https://www.faz.net/-gum-xveo

Lena Meyer-Landrut : „Ich möchte bitte nie Schlagerstar sein“

  • Aktualisiert am

Persönliche Fragen bleiben von Lena weiterhin unbeantwortet Bild: F.A.Z. Edgar Schoepal

Soll Lena wirklich noch einmal für Deutschland antreten? Überträgt der NDR jetzt auch Raabs „Autoball-WM“? Und warum hält sich Ralph Siegel für den einzigen deutschen Grand-Prix-Sieger? Der Triumph von Oslo hinterlässt Fragen über Fragen.

          5 Min.

          Lena ist auch am Montag noch Lena. Sie plaudert bei der Pressekonferenz am Mittag in Stefan Raabs Kölner Studio über ihr Abitur („kein Ding der Unmöglichkeit“), würde keinen WM-Song singen („Nääh!“), pariert Fragen nach ihrer musikalischen Zukunft („Ich möchte bitte nie Schlagerstar sein“), drückt ihr Bedürfnis nach Erholung aus („jetzt ist erst mal ein bisschen Schnucki“), zeigt immer wieder ihre Nähe zu Raab (nennt zum Beispiel das „TV-total“-Studio „mein Zuhause“), ist beeindruckt von der Veranstaltung in Oslo („wahnsinnig hochgradig toll organisiert“) und ihrem Wandel von einer faulen Schülerin zur engagierten Sängerin („habe noch nie so viel gearbeitet – das war ’ne krasse Umstellung“). Aber bei persönlichen Fragen der Journalisten ist – presse- und persönlichkeitsrechtlich weitsichtig – Schluss. Nicht einmal das Domradio kann sie zu einem Kommentar verleiten zu ihrer per Kreuzanhänger dokumentierten Verbindung zu Taizé.

          Lenas Rückkehr nach Hannover
          Auch am Montag herrscht in Hannover noch Ausnahmestimmung: Lena ist nicht nur die jüngste, die sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug („Wow! Verdammte Axt ist das geil! Dankeschönst. Leni“), sondern auch die erste in der Stadtgeschichte, die zweimal innerhalb von zwei Monaten feierlich im Rathaus gefeiert wurde. Selbst der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ließ sich anstecken. Er empfing sie mit Blumen am Flughafen und hat den Siegertitel „Satellite“ nun als Klingelton im Handy. Den Refrain des Liedes sang sie auf der Bühne vor dem Rathaus vor 40.000 jubelnden Zuhörern, die sie in strömendem Regen mit dem Fangesang „Ich liebe deutsche Land“ begrüßten. Raab sagt am Montag in seiner Pressekonferenz zu dem Empfang am Flughafen in Hannover mit 3000 Fans und dem Autokorso zum Rathaus: „Ich hatte Gänsehaut im Gesicht.“

          Kritik von Ralph Siegel
          Nur einer ist nicht lenaistisch geschult. Ralph Siegel besteht darauf, noch immer der einzige deutsche Grand-Prix-Sieger zu sein, da es sich um einen Komponisten- und Texter-Wettbewerb handele, sagte er der „Berliner Zeitung“. „Satellite“ sei ein dänisch-amerikanischer Song. Raab, darauf angesprochen, schüttelt nur mit dem Kopf. Aber Siegel hat Recht: Die eigentlichen Grand-Prix-Gewinner sind eine Amerikanerin und ein Däne. Julie Frost und John Gordon saßen in Oslo im Publikum und mussten zur Siegerehrung erst gesucht und dann auf die Bühne geholt werden, damit sie ihren Preis entgegennehmen konnten. Julie Frost arbeitet in Atlanta für „RedZone Entertainment“, ein Unternehmen, das auf die Produktion von Hits spezialisiert ist – aus dem Haus stammt zum Beispiel „Umbrella“ für Rihanna. Der Däne John Gordon, der auch schon mit Rihanna, Mary J. Blige und Beyoncé zusammengearbeitet hat, kennt Frost seit etwa zwei Jahren. Ihr gemeinsam geschriebenes Lied „Satellite“ gehörte zu den etwa 300 Songs, die über Universal Music den Teilnehmern von „Unser Star für Oslo“ angeboten wurde. Der Titel kam in die engere Auswahl und wurde vom Publikum zu Lenas Grand-Prix-Lied gewählt. Nun können sich Frost & Gordon große Hoffnungen machen, dass „Satellite“ zumindest in Europa noch einmal die Hitlisten stürmen wird.

          Zwischentöne aus dem „TV total“-Studio
          Ausnahmsweise kommt es am Montag im Studio von „TV total“ auf die Zwischentöne an. Der Intendant des NDR, Lutz Marmor, darf die gemeinsame Pressekonferenz mit Lena und Stefan Raab eröffnen. Aber kaum hat er begonnen, rollt Raab mit seinem Stuhl zurück und macht hinter seinem Rücken Fotos von Lena und den Fotografen. Als Marmor von den „erheblichen Kosten“ der Ausrichtung eines „Eurovision Song Contest“ (ESC) spricht, frotzelt Raab: „und erheblichen Gebührenerhöhungen“. Auch die nächsten 60 Minuten wird der Fernsehunterhalter dominieren. Einige hätten ja gedacht, sagte er, es sei ein Scherz, dass er Lena auch im nächsten Jahr in den ESC schicken wolle. „Es ist aber keiner.“ Lena solle ihren Titel verteidigen, und die Zuschauer sollten entscheiden, welches Lied sie singe. „Ich glaube, dass alle finden, dass das ’ne tolle Idee ist.“ Thomas Schreiber, Koordinator für Unterhaltung in der ARD, sagt zustimmend, ein anderer Musiker hätte es ohnehin schwer, den Vergleich mit Lena auszuhalten. Raab meint gar, es gebe „moralisch, musikalisch und ethisch“ gar keine andere Möglichkeit. Marmor schaut versteinert, sagt aber hinterher, es gebe in der Tat Länder, in denen einzelne Musiker mehrere Lieder präsentierten, aus denen das Publikum dann wählen könne. Als ob die Sticheleien gegen den NDR noch nicht genug wären (obwohl Raab von „unseren Freunden“ beim NDR spricht, im Vergleich allerdings zu „unseren Liebhabern“ bei Pro Sieben), macht er ungeniert Werbung für seine Sendungen, unter anderem mit dem bemerkenswerten Satz, Lena werde auch bei der „Autoball-WM“ am Freitag auftreten – „und das wird der krönende Abschluss des Eurovisions-Spektakels“. Überträgt das jetzt auch der NDR?

          Weitere Themen

          „Kein Referendum über die MeToo-Bewegung“

          Auftakt im Weinstein-Prozess : „Kein Referendum über die MeToo-Bewegung“

          Der Weinstein-Prozess geht in die inhaltliche Phase: Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, mutmaßliche Opfer zu Wort kommen zu lassen. Diese werden wohl einem harschen Kreuzverhör unterzogen werden – Weinsteins Anwälte wollen E-Mails vorlegen, die seine Unschuld beweisen sollen.

          „Wir sind nun in der kritischsten Phase“

          Neuartige Lungenkrankheit : „Wir sind nun in der kritischsten Phase“

          Seit Sonntag ist die Gesamtzahl der mit dem Coronavirus Infizierten in China um das Siebenfache gestiegen, die Behörden melden inzwischen 17 Todesfälle. Die jährliche Reisewelle zum Neujahrsfest wird deshalb zur Herausforderung.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.