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Eurovision Song Contest : Taken by Baku

Die Siegerduo aus Aserbaidschan: Sängerin Nigar Jamal und Sänger Eldar Qasimov Bild: dapd

Im vierten Anlauf gewinnt Aserbaidschan den 56. „Eurovision Song Contest“ in Düsseldorf. Lena schafft für Deutschland immerhin noch einen zehnten Platz und verabschiedet sich damit bis auf weiteres von der großen Grand-Prix-Bühne.

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          Die Sensation vorweg: Deutschland hat Österreich zwölf Punkte gegeben - zum ersten Mal im 56. Jahr des „Eurovision Song Contest“ (ESC). Und es gab noch eine Sensation: Italien, das seit 1997 nicht mehr an dem Wettbewerb teilgenommen hatte und nun erstmals wieder einen Künstler entsandte, erreichte am Samstagabend in Düsseldorf sogleich den zweiten Platz. Doch diese Sensationen sind letztlich nur Sensatiönchen. Die wahre Sensation schaffte ein Land, das direkt an Iran grenzt und damit ziemlich weit von Mitteleuropa entfernt liegt. Allerdings stößt das Land im Westen auch an einen Beitrittskandidaten der Europäischen Union, wenn auch nur über seine Exklave Nachitschewan: an die Türkei. Erst zum vierten Mal nahm Aserbaidschan am europäischen Wettbewerb teil, nach einem achten, dritten und fünften Platz in den vergangenen drei Jahren hat das Land zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus den Grand Prix in diesem Jahr nun mit 221 Punkten gewonnen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Kein Wunder, dass Eldar „Ell“ Gasimow auf die Knie fiel und die Hände gen Himmel streckte, während Nigar „Nikki“ Jamal Tränen in den Augen standen. „Unser Traum ist wahr geworden“, riefen die beiden, und es klang, als sprächen sie für eine ganze Nation. Ell, der nach seiner Zeit als Austauschschüler in Deutschland fast fließend Deutsch spricht und damit in den Düsseldorfer Tagen immer wieder für Begeisterung sorgte, war sichtlich überfordert, als Anke Engelke den überglücklichen Gewinner fragte, ob er nun bereit sei, den Siegertitel ein weiteres Mal zu singen. „Wir versuchen es“, sagte er tapfer, was ein wenig an Lena in Oslo erinnerte, die vor einem Jahr ebenfalls kaum glauben mochte, dass sie in ihrem Siegestaumel noch einmal singen sollte.

          LED-Funkenkaskaden über den Aserbaidschanern

          Dann aber sangen Ell & Nikki noch einmal ihre Gänsehautnummer „Running Scared“, und noch einmal ergoss sich eine LED-Funkenkaskade über sie. Ihr Lied stammt vom schwedischen Komponisten- und Texter-Trio Stefan Örn, Sandra Bjurman und Iain Farquharson. Örn und Bjurman haben nicht nur schon für musikalische Größen wie Madonna, Take That, Céline Dion oder Ronan Keating Lieder geschrieben, von ihnen war auch der ESC-Beitrag Aserbaidschans im vergangenen Jahr - „Drip Drop“, gesungen von Safura.

          Die Sieger Ell und Nikki: Eldar Kasimov and Nigyar Djamal

          Es war ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen in der Düsseldorf Arena bis fast zum Schluss. Zwar war Aserbaidschan bei der Punktevergabe gleich auf Platz eins eingestiegen - Russland hatte die ersten zwölf Punkte des Abends an seinen südlichen Nachbarn vergeben. Doch danach waren mehr als zehn Nationen einem möglichen Sieg noch ganz nah: Griechenland, das im ersten Halbfinale noch vor Aserbaidschan gelegen hatte, Bosnien-Hercegovina, die Ukraine und sogar Großbritannien. Am Ende bekam das Land im fernen Südosten nur drei Mal zwölf Punkte, von Russland, der Türkei und Malta. Italien hingegen erhielt vier Mal die höchste Punktzahl (von San Marino, Albanien, Spanien, Lettland), Bosnien-Hercegovina sogar fünf Mal (Mazedonien, Österreich, Slowenien, Schweiz, Serbien).

          Viele Favoriten chancenlos

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