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Eurovision Song Contest : Kalter Krieg der Musik

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Platz zwei für Fred vom Jupiter: Verka Serduchka aus der Ukraine Bild: AFP

Nach dem schlechten Abschneiden westeuropäischer Länder wird nun von „Schummel-Grand-Prix“ und „Balkanovision-Sowjet-Contest“ gesprochen. Die osteuropäischen Länder hätten sich die Stimmen zugeschoben, der Westen habe keine Chance mehr.

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          Nach dem Eurovision Song Contest ist die Empörung groß. Roger Cicero auf Platz 19, die westeuropäischen Länder weitgehend auf die hinteren Plätze verwiesen. Von „Schummel-Grand-Prix“ und „Balkanovision-Sowjet-Contest“ wird gesprochen. Die osteuropäischen Länder hätten sich die Stimmen zugeschoben, der Westen habe keine Chance mehr.

          Der deutsche Grand-Prix-Verantwortliche vom Norddeutschen Rundfunk, Jan Schulte-Kellinghaus, warnt angesichts solcher Töne davor, sich als schlechter Verlierer zu geben, nur weil es einige Jahre nicht so gut gelaufen sei. Von Forderungen, nicht mehr am Song Contest teilzunehmen, wie von Schlagersängerin Nicole, der einzigen deutschen Grand-Prix-Siegerin, am Montag geäußert, hält Schulte-Kellinghaus nichts. „Wenn wir uns vom Eurovision Song Contest abwenden, wäre das doch ein völlig falsches Signal.“ Zumal da Serbien hochverdient gewonnen habe und ein Sieg schließlich nur möglich sei, wenn ein Künstler Punkte aus Ost und West bekomme. „Die Sympathiepunkte gab es schon immer. Natürlich hat dieses Phänomen in den vergangenen Jahren ein neue Blüte erlebt.“

          Gegnerschaft zwischen Ost und West

          Dass der Vorschlag des Musikproduzenten Ralph Siegel - zwei Halbfinal-Runden für West- und Osteuropa - eine Lösung sein könnte, glaubt Schulte-Kellinghaus nicht. „Eine Trennung in West und Ost würde eine Gegnerschaft schaffen, die mit dem Grundgedanken des Eurovision Song Contest nicht vereinbar ist.“ Ralph Siegel sagt, einen Kalten Krieg der Musik wünsche auch er sich nicht. Doch immerhin wäre dann die Chancengleichheit zwischen Ost und West hergestellt. Schulte-Kellinghaus sagte aber, von 2009 an könne es zwei Halbfinale geben, die nicht nach Ost und West geteilt wären. Das seien aber nur Planspiele, genaue Pläne dazu gebe es nicht.

          The winner takes it all: Siegerin Marija Serifovic

          Letztlich, so sagt auch Siegel, sei der Grand-Prix „so, wie er ist, gut“. Der Osten sei einfach besser gewesen. „England bis Niederlande waren grässlich. Man muss der Seele des Gesamtpublikums entsprechen. Da kann man nicht mit Swing kommen.“ Auch Martin Backhaus, Präsident des Eurovision Club Germany, hält sich mit Kritik zurück, findet aber eine Umstellung des Punktesystems überlegenswert. So wäre eine internationale Jury möglicherweise eine Lösung. Natürlich werde der Grand-Prix „ostlastig“, aber die Lieder seien toll gewesen. „Hier hat ein Super-Song gewonnen.“ Die Veranstaltung als Schummel-Grand-Prix abzustempeln, sei nicht richtig und eine Kurzschlussreaktion. Es komme auf die Qualität der Musik an - nicht auf Ost oder West.

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