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ESC-Finale in Rotterdam : „Rock ’n’ Roll never dies“

Nach ihrem ESC-Sieg präsentiert die italienische Gruppe Måneskin die Trophäe. Bild: Piroschka van de Wouw/Reuters

Die italienische Band Måneskin gewinnt mit „Zitti e buoni“ den 65. Eurovision Song Contest. Dahinter folgen gleich zwei Lieder in französischer Sprache. Damit setzt sich der Trend zu mehr musikalischer Qualität beim Grand Prix fort. Deutschlands Beitrag wird Vorletzter.

          6 Min.

          Die Französin Barbara Pravi hatte recht*: Die eigentliche Sensation war, dass zwei rein französischsprachige Lieder vorne lagen. Zumindest nachdem die Punkte der Jurys vergeben waren. Die Schweiz und Frankreich führten – für die 28 Jahre alte Pravi ein Beweis dafür, dass sich Beiträge von hoher musikalischer Qualität durchgesetzt haben. Am Ende aber hatte das Publikum auch wieder im diesjährigen Finale des Eurovision Song Contest (ESC) das Sagen. Am Samstagabend gewann ganz knapp der Favorit der vergangenen Tage: Italien. Und das ebenfalls mit einem Lied, das sich hören lassen kann.  

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sänger Damiano David und seine Bandkollegen mussten lange zittern. Schließlich lagen Måneskin mit ihrem Rocksong „Zitti e buoni“ zunächst nur auf Platz vier, noch hinter Malta. Doch zu den 206 Punkten, die sie von den Juroren bekommen hatten – darunter viermal zwölf Punkte aus Georgien, Kroatien, Slowenien und der Ukraine – kamen noch 318 vom Televoting. Damit führten die Italiener mit großem Vorsprung in der Publikumsgunst.

          Gjon Muharremaj, der als Gjon’s Tears für die Schweiz mit seinem Lied „Tout l’Univers“ angetreten war, hatte von der Jury 267 Punkte bekommen, von den Zuschauern aber nur 165. Und die Französin Barbara Pravi mit ihrem wunderbaren Chanson „Voilà“ 248 und 251 Punkte. Sie lag am Ende mit 499 Punkten nur 25 Punkte hinter Italien auf Platz zwei.

          Entscheidung am frühen Morgen

          Erst am frühen Sonntagmorgen stand Måneskin als Sieger fest. Damiano David, die Bassistin Victoria De Angelis, der Gitarrist Thomas Raggi und der Schlagzeuger Ethan Torchio hatten es sich auf dem Sofa im sogenannten Green Room schon bequem gemacht und auch ein paar Biere getrunken. Offenbar rechneten sie, die bei den Wettbüros die ganze ESC-Woche mit großem Abstand vorne gelegen hatten, nicht mehr mit einem Sieg. Die Kamera zeigte während der Punktevergabe vor allem die Schweizer und die Franzosen, die italienische Bank rückte nur selten ins Bild.

          Doch dann gab es kein Halten mehr. Das Erste was Frontmann Damiano David sagte, als er zurück auf der Bühne war, um die gläserne Trophäe in Form eines Mikrofons entgegenzunehmen: „Rock ’n’ Roll never dies“. Rock ’n’ Roll lebt also weiter, auch wenn er beim ESC musikalisch gesehen eher eine Randerscheinung ist. Genau 15 Jahre ist es her, dass die finnische Gruppe Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ den Song Contest gewann – als erste Hardrockband überhaupt.

          Gar nicht „leise und brav“

          Nun schaffte es Måneskin mit einem Lied, das schon am Freitag einen ersten Preis gewinnen konnte: für den besten Songtext. Der Eurostory Best Lyric Award wird seit 2016 von der Website eurostory.nl verliehen, und zwar vor allem von einer Jury aus 60 Dichtern, Textern, Autoren, Journalisten, Komponisten und ehemaligen ESC-Teilnehmern aus 17 Ländern. Geschrieben wurde „Zitti e buoni“ von den vier Bandmitgliedern selbst. Übersetzt heißt der Songtitel „Leise und brav“. Im Text geht es darum, sich Konventionen und Erwartungen nicht zu beugen, sondern bedingungslos ausgeflippt, verrückt und anders als der Rest zu sein.

          Damiano David lebte das auf der Bühne in der Ahoy-Arena in Rotterdam auch aus, mit einer Wut, die von der jüngeren gegen die ältere Generation gerichtet zu sein scheint, so wurde es zumindest verstanden, passt es auch gut in die Corona-Zeit. Viele erklären sich so auch den doch eher ungewöhnlichen Erfolg der Band. Die Lyrik-Preis-Jury befand, der Text von „Zitti e Buoni“ sei unverfroren und wachrüttelnd, wie ein Aufschrei von Außenseitern der Gesellschaft.

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