https://www.faz.net/-gum-16gvo

Tagebuch aus Oslo (1) : Hei! Lena, den større favoritt

Heimspiel? Lena Meyer-Landrut ist immerhin schon fürs Finale gesetzt Bild: ddp

Eine Stadt freut sich auf den Eurovision Song Contest: Heitere Norweger bereiten einen Grand Prix mit großem Wohlfühlfaktor vor - und wirken dabei ganz anders als die Moskauer vor einem Jahr. Und noch etwas ist neu: Die Favoritin kommt aus Deutschland.

          2 Min.

          Es ist schön, willkommen zu sein. Kaum hat man das Flugzeug verlassen, schon wird man mit einem freundlichen „HEI“ begruesst, das unübersehbar mit dem offiziellen Eurovision-Logo auf dem ersten Plakat auf norwegischem Boden prangt. Ein Stück weiter schweben große Luftballons in den Farben des diesjährigen Contests: Es ist ein - allerdings noch gewoehnungsbedürftiges - Schwarz mit Rosa, Weiß und Gelb. Am Ausgang warten zwei freundliche junge Frauen, die jedem Grand-Prix-Fan den Weg bis in die Stadt weisen. Der Wohlfühlfaktor ist groß in diesem Jahr. Eine Stadt freut sich sichtbar auf den „Eurovision Song Contest“ (ESC) - und sie schmückt sich auch mit ihm, mit Hunderten Plakaten, Fahnen und Ballons.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So ungewöhnlich ist das nicht, nur zu gerne denkt man an Belgrad, Helsinki und Athen zurück. Moskau aber war anders, ganz anders. Dort waren die Grand-Prix-Touristen nicht willkommen, zumindest nicht von Seiten der Stadtverantwortlichen. Das spürte man auf Schritt und Tritt, auch wenn die Bevölkerung durchaus Begeisterung zeigte. Trotzdem war von dem Großereignis in der russischen Metropole kaum etwas zu sehen. Was selbstverständlich auch daran lag, dass die russische Hauptstadt mindestens 20 Mal größer ist als die norwegische.

          Oslo ist nicht Moskau

          Trotzdem war nicht ganz klar, warum Russland im Jahr 2008 Millionen Euro dafür ausgegeben hatte, damit Dima Bilan mit seinem „Believe“ den Grand Prix unbedingt nach Moskau holte, wenn man die Fans dann nicht in der Stadt haben wollte. Oslo dagegen ist etwa so klein wie Frankfurt am Main. Knapp 600.000 Einwohner, der Ballungsraum ist allerdings mehr als doppelt so groß. Wer mag, kann sich die Stadt erlaufen.

          Dem Stil treu bleiben: Lenas Bewegungen wirken noch immer ein wenig hilflos

          Der ESC ist also eine Herausforderung. Die Zahl der angereisten Journalisten (mehr als 1500 aus 70 Ländern) sei etwa mit den Olympischen Spielen vergleichbar, heißt es stolz. Viel Aussagekraft, über die Bedeutung des Ereignisses hier in Oslo, mag das nicht haben. Die Organisatoren aber und auch die Stadtverantwortlichen wissen sehr genau, dass sie nun die vielleicht einmalige Chance haben, sich zwei Wochen lang von der bestmöglichen Seite zu zeigen.

          In Moskau gab es nur einen Favoriten: den Norweger Alexander Rybak. Hier sind es zwei - ein Blick in die Zeitungen genügt: Seit Wochen schon wird von zwei „større favoritt“ geschrieben. Erfreulicherweise ist die eine Kandidatin aus Tyskland. Lena Meyer-Landrut kommt gut an. Und sie genießt die Tage in der Stadt. Am Pfingstsonntag feierte sie ihren 19. Geburtstag - und stand zum zweiten Mal auf der großen Bühne.

          An Lenas Auftritt hat sich nichts geändert

          An ihrem Auftritt hat sie seit März nichts Wesentliches geändert. Sie singt, im kleinen Schwarzen, um den Hals das schwarze Kreuz, das sie im August 2008 vom ökumenischen Jugendtreffen der „Gemeinschaft von Taizé“ aus dem französischen Burgund mitgebracht hat. Ihr Englisch - hat immer noch den stark britischen, wenn nicht Londoner Akzent. Ihre Bewegungen - sind immer noch unchoreographiert und wirken ein wenig hilflos und joecockerhaft. Vielleicht aber ist das gerade ihr Geheimnis. Bejubelt jedenfalls wird sie auch fern der Telenor-Arena, wo am Samstag das Finale stattfinden wird. Am Montag luden Deutschland und die Ukraine zu einer Party, was letztlich dazu diente, die jeweiligen Kandidatinnen noch ein wenig bekannter zu machen.

          Auf der kleinen Bühne sang also zuerst Aljoscha ihr Lied „Sweet People“, danach Lena ihr „Satellite“. Überraschungsgast des Abends war allerdings Safura aus Aserbaidschan. Sie sang ihr Lied „Drip Drop“ zwar nicht, aber für einen kurzen Moment standen Lena und Safura auf der Bühne nebeneinander. Und das allein sorgte für Begeisterung. Denn: Safura, noch ein gutes Jahr jünger als Lena, ist die andere „større favoritt“. Allerdings muss sie sich am Donnerstag erst noch durchs Halbfinale kämpfen, um es auf die Bühne am Samstag zu schaffen. Ein womöglich doch noch vorzeitiges Scheitern bleibt der gesetzten Finalistin Lena immerhin erspart.

          Weitere Themen

          Kleiner Eisbär ganz groß Video-Seite öffnen

          Erste Aufnahmen in Wiener Zoo : Kleiner Eisbär ganz groß

          Zehn Wochen jung ist der kleine Eisbär im Tiergarten von Wien-Schönbrunn. Noch ist er kaum von seiner Mutter, der erstmaligen Mutter Nora, zu trennen. Aber der Direktor des Wiener Tiergartens, Stephan Hering-Hagenbeck, zeigt sich sehr zufrieden mit der Entwicklung des kleinen Eisbären.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.