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Eurovision Song Contest : Deutschland-Premiere ohne Funkenflug

Das Duo Alex Swings Oscar Sings vetritt Deutschland beim „Eurovision Song Contest” in Moskau Bild: dpa

Sie sollen antreten, um zu gewinnen, doch die Generalprobe stimmt nicht optimistisch: Bei der Echoverleihung löste der deutsche Beitrag zum Eurovision Song Contest keine Begeisterung aus. „Miss Kiss Kiss Bang“ fiel beim Publikum durch.

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          Guildo Horn sollte es mal wieder richten. Zwar nicht allein, aber als Teil einer eigens vom NDR zusammengestellten Jury. 1998 holte der Schlagersänger für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Birmingham mit seinem von Stefan Raab geschriebenen „Guildo hat euch lieb“ einen achtbaren siebten Platz. Dieses Jahr durfte Guildo Horn nun über den Direktkandidaten mitbestimmen. Für wen er sich aussprach, ist nicht bekannt. Die öffentliche Enttäuschung über die Wahl der Jury, den diesjährigen deutschen ESC-Teilnehmer Alex Swings Oscar Sings war indes groß. Ein weiteres Mal hatten sich weder Rammstein, noch Tokio Hotel oder eine andere namhafte Band für den Grand Prix zur Verfügung gestellt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Samstagabend bei der Verleihung des Musikpreises Echo in der ARD war es dann soweit: „Miss Kiss Kiss Bang“ hatte Premiere - und sorgte nicht für Begeisterung und Beifallsstürme, wie sie der dreifache Echo-Gewinner Peter Fox und Altrocker Udo Lindenberg bekamen. Am Flügel saß Alex (Christensen) und spielte das von ihm geschrieben Lied, vor ihm tanzte und sang Oscar (Loya). Die Swing-Nummer ging zwar gleich in Kopf und Hände, nicht wenige im Publikum wippten mit dem Fuß mit, ein Funke aber sprang doch nicht über. Da nützten auch die Verrenkungen der Tänzer nichts, und der große rote Kussmund, der über dem ganzen schwebte, wirkte eher lächerlich. Das Entsetzen auf dem Gesicht von Alex Christensen, als die letzte Note verklungen war und nur müder Applaus einsetzte, war unmissverständlich. Der Abend ging danach weiter, als wären die beiden nie auf der Bühne gewesen.

          „Wir wollen gewinnen“

          Hinter dem vollkommen unbekannten Duo verbirgt sich zumindest kein ganz unbekannter Künstler. Alex Christensen, 1967 in Hamburg geboren, ist Produzent und Komponist. Seinen Durchbruch schaffte der Diskjockey im Jahr 1991 mit dem Musikprojekt U 96. Die Single „Das Boot“ war der erste Techno-Track, der es auf Platz eins der Verkaufscharts schaffte. Christensen hat unter anderen schon mit Right Said Fred, Tom Jones, N'Sync, Oli.P, Sarah Brightman und Marianne Rosenberg gearbeitet. Für den Grand Prix hat der Hamburger nun den Swing-Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ arrangiert. Auch mit dieser Musikrichtung hat er schon Erfahrung: Mit Paul Anka veröffentlichte er bereits zwei Swing-Alben, für den zweimaligen Grammy-Gewinner Michael Bolton produzierte er das Albumg „Bolton Swings Sinatra“. Sänger Oscar Loya, 1979 in Indio (Kalifornien) geboren, ging mit 24 Jahren nach New York und schaffte es dort auf die großen Musicalbühnen, später auch in Hongkong, Taiwan, Peking, Wien und München. Das ESC-Finale in Moskau mit vermutlich weit mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern ist jedoch seine erste große Herausforderung.

          1998 trat er für Deutschland an - dieses Mal saß Guildo Horn in der Jury, die den deutschen Kandiaten auswählte

          An die 100 Bewerbungen sollen für den ESC 2009 beim NDR eingegangen sein, nur ein Dutzend kam allerdings in die engere Wahl. Voraussetzung für die Teilnahme waren unter anderem Erfahrungen mit großem Publikum und auf großen Bühnen. Sieben Juroren sind für die Auswahl von Alex Swings Oscar Sings verantwortlich: Neben Guildo Horn gehörten zur Jury Peter Urban (langjähriger Grand-Prix-Moderator des NDR), Heinz Canibol (ehemaliger Präsident und Vorstand von EMI Music), Sylvia Kollek (ehemals EMI Group, zuvor schon Jury-Mitglied bei „Deutschland sucht den Superstar“), Thomas Schreiber (ARD-Koordinator Unterhaltung), Manfred Witt (Leiter der deutschen Delegation beim Grand Prix) und Ralf Quibeldey (Leiter der Redaktion Talk und Unterhaltung beim NDR). Jurymitglied Quibeldey versicherte nach der Entscheidung: „Wir wollen gewinnen!“ Der Song „Miss Kiss Kiss Bang“, eine Mischung, wie er sagt, „aus klassischem Swing und sehr modernem Dance-Beat“, spreche viele Zielgruppen an. Er habe „beste Chancen“.

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