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ESC-Kandidatin Levina : Unsere Stimme für Kiew

Wer Levina nicht kennt, ist erstaunt, denn die gebürtige Bonnerin klingt, als hätte sie eine Nacht durchgezecht. Bild: Junker, Patrick

In gut zehn Tagen findet das ESC-Finale statt. Für Deutschland ist Levina mit „Perfect Life“ schon einmal durch Europa getourt. Schwer wird sie es trotzdem haben.

          Sage niemand, sie hätten es nicht versucht. Neun Länder hat Levina bis Ende April bereist, um ihr Lied für Kiew zu präsentieren. Es war das erste Mal, dass der NDR einen Künstler auf Tournee schickte, um schon vor dem „Eurovision Song Contest“ (ESC) den deutschen Beitrag zu bewerben. Auf dem Programm standen Albanien, Armenien, Georgien, Israel, Mazedonien, die Niederlande, Österreich, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Eigentlich sollten es sogar zehn Länder sein, doch der Termin in Slowenien wurde abgesagt.

          Auf Europatour: Levina im April in Amsterdam
          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wo Levina am besten ankam? „In Armenien“, glaubt die deutsche Kandidatin. Das habe einen einfachen Grund. Ihre Konkurrentin aus dem Kaukasus habe sie zu einer kleinen Challenge aufgefordert. Die Idee der armenischen Sängerin Artsvik: Jede von ihnen sollte ein Volkslied aus der Heimat der jeweils anderen einstudieren und vortragen. Und so sang Artsvik „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und Levina „Kaqavik“ von Komitas Vardapet – natürlich auf Armenisch. Dafür wurde die Deutsche gefeiert, der armenische Priester Komitas ist gewissermaßen ein Nationalheiliger und gilt als Begründer der modernen Klassischen Musik seines Landes.

          Levina wird es trotzdem schwer haben – und nicht nur in Armenien, Georgien oder bei den Brexiteers. Selbst im eigenen Land weiß kaum jemand, wer die 1,81 Meter große blonde Sängerin ist, von ihrem Lied „Perfect Life“, das nur kurz im Februar auf Platz 28 der deutschen Single-Charts zu finden war, ganz zu schweigen. Von ESC-Begeisterung kann auch keine Rede sein, nach zwei letzten Plätzen mit einmal sogar null Punkten ist das verständlich.

          Es könnte wieder ein letzter Platz werden

          Levina will sich davon nicht beirren lassen. „Ich will eine gute gesangliche Performance hinlegen.“ Doch selbst das muss nicht für den Sieg reichen. Es könnte wieder ein letzter Platz werden, was mit Politik wenig zu tun hat, sondern schlichtweg der Tatsache geschuldet ist, dass im Finale 26 Kandidaten antreten, die nur zehn Wertungen aus jedem der 42 Teilnehmerländer bekommen können. Auch wenn Jury- und Zuschauerwertungen inzwischen voneinander getrennt sind, so gehen einige bei der Punktevergabe sicher wieder fast leer aus.

          Am Ende trat sie gegen sich selbst an: Levina beim deutschen Vorentscheid mit Finalist Axel Maximilian Feige.

          Levina, die am Montag 26 Jahre alt geworden ist, weiß um ihre Stärken. „Meine Stimme sticht heraus.“ Wer sie nicht kennt, ist erstaunt, denn die gebürtige Bonnerin klingt, als hätte sie eine Nacht durchgezecht. Eine tiefe Stimme aber hatte sie schon als kleines Mädchen. Zudem kann sie nicht nur Alt, sondern auch Sopran. „Ein bisschen mehr als drei Oktaven schaffe ich.“ Zu ihren Lieblingsarien zählt Didos Klage „When I Am Laid In Earth“ aus der Oper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell.

          Levina fühlt sich wohl auf der Bühne: „Ich will eine gute gesangliche Performance hinlegen.“

          Isabella Levina Lueen hat eine klassische Gesangsausbildung. Entdeckt wurde ihr Talent in Chemnitz, wo sie aufgewachsen ist. „Als Kind habe ich im Chor meiner Grundschule gesungen“, erzählt sie. Dabei sei ihre Stimme der Chorleiterin aufgefallen. „Sie empfahl meinen Eltern, ich sollte Gesangsunterricht nehmen.“

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