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ESC-Tagebuch aus Tel Aviv (4) : Madonna gibt sich die Ehre

Madonna will beim Finale des Eurovision Song Contests auftreten – doch erst mal sorgt sie in ihrem Hotel für Aufregung. (Archivfoto) Bild: Reuters

In Tel Aviv laufen die Vorbereitungen für das Finale des ESC auf Hochtouren. Inzwischen ist auch Pop-Diva Madonna angereist.

          Der Eurovision Song Contest ist schon in seiner dritten Woche. Am 4. Mai war Tamta, die mit ihrem Lied „Replay“ für Zypern am Wettbewerb teilnimmt, die erste Sängerin, die in Halle 2 des Messezentrums von Tel Aviv auf die Bühne ging. Und das für 40 Minuten. Danach folgte Probe auf Probe. Bei insgesamt 41 Ländern, die dieses Jahr an den Start gegangen sind, sieben Nationen sind inzwischen schon ausgeschieden, kommen da etliche Stunden zusammen. Vor allem, weil jedes Land noch ein zweites Mal für 30 Minuten auf die Bühne darf. Am Ende folgen dann noch für jedes der beiden Halbfinale und für das Finale drei Generalproben.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Eigentlich begann der ESC sogar schon im März. Denn da mussten alle Delegationen exakte Angaben zu ihren jeweiligen Auftritten an den israelischen Sender IPBC, Markenbezeichnung Kan, und das Produktionsteam der Shows senden. Seither arbeiten Hunderte von Designern, Grafikern, Beleuchtern und Kameraleuten an der größten und inzwischen langlebigsten Fernsehunterhaltungsshow der Welt, anfangs noch mit Doubles, Tänzern und Sängern aus Israel, die die Rollen und Positionen für die eigentlichen Künstler und ihre Begleiter einnehmen durften. Damit spart man Zeit, denn zum Schluss bleiben ja nur 82 Proben von insgesamt 2870 Minuten Länge, was ziemlich genau zwei ganzen Tagen entspricht.

          Noch viel länger wurde am Design der Bühne gearbeitet, das abermals Florian Wieder konzipiert hat. Es ist schon das sechste Mal, dass der 51 Jahre alte Münchner für das Bühnendesign bei einem ESC verantwortlich ist. In diesem Jahr hat Wieder sich am offiziellen Logo orientiert. Dieses besteht aus drei Dreiecken, die zusammen einen Stern ergeben – unter anderem als Symbol für Zusammenhalt. Zugleich, so schreibt der Veranstalter, stehen die Dreiecke für die Künstler, die nach Tel Aviv kommen, und aus denen künftige Stars werden könnten, wenn sie es nicht schon längst sind. Unschwer lässt sich auch der Davidstern, Symbol des Volkes Israel und des Judentums, in dem Logo erkennen.

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          In diesem Jahr fällt die Veranstaltung kleiner aus

          Auch wenn Tel Aviv mit seinen knapp 500.000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner ist als Lissabon, das vergangenes Jahr Gastgeber des ESC war, so fällt die Veranstaltung in der zweitgrößten Stadt Israels längst nicht so groß aus wie 2018. Das fängt schon bei der Halle an, die 7280 Zuschauern Platz bietet. Die Altice Arena in Lissabon fasst hingegen 20.000 Besucher. Doch es sind auch wesentlich weniger ESC-Fans angereist: Etliche haben erst gar nicht gebucht, weil die Preise für Hotels und besonders auch die Eintrittskarten um ein Vielfaches teurer sind als im vergangenen Jahre. Andere haben noch kurzfristig ihre Flüge und Hotels storniert, was an den Raketen lag, die die Hamas auch noch im Mai Richtung Tel Aviv abgefeuert hatte.

          In Tel Aviv fühlt sich der Konflikt weit weg an. Die Raketen erreichen die Stadt, die eine knappe Autostunde vom Gaza-Streifen entfernt liegt, so gut wie nie, auch wenn es natürlich überall in der Metropole Schutzräume gibt. Man fühlt sich sicher, selbst wenn man von den Sicherheitsmaßnahmen kaum etwas sieht. In den Straßen sind keine Soldaten unterwegs, Taschen- und Personenkontrollen gab es auch in Lissabon, wenn man auf das ESC-Gelände wollte.

          Dennoch kann sich die Lage jeden Tag ändern: Anfang der Woche gab das Auswärtige Amt eine Warnung heraus, am Mittwoch könnte es zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen. Der 15. Mai 2019 war der 71. Jahrestag der Nakba. Das arabische Wort bedeutet Katastrophe und bezeichnet die Flucht und Vertreibung von etwa 700.000 arabischen Palästinensern, kurz nachdem Israel seine Unabhängigkeit erklärt hatte.

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