Baku am Samstagabend nur einmal „twelve points – douze points“. Das war zu wenig und die sechs alten Damen, die so gerne als die „Golden Girls“ aus Russland bezeichnet wurden, bekamen nur Silber und lagen am Ende 113 Punkte hinter Loreen, aber immer noch 45 Punkte vor dem Drittplazierten Željko Joksimović aus Serbien.

          Irland führt noch immer mit insgesamt 7 Siegen

          Es ist der fünfte Sieg für Schweden in mehr als 50 Jahren schwedischer Grand-Prix-Geschichte. Damit holen das Königreich zu Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden auf, Irland führt nach wie vor mit sieben Siegen. Doch es ist auch ein persönlicher Sieg für Loreen, die vielen zwar schon früh als Favoritin galt, die aber selbst nie den Eindruck machte, als wäre ihr diese Rolle bewusst. „Danke, dass Ihr an mich geglaubt habt“, hauchte sie wie immer etwas abwesend ins Mikrofon, nachdem ihr die Vorjahressieger aus Aserbaidschan, Ell & Nikki, den Wanderpokal in Form eines zerbrechlichen Mikrofons überreicht hatten. Auch später, bei der Pressekonferenz der Gewinnerin ließ sich wie stets nur wenig Sinnvolles aus ihr herauslocken. Der Achtundzwanzigjährigen fällt es schwer, klare und verständliche Sätze zu formulieren.

          Ein düsterer Kampftanz

          Ähnlich unverständlich war für die meisten Zuschauer auch die Inszenierung ihres Songs auf der Bühne, einer Art Capoeira. In wehendem Umhang und mit wehenden Haaren, in sich gekehrt, fast wie weggetreten, gab sie sich ihrem nicht unbedingt brasilianisch anmutenden Kampftanz hin. Ihr Auftritt wirkte düster, und nicht nur, weil es von wenig Scheinwerferlicht beschienen wurde. Sie warf sich zu Boden, kauerte sich zusammen, riss die Arme empor, verkrampfte sie vor der Brust und wurde zuletzt von einem Tänzer in die Luft gehoben. Zum Höhepunkt sprang sie über seine Schulter – und das in Zeitlupe, ein besonderer Effekt. Was ihr Tanz denn bedeute, wollte ein Journalist von ihr wissen: die Freiheit, keine Regeln zu haben. Und dass man machen könne, was man wolle, alles erreichen könne. „Sei, was du bist.“

          Weitere Themen

          „Es kann dich überall erwischen“

          Shantel zu Christchurch : „Es kann dich überall erwischen“

          Als die Nachricht vom Anschlag Stefan Hantel alias Shantel und seine Band erreicht, warten sie in einem Neuseeländer Hotel auf ihren Auftritt. Binnen Minuten zieht Polizei auf. Ein Gespräch mit dem Musiker über die Stimmung vor Ort und sein trauriges Déjà-vu.

          Topmeldungen

          Gerüchte in London : Kabinett plant angeblich Putsch gegen May

          Theresa May verliert wegen ihres Brexit-Kurses offenbar in den eigenen Reihen an Rückhalt. Mehrere Zeitungen berichten, ihre eigenen Minister wollten die Regierungschefin aus dem Amt drängen. Mögliche Nachfolger ständen schon bereit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.