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Lena Meyer-Landrut : Du bist Deutschland

Lena trägt einen Siegeskranz in den Nationalfarben Bild: REUTERS

Lena hat es allen gezeigt: Nach 28 Jahren führt sie unser Land zum langersehnten Ziel und gewinnt mit großem Vorsprung den 55. Eurovision Song Contest in Oslo. Und auch beim Heimspiel in Deutschland könnte sie wieder dabei sein.

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          „Muss ich jetzt noch mal singen?“ Die Frage war ernst gemeint, wie man an dem leicht erschreckten Gesicht erkennen konnte. Und die Antwort konnte ihr natürlich jeder in der Telenor-Arena von Oslo geben: Ja, Lena, du musst noch mal singen. Der Gewinner des „Eurovision Song Contest“ hat stets die Ehre, sein Lied noch einmal vortragen zu dürfen. „O.K.“, sagte Lena. Und: „Kann mal jemand die Blumen nehmen?“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was keiner für möglich gehalten hatte: Wir sind Grand Prix. Nach 28 sieglosen Jahren hat Deutschland wieder gewonnen. Eine kaum 19 Jahre alte Hannoveranerin ohne Gesangsausbildung überzeugte fast ganz Europa von ihren musikalischen Qualitäten. Das Ergebnis fiel zwar nicht so klar aus wie der Sieg des Norwegers Alexander Rybak im vergangenen Jahr. Aber Lenas Vorsprung war mehr als deutlich. Sie lag mit 246 Punkten 76 Zähler vor Manga aus der Türkei (170 Punkte), gefolgt von den Rumänen Paula Seling & Ovi (162 Punkte). 39 Länder waren stimmberechtigt, Deutschland war, nachdem das siebte Land (Kroatien) seine Punkte vergeben hatte, erstmals und danach bald und für jedermann erkennbar auch uneinholbar in Führung.

          Sie forderte es zur Revanche ein

          Lena blieb zunächst noch erstaunlich gefasst. Sie saß mit Stefan Raab und all den anderen Teilnehmern im „Green Room“, und irgendwie schwante ihr wohl schon, was auf sie zukommen würde. Die Hälfte der Länder hatte ihre Punkte bereits verlesen, und Deutschland lag tatsächlich noch immer auf Platz eins. Wie sie sich fühle, wollte Moderator Erik Solbakken wissen. Sie sei wie kurz vor dem Ausflippen, stotterte Lena auf Englisch und ergänzte sofort, dass das Ganze ja noch nicht zu Ende sei. Aber im Moment fühle es sich gut an. Dann verbarg sie ihr Gesicht in ihrem Schoß. Später erzählte sie, dass ihre Begleiter kurz danach mehrfach zu ihr gesagt hätten, dass sie doch schon gewonnen habe. Sie habe es aber nicht geglaubt. „Sie sagten, oh mein Gott, wir haben gewonnen, und ich dachte nur, da müssen doch noch Länder ausgezählt werden. Dabei verstand ich nicht, dass ich schon nicht mehr einzuholen war.“

          Lena trägt einen Siegeskranz in den Nationalfarben Bilderstrecke

          Als das Ergebnis feststand und sie auf der großen Bühne in der Arena bejubelt wurde, tauchte sie noch einmal kurz ab. Sie zog eine deutsche Fahne über Kopf und Gesicht. Gerade hatte ihr Alexander Rybak die gläserne Siegestrophäe überreicht. Verschmitzt hielt er ihr dabei die Wange hin, damit sie ihn küsste, was sie auch versuchte. Da er ihr aber noch schnell den Kopf zudrehte, traf sie auf seinen Mund. Später gab es doch noch ein Wangenküsschen – von ihm: Sie forderte es zur Revanche ein. Als sie dann erste Worte finden sollte, sagte sie etwas Lena-Typisches: „Hallo. Ich denke, ich bin nicht stark genug, um das die ganze Zeit in der Hand zu halten.“ Sie meinte die Trophäe, die ein Mikrofon darstellen soll. Später folgte ein weiteres Lena-Bonmot zu ihrem Sieg: „Das ist phantastisch, aber das ist auch nicht das Leben.“ Trotzdem werde sie sich darüber freuen so viel sie nur könne. Und sie vergaß auch nicht ihr Publikum: „Ich danke euch wie ein kleines Hundebaby für eure großartige Unterstützung.“ Auf dem Rückweg, hinter der Bühne, warteten Kronprinzessin Mette-Marit und der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg auf sie. Die beiden Ehrengäste gratulierten Lena und schüttelten auch den beiden eigentlichen Gewinnern die Hand: der Amerikanerin Julie Frost und dem Dänen John Gordon, von denen Lenas Lied „Satellite“ stammt.

          Lena steckte das alles weg

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