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Interview mit Jon Ola Sand : „Contest bleibt frei von politischer Einflussnahme“

  • Aktualisiert am

Jon Ola Sand ist erst seit Anfang des Jahres für den Eurovision Song Contest zuständig Bild: Fredric Arff

Der Generalsekretär des Eurovision Song Contests, Jon Ola Sand, beruhigt: Politische Manipulation soll es auch im Gastgeberland Aserbaidschan nicht geben. Dafür würden strenge Regeln sorgen.

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          Herr Sand, kennen Sie den Journalisten Ejnulla Fatullajew?

          Nein, den kenne ich nicht.

          Ejnulla Fatullajew ist seit 2007 der prominenteste politische Gefangene von Aserbaidschan. Er wurde verurteilt, weil er sich kritisch über die Rolle seines Landes während des militärischen Konflikts mit Armenien um Nagornyj Karabach äußerte. Immer wieder werden Journalisten in Aserbaidschan verfolgt und zusammengeschlagen. Im nächsten Jahr findet der Eurovision Song Contest in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt. Eine gute Idee?

          Der Eurovision Song Contest ist ein Wettbewerb zwischen Rundfunkanstalten und nicht ein Wettbewerb zwischen Ländern. Alle aktiven Vollmitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU) können an dem Wettbewerb teilnehmen. Der öffentliche Fernsehsender von Aserbaidschan ist Ictimai TV. Er ist Vollmitglied der EBU und kann sich daher an Eurovisionssendungen beteiligen. Nachdem Ictimai TV in diesem Jahr den Contest gewonnen hat, hat der Sender das Recht, den nächsten Eurovision Song Contest für die EBU auszurichten und zu produzieren.

          Baku im Freudentaumel: Ell und Nikki werden auf den Straßen gefeiert

          Was ist Ihre Aufgabe?

          Wir veranstalten den Eurovision Song Contest, und die EBU sorgt auch dafür, dass der Contest frei von politischer Einflussnahme bleibt. Es ist ein musikalischer Wettbewerb, es geht um Kultur, um Freundschaft - er soll verbinden, nicht trennen. Und das sollten auch die Hauptthemen des Eurovision Song Contest sein.

          Sie sagen, sie halten den Eurovision Song Contest frei von politischer Einflussnahme. Aber der Diktator des Landes, Ilham Alijew, hat bereits den Sieg von Ell & Nikki für seine Propaganda ausgenutzt. Und Alijews Frau, Mechriban Alijewa, leitet nun im Auftrag ihres Manns das Komitee, das den Contest in Baku plant.

          Wir reden ausschließlich mit Ictimai TV. Ich kann nichts darüber sagen, was die Frau des Präsidenten macht. Ich weiß nichts darüber. Ich bin sicher, auch in Aserbaidschan wird es intensive Gespräche geben, wie der Contest am besten geplant und ausgerichtet werden kann. Allerdings wiederhole ich noch einmal: Um den Eurovision Song Contest bewerben sich keine Länder oder Städte, ganz im Unterschied zu den Olympischen Spielen oder zur Fußball-Weltmeisterschaft.

          Wie politisch ist der Eurovision Song Contest, wie politisch darf er sein?

          Wie ich schon sagte, die EBU sorgt dafür, dass es keinerlei politische Einflussnahme auf den Wettbewerb gibt. Wir haben da sehr strikte Regeln. Es darf zum Beispiel keine politischen Botschaften beim Eurovision Song Contest geben. Wir erwarten also, dass es Redefreiheit für jeden gibt, der zum Contest fährt - egal ob er Journalist, Fan oder Delegierter ist. Wir erwarten, dass freier Zugang zum Internet gewährt wird, dass jeder frei telefonieren und kommunizieren kann und so weiter. Noch einmal: Wir reden ausschließlich mit dem zuständigen Fernsehsender und nicht mit der Regierung Aserbaidschans.

          Wie aber kann die EBU letztlich garantieren, dass Journalisten und Fans vom Eurovision Song Contest, und viele von ihnen sind ja zum Beispiel homosexuell, gefahrlos nach Baku fahren und sich dort wochenlang aufhalten können?

          Ich persönlich bin nicht für die Sicherheit der Gäste verantwortlich, darum gebe ich auch keine Garantien ab. Aber wir haben Ictimai TV aufgefordert, entsprechende Garantien abzugeben. Und natürlich ist auch die Regierung von Aserbaidschan gefragt, die die Sicherheit aller gewährleisten muss. Genauso wie übrigens Presse- und Redefreiheit. Ich bin ganz sicher, dass Aserbaidschan sich die größte Mühe bei diesem Eurovision Song Contest geben wird, und nicht weniger erwarten wir auch.

          Allerdings war der Eurovision Song Contest in Moskau vor zwei Jahren schon kritisch. Überall um die Arena herum waren Einheiten der russischen Sonderpolizei Omon aufgezogen, was die Stimmung unter den Fans drückte. Zudem wurden einige von ihnen bei einer friedlichen Demonstration in der Innenstadt von Polizisten und Soldaten verprügelt. Müssen wir uns das gefallen lassen?

          Falls im nächsten Jahr wieder Soldaten im Einsatz sind, wird das gewiss Sicherheitsgründe haben. Aserbaidschan liegt in einer komplizierten Region Europas, in der es auch Konflikte gibt. Ich bin sicher, die Soldaten werden nur dazu da sein, um den Eurovision Song Contest zu schützen.

          Armenien hat bereits seine Teilnahme im nächsten Jahr wegen des Nagornyj-Karabach-Konflikts abgesagt. Befürchten Sie, dass noch mehr Nationen den Contest boykottieren könnten?

          Nein. Und dafür gibt es bislang auch keine Anzeichen. In Oslo nahmen 39 Nationen teil, in Düsseldorf waren es 43. Keiner kann zu diesem Zeitpunkt sagen, wie viele es in Baku sein werden.

          Haben Sie einen Plan B, falls sich die Situation im Gastgeberland kurzfristig ändert und der Eurovision Song Contest aus irgendeinem Grund nicht in dem Land stattfinden kann, das im Vorjahr gewonnen hat?

          Wir haben immer einen Plan B. Jedes Jahr.

          Und dabei spielt es keine Rolle, ob der Contest in Baku oder in Düsseldorf stattfindet?

          Nein. Es kann ja immer etwas passieren - sogar in Düsseldorf.

          Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.

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