https://www.faz.net/-gum-7yk20

Eurovision Song Contest 2015 : „The Voice“ versus „X Factor“

Schaffte beim „Bundesvision Song Contest“ von Stefan Raab immerhin den zweiten Platz: die Frauenband Laing Bild: NDR/Max Parovsky

Sieben Teilnehmer des deutschen Vorentscheides zum Eurovision Song Contest stehen fest. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein ehemaliger Casting-Show-Kandidat das Rennen macht, ist groß. Davon wollen nämlich gleich mehrere Deutschland in Wien vertreten.

          Andreas Kümmert hat der Papierform nach wohl die größten Chancen, Deutschland im Mai beim „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Wien zu vertreten. Kümmert, 1986 in Gemünden am Main geboren, gewann 2013 überlegen die Castingshow „The Voice“. Publikum und Juroren waren vom ersten Moment an von dem Sänger aus Unterfranken und seiner Interpretation eines Elton-John-Klassikers begeistert. Doch der Achtundzwanzigjährige ist nur einer von am Ende acht Kandidaten, die am 5. März beim deutschen Vorentscheid in Hannover antreten werden. Sieben Teilnehmer stehen bereits fest. Ein Platz wird noch, wie schon im vergangenen Jahr, mittels Wildcard vergeben.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dafür bekommen zehn Nachwuchstalente am 19. Februar die Chance, sich für „Unser Song für Österreich“ zu qualifizieren. Damit folgt der für den ESC zuständige Sender NDR seinem Vorjahreskonzept, als die Berliner Band Elaiza zuerst die Wildcard gewann und sich dann mit „Is It Right“ auch gegen etablierte Künstler wie Santiano und Unheilig durchsetzte. Beim ESC in Kopenhagen landete das Musikerinnen-Trio schließlich auf Platz 18.

          In diesem Jahr werden neben Kümmert, der sich auf Blues, Soul und Rock ’n’ Roll im Stile von Künstlern wie Eric Clapton, Joe Cocker, Eagles, Led Zeppelin oder Iggy Pop spezialisiert hat, noch zwei weitere Castingshow-Teilnehmer beim Vorentscheid antreten. Die Band Mrs. Greenbird, die ihre Musik „Singersongwritercountryfolkpop“ nennt, gewann ziemlich klar bei „X Factor“ im November 2012. Hinter dem Kölner Folk-Duo stecken Sarah Nücken und Steffen Brückner, die schon seit 2006 nicht nur zusammen Musik machen, sondern auch privat ein Paar sind. Ihr erstes Album „Mrs. Greenbird“ kam 2013 gleich auf Platz eins der Albumcharts.

          Versucht sich an mittelalterlichen Klängen: die Band Faun aus Gräfelfing bei München Bilderstrecke

          Immerhin einen zweiten Platz schaffte die Frauenband Laing 2012 beim „Bundesvision Song Contest“ von Stefan Raab – und das mit einer neuinterpretierten Trude-Herr-Nummer von 1960. Aus dem Schlager „Morgens bin ich immer müde“ wurde das Elektropop-Stück „Morgens immer müde“. Das Berliner Trio Laing besteht aus Nicola Rost, Johanna Marschall und Larissa Pesch sowie der Choreographin Marisa Akeny.

          Dem eher klassischen Deutschpop hat sich die bislang weitgehend unbekannte Wiesbadenerin Alexa Feser verschrieben. Ihr erstes Album „Ich gegen mich“ ging 2008 unter, ihre zweite CD „Gold von morgen“ aber, produziert von Andreas Herbig (Udo Lindenberg, Adel Tawil und Ich + Ich) erreichte im vergangenen Oktober die deutschen Charts. Damit erfüllte sich ein Traum der Fünfunddreißigjährigen, die seit immerhin 17 Jahren an ihrer Karriere arbeitet.

          Die Band Faun aus Gräfelfing bei München versucht sich auch für den ESC an mittelalterlichen Klängen. Die sechsköpfige Gruppe um Gründer Oliver „SaTyr“ Pade vertont seit 1999 Zaubersprüche und germanische Heldensagen. Ihr Stil nennt sich Pagan-Folk, das bezeichnet den Mix von alten Instrumenten – Harfe, Laute, Drehleier, Dudelsack, Schlüsselgeige, japanische Trommeln, orientalische Rebab-Geigen – mit Synthesizern und Samplern. Uugleich heben sie damit eine enge Verbundenheit zur Natur hevor.

          Jewgenij Grischbowski ist von Hause aus DJ und Produzent. Unter seinem Künstlernamen Noize Generation will er den Rave beim ESC einführen. Der 1992 geborene Wahlmünchner mit russischen Wurzeln ist Spezialist für elektronische Musik. Seinen ersten Erfolg hatte er vor fünf Jahren mit gerade einmal 17 Jahren, als er den Remix-Contest des Produzenten Florian Senfter aka Zombie Nation gewann. Als Noize Generation erreichte er wenig später mit „Get The Fuck Up“ Platz vier der deutschen Club-Charts.

          Die Nummer sieben beim deutschen Vorentscheid ist Fahrenhaidt. Andreas John und Erik Macholl haben bislang vor allem Künstler wie Yvonne Catterfeld, Die Prinzen, No Angels, Peter Kraus und Howard Carpendale produziert. Auch für die Rock ’n’ Roller The Baseballs, die vergangenes Jahr beim Vorentscheid „Unser Song für Kopenhagen“ angetreten waren, arbeiteten sie mit großem Erfolg. Nun wollen sie selbst als Duo und mit New-Age-Musik für Deutschland in Österreich ins Finale. Anfang Februar soll ihr Debütalbum „The Book Of Nature“ erscheinen. Darauf lassen die beiden Berliner gleich mehrere Sängerinnen für sich singen – unter anderen auch Emmelie de Forest. Die Dänin gewann den Song Contest 2013 mit „Only Teardrops“ und brachte ihn im vergangenen Jahr nach Kopenhagen.

          Weitere Themen

          Prinz Andrew will nichts bemerkt haben

          Jeffrey Epstein : Prinz Andrew will nichts bemerkt haben

          Wie viele andere Prominente zählte auch der Sohn von Königin Elizabeth II. zu den Freunden Jeffrey Epsteins. Von den mutmaßlichen Missbrauchsfällen will der Prinz jedoch nichts mitbekommen haben.

          Haftbefehl wegen Mordes erlassen

          Tödliche Schüsse in Berlin : Haftbefehl wegen Mordes erlassen

          Am Freitagmittag wird ein Mann in einem Park in Berlin-Moabit erschossen. Nachdem Taucher die Tatwaffe und das Fahrrad des Verdächtigen sicherstellen konnten, erging am Samstagabend ein Haftbefehl gegen den Verdächtigen.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.