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Eurovision Song Contest : Olympische Gesänge

Am Kreml für Deutschland: Oscar Loya (links) und Alex Christensen Bild: dpa

Alex Swings Oscar Sings! vertreten die Bundesrepublik beim Grand Prix in Moskau. Nur einen Tag nach dem Halbfinale des Eurovision Song Contest geben sie sich selbstbewusst und demütig zugleich.

          Von Anspannung keine Spur: Während die No Angels im vergangenen Jahr noch etwas verkniffen und nervös (und zudem ja auch krankheitshalber nur zu dritt) bei der Bootstour auf der Donau in Belgrad wirkten, waren Alex und Oscar am Mittwoch bei der Schiffsfahrt mit und für die deutsche Delegation über die Moskwa - offenbar - die Ruhe selbst. Selbstbewusst und bester Laune gaben die beiden Interviews.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nur einen Tag nach dem Halbfinale beim Eurovision Song Contest in Moskau galt es, die nun feststehenden Konkurrenten im Finale in den Blick zu nehmen. Stärker als 2008 findet Alex C. die Beiträge in diesem Jahr. Doch das kann Oscar Loya nicht schrecken: Das sei doch hier ein wenig wie die Olympischen Spiele, meinte er - in Moskau messen sich eben die Besten der Besten.

          Die Deutschen müssen sich positionieren

          Das ist wohl übertrieben. Die Deutschen aber müssen sich positionieren. Kaum jemand kennt sie in der Heimat - auch nicht vier Tage vor dem Finale, ihr Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ wurde monatelang nicht einmal von den Radiostationen des öffentlich-rechtlichen Senders ARD gespielt, der ja Mitglied der European Broadcasting Union ist und den Grand Prix für Deutschland verantwortet. Dass die Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese aus Amerika am Samstagabend mit Alex Swings Oscar Sings! (so ihr Bandname) auf der Bühne stehen wird, hat wenigstens ein bisschen Aufsehen hervorgerufen. Und dass Jane Comerford, die mit Texas Lightning und ihrem in Deutschland so erfolgreichen Ohrwurm „No No Never“ beim Grand Prix in Athen 2006 gewesen war, im Hintergrund die artistischen Fäden in Moskau zieht, auch das wurde wohlwollend zuhause aufgenommen.

          Oscar Loya stellt also noch mal klar: Aus Gag habe man ihn nicht aus den Vereinigten Staaten geholt, um für Deutschland in Russland anzutreten. Der Sohn eines Mexikaners fühlt sich als Europäer. Tatsächlich stammt Oscar Loya, Jahrgang 1979, aus Kalifornien. Allerdings lebt er schon seit 2006 mit seinem deutschen Freund in München, nachdem der Sänger zwei Jahre zuvor schon in dem Musical „West Side Story“ an der Isar zu sehen war.

          Alex Christensen, 42 Jahre alt, gelernter Speditionskaufmann und Vater eines Sohns, ist Hamburger. Er hat seit Beginn der neunziger Jahre 110 Millionen Tonträger verkauft - als Komponist und Produzent. Bekannt wurde er mit der Techno-Version der Filmmusik zu „Das Boot“, die in 22 Ländern auf Platz eins der Charts stand. Alex C., der im vergangenen Jahr noch die No Angels als „Roboter-Tussis“ bezeichnet hatte, will beweisen, dass auch Deutschland beim Grand Prix wieder ganz nach vorne kommen kann. Dass seine drei letzten größeren Chart-Erfolge Titel hatten wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ (auch in Russland ein Hit!), „Du bist so Porno“ und „Doktorspiele“, spricht wohl nicht unbedingt für sein Publikum.

          25 Länder in der Endrunde

          Doch Alex C. ist auch demütig. Nach den deutschen Ergebnissen der vergangenen Jahre müsse man froh sein, „dass man noch dabei sein darf“. Zu den schärfsten Konkurrenten zählt er den Norweger Alexander Rybak, der mit seinem Lied „Fairytale“ seit Wochen als Favorit gehandelt wird, und die Britin Jade Ewen. Weniger, weil ihre Ballade „My Time“ so unvergleichlich wäre, sondern weil sie von Lord Andrew Lloyd Webber (zusammen mit Diane Warren) stammt. Der Beitrag des Musical-Titanen führe ja sogar die russischen Charts an - weil man die kaufen könne. Außerdem sei der Brite ein Freund von Wladimir Putin, was gewiss nicht von Nachteil ist.

          Doch selbst wenn Jade Ewen mit Hilfe von Lloyd Webber nun international Karriere macht und ihr Titel zu einem Erfolgsschlager in ganz Europa wird, den Grand Prix muss sie - unabhängig davon - am Samstag in der Olympiyski Arena erst einmal gewinnen. Die Moskauer Arena, in die 80.000 Menschen passen - beim Finale am Samstag werden es allerdings nur 22.000 sein - wurde 1980 für die Olympischen Spiele gebaut.

          25 Länder werden in diesem Jahr in der Endrunde stehen, 17 Delegationen haben Moskau dann schon wieder verlassen. Unter ihnen auch Andrea Demirovic aus Montenegro. Sie schied am Dienstag aus, weil ihr Lied „Just Get Out Of My Life“ einfach nicht gut genug war. Früher einmal schufen der Komponist Ralph Siegel und sein Texter Bernd Meinunger Grand-Prix-Klassiker wie Nicoles „Ein bisschen Frieden“ und Katja Ebsteins „Theater“, in diesem Jahr gelangten sie mit der Adria-Republik nicht einmal ins Finale.

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