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Eurovision Song Contest : No Angels wollen für Deutschland singen

Sie arbeiten bereits zwölf Monate an ihrem Comeback Bild: dpa

Die No Angels wollen Deutschland beim diesjährigen Grand Prix vertreten. Am 6. März tritt die Gruppe gegen vier weitere Teilnehmer am nationalen Vorentscheid an. Die erste deutsche Castingband versuchen sich seit zwölf Monaten an einem Comeback - bislang mit geringem Erfolg.

          Zweimal hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) in den vergangenen beiden Jahren jeweils drei Teilnehmer zum Vorentscheid des Eurovision Song Contest (ESC) nach Hamburg eingeladen. In diesem Frühjahr werden fünf Kandidaten gegeneinander antreten: die Hamburgerin Carolin Fortenbacher, der in München geborene Tommy Reeve, die Gruppen Cinema Bizarre, Marquess und die No Angels.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Damit ändert der NDR zum wiederholten Male sein Konzept. Der Vorentscheid mit nur drei Kandidaten war als wenig abwechslungsreich und eintönig kritisiert worden, die Teilnehmer mussten jeweils zweimal auftreten, zudem wurden viele ehemalige Grand-Prix-Teilnehmer auf die Bühne des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg geholt, auch um den Fernsehabend in die Länge zu ziehen. Daran will der Sender offenbar nicht festhalten.

          Das Comeback der No Angels

          Von den fünf Teilnehmern ist bislang nur Deutschlands erste und bei weitem erfolgreichste Castingband über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die No Angels, im Jahr 2000 aus dem Fernsehwettbewerb „Popstars“ hervorgegangen, versuchen sich seit zwölf Monaten an einem Comeback. Vor ihrer Auflösung im Dezember 2003 verkauften nur die Spice Girls mehr Platten in Europa, zu den größten Hits des deutschen Quintetts zählte gleich die erste Single „Daylight In Your Eyes“.

          Die No Angels sind die erfolgreichste deutsche Castingband

          Die Wiederkehr der No Angels verlief bislang aber wenig erfolgreich. Eine ihrer letzten Singles („Maybe“) schaffte es nicht einmal unter die Top 20 der deutschen Hitparade, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sich eines der Bandmitglieder, Vanessa Petruo, lieber weiterhin ihrer Solokarriere widmet. Über eine Grand-Prix-Teilnahme der verbliebenen vier No Angels wurde schon länger spekuliert, ob sie ihrer Karriere nützt, ist allerdings fraglich: Im vergangenen Jahr war die in der fünften Staffel „Popstars“ zusammen gewürfelte „Mädchenband“ Monrose kläglich beim Vorentscheid in Hamburg gescheitert.

          „El Temperamento“

          Der Sänger und Frontmann der 2006 gegründeten Gruppe Marquess, Sascha Pierro, hat als einziger aller in diesem Jahr antretenden Kandidaten schon Grand Prix-Erfahrung: Pierro trat 2003 mit dem Titel „Wenn Grenzen fallen“ beim Vorentscheid an und landete auf Platz zehn bei 14 Teilnehmern.

          Die Band Marquess besteht aus vier deutschen Musikern - nur Pierro hat auch italienische Wurzeln. Alle vier arbeiteten früher als Musikproduzenten unter anderen von Künstlern wie Marla Glen und Patrick Nuo. Ihr in Teilen spanisches Lied „El Temperamento“ galt 2006 als Sommerhit. Einen spanischen Song („Histeria“) will Marquess auch beim Vorentscheid präsentieren.

          Besungen wird Lust und Frust

          Die Sängerin Carolin Fortenbacher wurde bekannt als Hamburger Donna in dem Abba-Musical „Mamma Mia!“ Sie besitzt eine Opernstimme und hat nicht nur die Evita Péron in „Evita“, sondern auch die Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“ gesungen. Beim Vorentscheid in Hamburg tritt sie, wie es heißt, mit einer sanften Popballade („Hinterm Ozean“) an.

          Der 27 Jahre alte Münchner Tommy Reeve hat vergangenes Jahr sein erstes Album („On My Mind“) veröffentlicht. Ähnlich wie Swingsänger Roger Cicero, der Deutschland vergangenes Jahr beim ESC-Finale in Helsinki vertrat, besingt er „Beziehungslust und -frust“ zwischen Frauen und Männern - allerdings ausschließlich auf englisch. Sein Wettbewerbsbeitrag heißt „Just One Woman“.

          Inspiriert von Manga-Comics

          Auch Cinema Bizarre gründete sich erst 2007. Die fünf Mitglieder, sie sind zwischen 17 und 22 Jahren alt, haben sich nach eigenen Angaben auf einer Convention für Manga-Comics und japanische Zeichentrickfilme kennengelernt. Ihre Wurzeln sehen sie in der japanischen Jugendkultur, „Visual Kei“ genannt. Daran erinnern nicht nur ihre Namen - Strify, Kiro, Shin, Yu und Luminor -, die fünf treten auch mit greller Schminke auf und spielen dabei mit den Geschlechterrollen. Ihr Musikstil ist eine Art poppiger Glamrock.

          Das Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest findet am 24. Mai in Belgrad statt. Nach Angaben der European Broadcasting Union (Ebu) nehmen 43 Nationen teil - ein neuer Rekord. Erstmals werden San Marino und Aserbaidschan dabei sein. Österreich dagegen verzichtet auf eine Teilnahme, wie auch die Slowakei, Italien, Monaco und Luxemburg. Erstmals wird es in Belgrad zwei Halbfinale geben. Deutschland ist allerdings schon fürs Finale gesetzt. Der deutsche Vorentscheid findet am 6. März in Hamburg statt.

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