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Eurovision Song Contest : Max hat keine Chance

  • Aktualisiert am

Kann Max die Untersuchung wiederlegen? Bild: dpa/dpaweb

Ein Münchener Wissenschaftler mimt den Spielverderber: Ein früh startender, männlicher Solist hat beim Eurovision Song Contest kaum eine Siegchance, besagt seine Studie.

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          Max hat im Grunde keine Chance: Weil er keine Frau ist, weil er alleine auf der Bühne steht, weil er im Finale des Eurovision Song Contest nicht als letzter aller teilnehmenden Sänger auftritt und - vor allem - weil er aus Deutschland kommt. Das zumindest ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger von der Münchner Universität gemacht hat.

          Die Idee zu seiner Arbeit hatte Schweiger vor dem Fernseher während einer Übertragung des Grand Prix: "Ich fragte mich, wie die Zuschauer, die ja seit 1998 per Telefon entscheiden dürfen, ihre Punkte verteilen." Er stellte fest, daß bei den vergangenen sechs Grand Prix weibliche Teilnehmer, Duos und Sänger, die am Ende des Abends aufgetreten waren, eindeutig mehr Punkte erhielten als allein singende Männer, die - wie zum Beispiel Max an diesem Samstag abend - auf Platz acht starten müssen.

          Wirtschaftlich starke Länder haben bessere Chancen

          Viel interessanter für Schweiger waren aber die Beziehungen der Länder untereinander. Dabei legte der Wissenschaftler die sogenannte Nachrichtenwerttheorie zugrunde, die in etwa besagt, daß die Auslandsberichterstattung von Medien in der Regel die politisch, wirtschaftlich und kulturell dominierenden Staaten der westlichen Welt - allen voran die Vereinigten Staaten - bevorzugt, Entwicklungs- und Schwellenländer hingegen kommen kaum vor. Und tatsächlich fand Schweiger seine Hypothese bestätigt: Besonders Beiträge von wirtschaftlich starken Ländern mit großer Bevölkerung haben beim Grand Prix bessere Chancen, weil ihnen von vornherein mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

          Auch Schweigers zweite Annahme, daß Teilnehmerstaaten, die sich politisch, wirtschaftlich, kulturell und geographisch näher sind, sich gegenseitig auch mehr Punkte geben, ließ sich belegen. Allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung: Beiträge von sogenannten Next-Door-Giants, also großen Ländern in direkter Nachbarschaft zu kleineren Staaten, bekommen von ihren kleineren Nachbarn weniger Punkte, als ihnen von ihrem Status her zustünden. "Diesen ,Next-Door-Giant-Effekt' konnten wir am deutlichsten bestätigen", sagt Schweiger. "Gleich große Nachbarländer geben sich durchschnittlich 6,2 Punkte, der viel größere Nachbar bekommt aber gerade einmal 3,1 Punkte."

          Ein Journalist mag bei seiner Nachrichtenauswahl nicht um den "Next-Door-Giant" herumkommen, der Zuschauer des Song Contest jedoch straft den argwöhnisch beäugten großen Nachbarn bei der Punktevergabe ab. Eines allerdings konnte Wolfgang Schweiger bei seiner Untersuchung nicht berücksichtigen: Welchen Einfluß Lied und Sänger auf das Abstimmungsverhalten haben. Insofern darf Max doch noch hoffen.

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