https://www.faz.net/-gum-83c81

ESC-Sängerin Ann Sophie : Der Traum von der ersten Reihe

Achtung, Wien! Die Chance, beim Eurovision Song Contest mitzusingen, hat Ann Sophie mit beiden Händen ergriffen. Bild: Stefan Finger

Sie hat lange für eine Karriere auf der Bühne gearbeitet und dabei so manche Widrigkeit in Kauf genommen. Jetzt fährt Ann Sophie zum Finale des Grand Prix nach Wien. Einen Plan B hat sie trotzdem.

          4 Min.

          Der Rat war gut gemeint und richtete sich nicht nur an die deutsche Studentin: „Geht zurück in eure Heimat, werdet dort berühmt und versucht es dann wieder hier in den Staaten.“ Das sei, so meinte der Dozent am Lee Strasberg Theatre & Film Institute in New York, für Ausländer der einfachere Weg, um in Amerika als Künstler Karriere zu machen. Ann Sophie hielt drei Jahre im Heer der talentierten Unbekannten durch. Dann war ihr Traum auch nicht mehr zu bezahlen. Sie hatte ihn sich hart verdient, hatte mit der Gitarre in Metros und in Bars in Manhattan gesungen oder auch bis morgens um fünf Kartons für einen Pizza-Lieferservice für ein paar Extra-Dollar gefaltet – all das also, was ein künftiger Star, der vom Broadway oder von Hollywood träumt, in New York eben so macht. Auch Ann Sophie ist eine Träumerin. Doch sie hat einen Sinn dafür, was sie machen und schaffen kann.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So reist sie an diesem Wochenende zwar zum Eurovision Song Contest (ESC) nach Wien, um Deutschland im Finale zu vertreten. Doch sie weiß genau, wie sie zu dem „riesigen Geschenk“ gekommen ist. Eigentlich sollte sie jetzt in der Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg ein Pflegepraktikum absolvieren, um herauszufinden, ob ihr der Arztberuf Spaß machen könnte. Beim Vorentscheid im März war sie Zweite geworden, hinter Andreas Kümmert, der ihr in der Zuschauergunst überlegen war. Der Mann aus Unterfranken wollte aber nicht auf die große Bühne, er sei ja nur ein „kleiner Sänger“. Ann Sophie erkannte schnell ihre Chance – und griff zu.

          Mit vier Jahren ging’s ins Ballett

          „Ich gehöre einfach auf die Bühne.“ Ann Sophie sitzt in der Kantine „Werkshase“ des Schauspiels Köln, nebenan sendet Brainpool unter anderem Stefan Raabs „TV total“. Seit ihrem Sieg ist Ann Sophie, so wie schon ihre Vorgänger Lena Meyer-Landrut und Roman Lob, bei der Produktionsfirma unter Vertrag. Gerade erst hat sie ihr zweites Album fertiggestellt, „Silver Into Gold“, ein Schnellschuss zwar, aber mit vier eigenen, schon etwas älteren Kompositionen. Auch sie will von dem zumindest kurzzeitigen Ruhm, der ihr gegeben ist, profitieren. So ist ein Album entstanden, das hübsch anzuhören ist, aber keinen bleibenden Wert haben wird.

          Talent allein ist nicht alles. So sei die Musikbranche eben. „Es kann was werden, aber es kann auch nichts werden, es kann heute toll sein, aber es kann auch morgen schon wieder alles vorbei sein.“ Entmutigt wirkt Ann Sophie nicht. Im Gegenteil: Sie zieht das Positive aus dem Hobby, das ihr Beruf werden könnte. Schon mit vier Jahren schickte ihre Mutter sie in London, wo sie 1990 geboren wurde, ins Ballett, ihr Vater arbeitete damals für eine Bank in Großbritannien. Über Frankfurt ging es nach Hamburg, ihr älterer Bruder Pascal war in Taiwan zur Welt gekommen. Ann Sophie lernte Klavier und Gitarre, spielt Cello. Mit 14 begann sie – angeregt durch Britney Spears und Christina Aguilera – mit dem Singen. „Mein Bruder und ich liebten unsere Mini-Playbackshows.“ Pascal tanzte im Background, sie sang lauthals „Un-Break My Heart“ von Toni Braxton. Schon im Teddy-Ballett in London habe sie gerne in der ersten Reihe gestanden. „Als kleines Mädchen war ich bereits ein Clown, habe viel gelacht und Quatsch gemacht – das war immer Teil meiner Persönlichkeit.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

          Antisemitismus : Kein Respekt in KZ-Stätten

          Beschmierte Gedenkstätten und Lehrer, die im Unterricht nicht über die Judenverfolgung der Nazis zu sprechen: Fachleute beobachten wachsenden Antisemitismus und Desinteresse an der Geschichte. Digitale Lösungen könnten Abhilfe schaffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.