https://www.faz.net/-gum-y8cx

FAZ.NET-Frühkritik: „Unser Song für Deutschland“ : Sechs Mal die reine Lena-Show

Die neue alte Lena Bild: dapd

Beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest, der diesmal mit der Gewinnerin des Vorjahres ausgetragen wird, präsentierte sich eine neue Lena: Ein wenig fraulicher, eine Spur abgebrühter, und doch unverkennbar noch das quirlige Wunderkind aus Hannover.

          4 Min.

          Da war sie - die angeblich neue Lena. Zumindest hatte man sie so noch nie gesehen. Im bodenlangen altrosa Abendkleid, die Haare hochgesteckt, hinter ihr ein schwarzer Konzertflügel. Das war so gar nicht die ausgeflippte Abiturientin, die im vergangenen Jahr so überschäumend erst unser Star für Oslo wurde, dann unser Star von Oslo war und jetzt womöglich unser Star in Düsseldorf wird. Zu der überaus eleganten Robe sang Lena am Montagabend ein „richtiges Schreilied“, wie sie sagte. Gerecht wurde sie dem Song mit der Beschreibung allerdings nicht, den die Großnichte der großen Judy Garland, Audra Mae, und Ferras Alqaisi komponiert haben.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Good News“ hieß nicht nur der erste Song des Abends, nach ihm ist auch das zweite Album von Lena benannt, das nächste Woche erscheinen wird. Ein griffiger Titel, sollte man meinen. Und wer verbreitet nicht gerne gute Nachrichten. Audra Mae sagt, es gehe in ihrem Lied um Situationen im Leben eines Menschen, in denen er so richtig glücklich ist - was aber leider nicht jeder verstehe. So hat ihr Lied durchaus auch einen leicht schwermütigen Einschlag. Den Song, sagt Audra Mae, habe sie nur zu gerne dem „Wunder von Oslo“ überlassen. Lena sei ja noch so jung, was vor allem ihren Zauber ausmache. „Good News“ schaffte es dennoch im ersten Halbfinale nicht. Das Lied fiel durch, genauso wie offenbar auch die neue Lena, die allzu unbeweglich im altrosa Abendkleid auf der Bühne stand.

          Das schien zu passen

          Schon beim zweiten Lied war sie aber wieder da - die alte Lena. Ein wenig fraulicher vielleicht, eine Spur abgebrühter, und doch unverkennbar immer noch das quirlige Wunderkind aus Hannover. Für „Maybe“ trug sie das bewährte schwarze Minikleid und die Haare offen. Die beiden Komponisten, Daniel Schaub und Pär Lammers, hatten schon im vergangenen Jahr für Lena ein Lied geschrieben („I Just Want Your Kiss“). Ein gutes Omen. In ihrem neuen Song mit starkem Refrain und etwas schwächeren Strophen geht es um alltägliche Unzulänglichkeiten. Das schien zu passen - „Maybe“ ist einer der Finalisten.

          Im bodenlangen Abendkleid - so hatte man Lena noch nie gesehen

          Sechs Lieder standen am Montagabend zur Wahl, nur drei kamen weiter ins nationale Finale, früher auch deutscher Vorentscheid genannt. Dass Lena nicht nur die erste, sondern die einzige Wahl für den diesjährigen „Eurovision Song Contest“ (ESC) ist, stand bereits seit der Finalnacht von Oslo im vergangenen Mai fest, seit Stefan Raab diese, vor allem auch seine Idee vollmundig verkündet hatte. Nun ist die Titelverteidigung in Düsseldorf Teil zwei der nationalen Aufgabe, wie Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung und Teamchef für den ESC, sagt. „Dazu tritt eine bewährte und bereits siegreiche Mannschaft an.“

          Die Idee der Titelverteidigung ist nicht neu

          Zugleich aber gibt es bei „Unser Song für Deutschland“ keine Konkurrenten, sondern in zwei Halbfinals zwölf Mal Lena in zwölf verschiedenen Aufmachungen mit zwölf verschieden Liedern. Jeweils drei von sechsen kommen weiter, so dass Lena auch in der Endrunde sechs Mal gegen sich selbst antreten muss. Für dieses Konzept wurden die Initiatoren kritisiert, und dafür rechtfertigen sie sich noch immer.

          Dabei ist die Idee der Titelverteidigung nicht neu. Gleich zu Beginn des ESC vor nunmehr fast 55 Jahren schien sie sogar fast zur Tradition zu werden. Lys Assia, die mit „Refrain“ den „Gran Premio Eurovisione Della Canzone Europea“, wie der Wettbewerb in Lugano offiziell hieß, 1956 gewonnen hatte, trat ein Jahr später ein zweites Mal für die Schweiz an: Sie wurde mit „L'enfant que j'étais“ achte - bei zehn Teilnehmerländern. Den zweiten „Grand Prix Eurovision“ 1957 in Frankfurt gewann die Niederländerin Corry Brokken mit ihrem Lied „Net als toen“, und auch sie ging ein Jahr später wieder ins Rennen - beim „Grand Prix Eurovision De La Chanson Européenne“ in Hilversum mit “Heel de wereld“. Sie bekam nur einen Punkt und landete auf dem letzten, dem neunten Platz. Lys Assia aber, die unverdrossen im Jahr 1958 ein drittes Mal teilnahm, erreichte mit „Giorgio“ einen zweiten Platz.

          Weitere Themen

          Das gute Alte

          Nick Waterhouse in Frankfurt : Das gute Alte

          Einen in den frühen sechziger Jahren gebräuchlichen traditionellen Sound bewahren und dennoch quicklebendig klingen: Dieses Kunststück vollbringt Nick Waterhouse. An diesem Abend live im Club Gibson in Frankfurt.

          Diskussionen um Hitler-Geburtshaus Video-Seite öffnen

          Braunau : Diskussionen um Hitler-Geburtshaus

          Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn in Österreich soll künftig von der Polizei genutzt werden. Damit geht ein jahrelanger Streit zu Ende. Denn Vorschläge für die Nutzung des Gebäudes, das einige Jahre leer gestanden hatte, gab es viele.

          Ich will zu dir

          Bayerische Staatsoper : Ich will zu dir

          Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ suhlt sich in Morbidität. Aber in München machen Kirill Petrenko und Jonas Kaufmann das Stück zu einem Triumph des Lebens.

          Topmeldungen

          Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas

          Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

          Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.
          Unser Sprinter-Autor: Patrick Bernau

          F.A.Z.-Sprinter : Sag doch mal Hallo

          Beim CDU-Parteitag geht es offiziell erst am Freitag los, die Führung debattiert aber schon jetzt. Ob sich danach alle Beteiligten noch ein friedliches Hallo zurufen können? Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.