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ESC-Kandidat Michael Schulte : Auf Youtube groß geworden

Noch mit seiner Gitarre: Beim Auftritt in Lissabon will Michael Schulte auf sein Instrument verzichten. Bild: Henning Bode

Michael Schulte, der deutsche Kandidat für den Eurovision Song Contest, reist am Donnerstag mit hohen Zielen nach Lissabon. Auf Youtube konnte er bereits ein Millionen-Publikum für sich gewinnen. Wie stehen seine Chancen in Portugal?

          Warum er sich das antut? „Als Musiker“, sagt Michael Schulte, „strebt man nach Aufmerksamkeit.“ Und die sei ihm beim Eurovision Song Contest (ESC) sicher. „Ich freue mich riesig über diese Plattform.“ Und wenn’s nicht so gut läuft, werde er später trotzdem stolz seinen Kindern vom Finale in Lissabon erzählen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Aufmerksamkeit hat der Buxtehuder schon seit gut zehn Jahren. Seine hausgemachten Youtube-Videos, oft waren es Coverversionen bekannter Hits, weil die besonders häufig aufgerufen werden, erreichten ein Millionen-Publikum. Bereits als Schüler fiel er so den Talent-Scouts der Fernseh-Castingshows auf. Jahr für Jahr riefen sie bei dem jungen Mann aus Deutschlands hohem Norden an: Doch Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Das Supertalent“ oder auch „XFactor“ gefielen Michael Schulte nicht.

          Erst als 2011 die Verantwortlichen von „The Voice of Germany“ auf ihn zukamen, um ihn für ihre erste Staffel zu gewinnen, sagte er zu. „Bei ,The Voice‘ wird man als Musiker mit Respekt behandelt“, sagt Schulte. Sicherheit gab ihm, dass er zunächst singen konnte, ohne dass die Castings im Fernsehen gezeigt wurden. Und über den Künstler, der ihn als Coach auswählte, freute er sich ebenfalls: Rea Garvey. Schulte kam ins „Voice“-Finale und landete auf Platz drei.

          Schulte will mindestens unter die besten zehn

          Schon vorher habe aber für ihn festgestanden, dass er professioneller Musiker werden wolle. Er machte 2009 zwar noch sein Abitur und leistete danach einen neunmonatigen Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt in Flensburg ab, begann dann aber weder eine Ausbildung noch ein Studium. Vielmehr veröffentlichte er zunehmend selbst geschriebene Songs auf Youtube und machte nebenher Straßenmusik. Auch erste Alben erschienen 2011. Gerade hat er sein zehntes Album fertiggestellt, das an diesem Freitag erscheinen wird und den Titel „Dreamer“ trägt.

          Auf dem Album ist auch sein Lied für Lissabon: „You Let Me Walk Alone“. Darin heißt es: „I’m a dreamer, a make believer“ – Ich bin ein Träumer, ein Phantast. Zu den Träumen, den Phantastereien des Michael Schulte zählt schon lange der ESC. „Ein Platz weit vorne ist durchaus möglich.“ Mindestens aber ein Platz unter den besten zehn. „Ich weiß, was ich kann.“ Auch wenn er nie Gesangs- und Gitarrenunterricht gehabt habe, sei er ein sicherer und guter Sänger. „Was nicht heißen soll, dass ich jeden Ton im Finale treffen werde.“ Dazu sei die Bühne, die ihm da bereitet werde, viel zu groß. Wie nervös er sein wird, kann er nicht abschätzen. „Ich habe schon mal vor 70.000 Menschen gesungen, aber nicht vor 200 Millionen.“

          Michael Schulte wurde 1990 in Eckernförde geboren und wuchs rund um Flensburg auf. Er zählt sich zur dänischen Minderheit, auch wenn es in seiner Familie keine Dänen gibt. Da er aber, genauso wie sein zwei Jahre älterer Bruder und seine zwei Jahre jüngere Schwester, in einem dänischen Kindergarten gewesen sei, danach auf dänischen Schulen, „gehören wir schon auch dazu“.

          Den Song hat er seinem toten Vater gewidmet

          Mit vier oder fünf begann er zu singen, seit er sieben ist, spielt er Gitarre. In der Schule hatte er, wenn auch nur kurz, eine eigene Band: Secret Tunations. „Meine Familie wusste also, dass ich den Drang zur Musik hatte.“ So war es keine Überraschung für seine Mutter, als er ihr eröffnete, einfach nur Musik machen zu wollen. Das war 2010, eines seiner Lieder auf Youtube hatte eine Million Aufrufe. „Meine Mutter sagte nur: ,Ja, mach bloß!‘“

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