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Im Gespräch: ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber : „Vielleicht tritt Lena sogar mit einem eigenen Song an“

  • Aktualisiert am

Thomas Schreiber gibt Lena gute Chancen auf die Titelverteidigung Bild: ddp images/dapd/Steffi Loos

Am 14. Mai singt Lena Meyer-Landrut im Finale des Eurovision Song Contests in Düsseldorf. Aber hat sie Chancen auf die Titelverteidigung? Im Interview spricht der Unterhaltungschef der ARD über neue Lieder, alte Hoffnungen und Geld.

          5 Min.

          Herr Schreiber, empfanden Sie eher Freude oder Beklemmung, als Ihnen klar wurde, der nächste „Eurovision Song Contest“ (ESC) findet in Deutschland statt?

          Beklemmung war es nicht. Es war eine Mischung aus großer Freude und Euphorie über den Sieg von Lena und einem ordentlichen Respekt für das, was für das nächste Finale in Deutschland zu organisieren ist.

          Der Sieg hatte sich ja früh abgezeichnet. Gab es da diesen einen Moment, als Ihnen klar wurde, es könnte mit Deutschland nach 28 Jahren wieder klappen?

          Es waren sogar zwei Moment. Ich war zum vierten Mal bei einem „Eurovision Song Contest“, aber nie zuvor war die für uns zuständige Aufnahmeleiterin gekommen, um meinem Kollegen Ralf Quibeldey, in Oslo Leiter der deutschen Delegation, und mir schon vor dem Finale zu erklären, was es für geplante Abläufe nach einem möglichen Sieg Deutschlands gibt. Das war etwa um 20.25 Uhr. Auf meine Frage, ob alle Finalteilnehmer darüber informiert werden, sagte sie nein. Das war für mich der Moment zu sagen: Es könnte ernst werden. Allerdings: Fest daran geglaubt habe ich noch nicht. Erst als ich mit Lena und Stefan Raab im sogenannten Green Room saß und klar war, Lena liegt uneinholbar vorne - da wusste ich es dann auch.

          Strahlende Siegerin: Lena Meyer-Landrut nach dem Gewinn des Eurovision Song Contests 2010

          Als Stefan Raab noch in der Finalnacht in Oslo eine Titelverteidigung Lenas ins Spiel brachte, wirkten Sie überrascht und fast ein wenig überrumpelt.

          Ja, überrascht war ich auch, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass er es bei dieser Gelegenheit bekanntgeben wird. Wir hatten natürlich für den Fall der Fälle geplant: etwa das Flugzeug für Lena und die Autos in Hannover. Das haben wir nicht erst in der Nacht in Oslo organisiert. Die Lufthansa wusste, wenn Lena gewinnen sollte, startet am Sonntagmorgen um acht Uhr eine Sondermaschine samt Crew von Hamburg nach Oslo. Das ist doch beim Fußball auch so - und ganz banal: Wenn Bayern München eine Meisterschaft gewinn, liegen T-Shirts für die Spieler bereit mit der Aufschrift: „Wir sind Meister“. Im unwahrscheinlichen Fall, dass Bayern München verliert, bekommt die T-Shirts einfach niemand zu Gesicht.

          Das heißt, Sie waren auf die „Titelverteidigung“ grundsätzlich vorbereitet?

          Am Tag vor dem Bayerischen Fernsehpreis, also eine Woche vor dem ESC-Finale, haben wir mit drei, vier Personen begonnen, über Vorbereitungen für einen möglichen Sieg zu reden. Das wussten aber nicht mal engste Mitarbeiter von mir. Es durfte nichts durchsickern, damit niemand sagen kann, die Deutschen sind so arrogant, die rechnen schon vorher fest mit einem Sieg. Bei diesen Gesprächen ging es auch um eine mögliche Titelverteidigung.

          Wenn man sich die einschlägigen Foren und Umfragen im Internet anschaut, scheint kaum jemand von der Idee angetan zu sein, dass Lena ihren Titel verteidigt.

          Es gibt durchaus auch andere Stimmen. Für mich sind drei Gründe ausschlaggebend, die dafür sprechen und auch erklären, warum ich die Titelverteidigung für eine zwar ungewöhnliche, aber überzeugende Idee halte - und dazu zählt nicht, dass es vorher noch niemand gemacht hat: Wir haben mit Lena unglaubliches Glück gehabt. Lena ist ein ganz einzigartiges Talent. Die Euphorie, die sie in Deutschland ausgelöst hat, war überwältigend. Hätten wir nun einen Nachfolger in einer Show mit dem Namen „Unser Star für Düsseldorf“ gesucht, der junge Mann oder die junge Frau hätte im Vergleich zu Lena keine Chance gehabt. Gegen den Zauber des ersten Sieges nach 28Jahren wäre jeder andere ein Epigone gewesen. Zweiter Punkt: Wir haben uns jahrelang bemüht, den Titel, mit dem Deutschland antrat, schon vor dem internationalen Finale vorzustellen und bekannt zu machen. Das war wahnsinnig schwer. Lena hat als Titelverteidigerin auch internationale Aufmerksamkeit - das Interesse an dem Lied wird also groß sein. Drittens: Lenas Sieg hat auch in anderen Ländern geholfen. Österreich zum Beispiel sucht gezielt nach einem Kandidaten, der gegen Lena antritt. Die Titelverteidigung beflügelt die Auswahlverfahren. Die Personalisierung hilft dem Wettbewerbscharakter des ESC.

          Weil es gilt, eine bekannte Größe zu schlagen?

          Genau. Darüber hinaus interessieren sich auch andere Komponisten als bisher für den ESC und wollen für Lena schreiben. Einige von denen hätten sich bislang lieber tot über einem Zaun hängend fotografieren lassen als sich mit dem Song Contest in Verbindung bringen zu lassen. Auch das hat Lena mit „Satellite“ geändert.

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