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Lena Meyer-Landrut : Unser Sommermädchen

Ein entspanntes Verhältnis zu ihrer Heimat: Lena Meyer-Landrut Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Wie nebenbei hat Lena beim „Eurovision Song Contest“ ein neues Bild von Deutschland gezeichnet. In Oslo ging es nicht um Rettungsschirme, Milliardenbürgschaften und Euroskepsis. Deutschland hat Europa einfach mal etwas geschenkt. Und Europa hat sich mit vielen „points“ bedankt.

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          Am Ende zog sie sich die Deutschland-Fahne über den Kopf. Die Geste war das kuriose Finale eines triumphalen Abends für Lena Meyer-Landrut in Oslo. Und sie war symbolisch für den Weltzugang der Neunzehnjährigen aus Hannover, die ironisch nicht nur mit ihrer eigenen Rolle, mit ihren Konkurrenten oder auch mit ihren Förderern umgeht. Nein, die Sängerin, die Deutschland zum ersten Mal seit 1982 an die Spitze des „Eurovision Song Contest“ führte, hat auch ein entspanntes Verhältnis zu ihrer Heimat. Und das ist in Deutschland noch immer ziemlich revolutionär.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber die einhellige Zustimmung des Publikums mit 76 Punkten vor dem Nächstplazierten (also mehr als sechs mal zwölf Punkten Abstand), die hohen Einschaltquoten in Deutschland und der begeisterte Empfang in Hannover zeigen, dass Lena mehr ist als nur die Siegerin des populärsten europäischen Gesangswettbewerbs. Sie setzt das Sommermärchen der Weltmeisterschaft von 2006 mit anderen Mitteln fort: Uns ist bei anhaltend regnerischem Wetter ein Sommermädchen ins Haus geflattert.

          Die Begeisterung für Lena lässt auch deshalb tief blicken, weil es bessere Sängerinnen gibt, versiertere Musikerinnen und talentiertere Tänzerinnen. Dieses Mädchen hat es aber eben gar nicht nötig, jeden Ton zu treffen. Ihr unbefangener Auftritt, der schräge Charme und der kauzige Humor lassen Mäkeleien gestrig wirken.

          Dieses Mädchen hat es eben gar nicht nötig, jeden Ton zu treffen

          Lena ist kein Sponti, sondern einfach nur spontan

          Lena hat nicht nur die brave Angepasstheit der letzten deutschen Siegerin Nicole aus dem Jahr 1982 hinter sich gelassen, die mit „Ein bisschen Frieden“ bewies, wie friedfertig Deutschland geworden war. Sie übertrumpft mit frischer Unverblümtheit, verdrehten Augen und impulsiver Gestik auch die angestrengte Frechheit der Achtundsechziger oder die bemühten Witzchen ihrer Altersgenossen in all den Casting-Shows. Lena ist kein Sponti, sondern einfach nur spontan.

          Bezeichnend, dass die schon mehr als volljährige Frau, die im April ihr Abitur bestand und am Sonntag vor einer Woche ihren 19. Geburtstag feierte, rechtzeitig vor dem großen Auftritt ihren vollständigen Namen zum Künstlernamen Lena verkürzt hat. Damit lässt sie Erinnerungen an ihren Diplomaten-Großvater hinter sich – und stellt sich als Lena in die Namensreihe, die vom griechischen Sonnengott Helios und der schönen Zeus-Tochter Helena angeführt wird.

          Wie nebenbei hat Lena, Einzelkind, Gesamtschülerin, Taizé-Pilgerin und Musical-Fan, in Europa auch ein neues Bild von Deutschland gezeichnet. An diesem Abend in Oslo ging es nicht um Rettungsschirme, Milliardenbürgschaften, Euroskepsis und Inflationsängste. Deutschland hat Europa einfach mal etwas geschenkt. Und Europa hat sich mit vielen „douze points“ und „twelve points“ bedankt. Wir stehen in unserem Land eben nicht immer nur mit beiden Beinen auf dem harten Boden der Realität. Manchmal tänzeln wir wie Lenas „Satellite“ durch die Schwerelosigkeit des erdnahen Orbits. Wann konnte man das schon mal über die Deutschen sagen?

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