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Erstes Halbfinale des ESC : Omas in Puschen und Zwillinge mit Strähnen

Auch Udmurtinnen wollen feiern: Russlands Beitrag zum Eurovision Song Contest in Baku Bild: AFP

Vielleicht fünf Titel hätten einen Finalplatz verdient gehabt, zehn aber mussten ausgewählt werden: Es war der Qualitätsmangel, der das erste Halbfinale zum Eurovision Song Contest in Baku so spannend machte.

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          Der „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Baku begann mit einem Euro-kritischen Lied. Wie passend. Wenn auch eigentlich nicht in der Hauptstadt Aserbaidschans, in der seit ein paar Jahren der Reichtum ausgebrochen ist. Allerdings, so heißt es, soll das Erdöl derzeit nicht mehr so viel einbringen wie noch vor ein paar Jahren, und das schwarze Gold wird auch am Kaspischen Meer nicht unendlich sprudeln. Doch zurück zu Rambo Amadeus aus Montenegro und seinem Titel „Euro Neuro“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sein wirklich nervender Sprechgesang über Euro-Skeptizismus, über zu viel Bürokratie und zu wenig Pragmatismus war von Anfang an chancenlos. Das wusste er sicher auch selbst, obwohl er sogar schon mal die Goldene Rose beim Rose d’Or-Festival in Montreux gewonnen hatte. Aufs Finale in Baku hatte er es aber bestimmt nie ernstlich abgesehen, nicht mit so einem Song und an so einem Ort.

          Ihr letztes Lied war einfach besser

          Ansonsten war das erste Halbfinale am Dienstagabend in der neu errichteten Kristallhalle von Baku spannend wie selten, das aber auch nur, weil der Wettbewerb extrem schwach besetzt war. Vielleicht fünf der dargebotenen Beiträge hätten einen Platz in der Endrunde am Samstag wirklich verdient, zehn aber mussten nun einmal weiter kommen. Im Grunde gesetzt waren nur die „Golden Girls“ aus Russland, die sechs mehr oder weniger betagten Großmütter aus der Taiga. Liebevoll inszeniert verwandeln sich die Buranowskije Babuschki bei ihrem Auftritt geradezu in Partybiester, naja, fast.

          In ihrer bunten Flickentracht, mit Kopftuch und schwerem Silberschmuck sitzen sie erst friedlich singend am Ofen zusammen, der tatsächlich auch qualmt und aus dem am Ende sogar Backwerk gezogen wird, bevor sie – und von diesem überraschenden Moment lebt ihre Nummer - mit ausgebreiteten Armen und in ihren traditionellen Bastschuhen, den Lapti, aufs Publikum zulaufen und zum Tanz einladen. „Party For Everybody“ heißt ihr Lied und auch ihr sich immer aufs Neue wiederholender Refrain. Viel mehr versteht außerhalb ihrer Heimat sowieso niemand, denn die sechs stammen aus der kleinen Republik Udmurtien westlich des Urals und singen in ihrer Muttersprache Udmurtisch, einer permischen Sprache, die mit dem Finno-Ugrischen verwandt ist und von nicht einmal einer halben Million Menschen gesprochen wird.

          Von Anfang an chancenlos: Rambo Amadeus aus Montenegro mit seinem Titel „Euro Neuro“ Bilderstrecke

          Auf sie darf man sich im Finale freuen. Eher freudlos, aber trotzdem nicht unerwartet war auch das Fortkommen von Jedward, den ununterbrochen springenden und hüpfenden sowie furchtbar anstrengenden Zwillingen aus Irland, die schon 2011 in Düsseldorf für ihre Heimat angetreten und auf Rang acht gelandet waren – es war immerhin das beste Ergebnis für den Grand-Prix-Rekordgewinner Irland seit dem Jahr 2000. In diesem Jahr begeistert allerdings weniger ihr Lied „Waterline“, das wesentlich schwächer ist als ihr „Lipstick“ aus dem vergangenen Jahr, sondern mehr ein Springbrunnen, um den sie erst wild tanzen, bevor sie sich abschließend von der Fontäne nass machen lassen. So erklärt sich wohl auch, dass sie ihr Haar nicht toupiert nach oben, sondern von Anfang an in Strähnen geklebt am Kopf trugen.

          Leuchtende Streifen

          Verdient hingegen ist die Finalteilnahme von Albanien. Etwas Dramatischeres als Rona Nishlius „Suus“ hat es bei einem Grand Prix lange nicht gegeben. In großer, geradezu kantiger Robe steht sie wie eine Operndiva alleine auf der Bühne, auf dem Kopf ein mächtiger Dutt aus Dreadlocks, von denen sich eine der blondierten Filzlocken um Hals und ins Dekolleté schlängelt. Sie schmettert eine derart zu Herzen gehende Weise, die sie und ihr Publikum in die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen führt. Schon während ihres Auftritts wurde sie dafür mit frenetischem Applaus belohnt.

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