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Tagebuch aus Stockholm (4) : Armenien und sein Flaggen-Eklat

Die armenische Delegation um Sängerin Iveta Mukutschjan mit der verbotenen Flagge der Region Bergkarabach Bild: Picture-Alliance

In Stockholm fiebert man dem bunten ESC-Finale am Samstag entgegen. Die Wettbüros der schwedischen Hauptstadt scheinen jedoch den Sieger schon zu kennen.

          „Maudes Hotel“ ist eher eine kleine familiäre Pension. Es liegt in Enskede im Süden Stockholms. Hier leben viele Familien, die Straßen sind schmal, die Holzhäuser bunt. Maude Ärnström hat vor 16 Jahren das Haus direkt an der Haltestelle Svedmyra gebaut. Inzwischen sind zwei weitere Hotels in Stockholm hinzugekommen. An die 150 Zimmer sind derzeit vermietet – und fast ausschließlich an Besucher des „Eurovision Song Contest“ (ESC).

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Schwedens Hauptstadt hat sich für seine Gäste fein gemacht. Viele der Straßen sind geschmückt mit ESC-Bannern, Straßenbahnen und Taxis fahren für die größte Fernsehunterhaltungsshow der Welt Reklame – nur gegen die Fußball-WM kommt der Grand Prix, was Zuschauerzahlen angeht, nicht an. Auf dem Norrmalmstorg zählt eine Uhr die Sekunden, Minuten, Stunden und Tage bis zum großen Finale. Natürlich wie bei einem Countdown rückwärts. Ganz vorne steht an diesem Donnerstag also eine „2“. Jeder ESC-Fan kommt mindestens einmal an dem Platz im Stockholmer Stadtteil Norrmalm vorbei, und nicht nur weil hier die Straßenbahnlinie 7 abfährt, die direkt vor dem Abba-Museum und dem Vergnügungspark Gröna Lund anhält.

          Nichts erinnert hier an das Geiseldrama am Norrmalmstorg, als Janne Olsson 1973 in der „Kreditbanken“ vier Geiseln nahm. Der nach 131 Stunden unblutig zu Ende gegangene Raubversuch wurde vor allem bekannt, weil die vier Bankangestellten mehr Angst vor der Polizei entwickelten als vor ihren Geiselnehmern, was später als „Stockholm-Syndrom“ in die Kriminalgeschichte einging.

          Etwas südlich vom Normalmstorg befindet sich der Kungsträdgården, der Königsgarten, am nördlichen Ufer des Norrström. Hier, unter zurzeit herrlich blühenden Kirschbäumen, hat das „Eurovision Village“ seine Zelte aufgeschlagen. Auf einer Bühne wird den ganzen Tag Musik gemacht, und hier spielt und singt nicht irgendwer: Am Mittwochabend traten zum Beispiel gleich mehrere ehemalige Grand-Prix-Sieger auf, unter ihnen die in Göteborg geborene Griechin Elena Paparizou, die 2005 mit „My Number One“ die Nummer eins wurde, und Katrina and the Waves, die 1997 mit „Love Shine A Light“ zum letzten Mal für das Vereinigte Königreich gewannen.

          Bloß nicht zu politisch

          Abends ist „Public Viewing“ angesagt, Hunderte, wenn nicht Tausende werden am Samstag erwartet. Zudem kann man sich nur während des ESC  mit einer „Sky-attraction“ bis auf 81 Meter Höhe bringen lassen. Die Aussicht soll atemberaubend sein, man braucht nur etwas Mut und muss schwindelfrei sein, um das gläserne Gefährt zu besteigen. Am Schloss, dem Kungliga Slottet, auf der anderen Seite des Norrströms, steht in diesen Tagen ein riesiges weißes Zelt. Das verschandelt zwar ein wenig die Aussicht, doch einen besseren Platz auf der Altstadt-Insel Gamla Stan als den Skeppsbron für den „Euro Club“ und das „Euro Fan Café“ gibt es wohl nicht. König und Königin haben noch nicht vorbeigeschaut, ob sie am Samstag beim Finale sein werden, ist nicht bekannt. Aber es darf bezweifelt werden.

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