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Eurovision Song Contest : Mit Hairspray und Gyros-Pop ins Finale

Sie gelangten ins Finale: Giorgos Alkaios & Friends aus Griechenland mit dem Song „Opa” Bild: dpa

Im ersten Halbfinale in Oslo haben sich am Dienstagabend Musiker aus zehn Ländern für die Endrunde des Eurovision Song Contest qualifiziert. Am Samstag stoßen sie auf Lena Meyer-Landrut, die bereits für das Finale gesetzt ist.

          3 Min.

          Man trägt wieder lang, und das gerne mit Flügeln auf dem Rücken (Malta und Weißrussland). Einige Kandidaten erzählen auch wieder gerne Geschichten: Die einen versuchten es beim ersten Halbfinale des „Eurovision Song Contest“ klassisch - mit einer Art „Sommernachtstraum“ (Slowakei). Bei anderen sollte es nicht minder märchenhaft zugehen (Polen). Doch was war es? „Rotkäppchen“, „Schneewittchen“ oder doch „Phantom der Oper“?

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Musical „Hairspray“ tauchte auf (Bosnien-Herzegowina), an den Sechzigern arbeitete sich ein Künstler vergeblich ab (der Este Malcolm Lincoln), die achtziger Jahre brachten indes Glück (Moldau). Dass Griechenland am „orientalischen Gyros-Pop“ (Jan Feddersen) festhalten würde, war mehr als absehbar. Das hatte ja schon bei Helena Paparizou funktioniert, die 2005 - verdient - mit „My Number One“ gewonnen hatte. Nun zeigte Giorgios Alkaios-Vasiliou einen eher schlechten Abklatsch davon und schaffte es doch in die Endrunde.

          Wenn eine gewinnen wollte, dann Hera Björk

          Den Abend in der Osloer Telenor-Arena beherrschte allerdings die Letzte im Felde: die Isländerin Hera Björk (“Je ne sais quoi“). Wenn eine gewinnen wollte, dann sie. Das war unübersehbar. Wer diesen Willen nicht hat und in seinen drei Minuten zeigt, hat beim Grand Prix eigentlich keine Chance. Sie kann nun alles erreichen: Mit noch so einem Auftritt könnte Hera Björk sogar auf einem der vordersten Plätze beim Finale am Samstag landen.

          Ebenfalls in Finale gelangte Filipa Azevedo aus Portugal („Há dias assim”)

          Alles an ihr ist gewaltig: Wie eine Operndiva beherrscht sie die Bühne und das in einem tiefroten und tief ausgeschnittenen Abendkleid. Dazu gehört Selbstvertrauen. Sie selbst wird es wohl niemandem verübeln, wenn man bei ihren fast übertrieben großen Gesten unweigerlich an Uschi Blum, die deutsche Schlagersängerin denken muss.

          Apropos: Der wahren Uschi Blum fiel es gewiss nicht leicht, sich für die zehn Lieder zu entscheiden, die ins Finale vorstoßen sollten - und das verdientermaßen. Zwar hatte Hape Kerkeling, der hinter der Kunstfigur Uschi Blum steckt, seine Stimme schon abgegeben, bevor das Halbfinale am Dienstagabend begonnen hatte. Denn die fünf deutschen Juroren mussten sich anhand eines Mitschnitts der zweiten Generalprobe (insgesamt gibt es drei sogenannte „dress rehearsals“) für ihre Favoriten entscheiden - wie übrigens alle nationalen Jurys. Ihre Voten sind dabei genauso viel wert wie die Anrufe und per Mobiltelefon verschickten SMS der Zuschauer, 50:50. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hatte bereits 2009 erstmals in einem Finale wieder Jurys auf diese Weise aufgewertet. Nun wurde die Regelung auch für die beiden Halbfinale eingeführt.

          In den Zwischenrunden sind dabei zunächst die jeweiligen Halbfinal-Teilnehmer stimmberechtigt. Hinzu kommen die bereits gesetzten Finalisten, die einem der Halbfinale zugelost wurden: Deutschland, Frankreich und Spanien dem Dienstagabend, Norwegen und Großbritannien müssen sich erst am Donnerstag entscheiden.

          Der Ober-Juror Kerkeling

          Das Reglement schreibt grob vor, wie eine nationale Jury besetzt werden sollte: Die Experten müssen aus der Musikindustrie kommen - es können zum Beispiel Komponisten, Musiker, Moderatoren oder auch Produzenten sein. Zudem müssen sie Staatsbürger des jeweiligen Landes sein. Neben dem Ober-Juror Kerkeling wurden für Deutschland ausgewählt: die Sängerin Mary Roos, die beim „Eurovision Song Contest“ 1972 mit „Nur die Liebe lässt uns leben“ den dritten Platz errang, die Radio- und Fernsehmoderatorin Hadnet Tesfai (Radio Fritz und MTV), der Sänger Johannes Oerding, der 2009 mit seinem Debütalbum „Erste Wahl“ Newcomer des Jahres wurde, und der Schriftsteller, Journalist und Programmchef bei 1Live, Jochen Rausch.

          Die Juroren um Hape Kerkeling werden schon am Freitag ein weiteres Mal entscheiden - abermals auf Grundlage der zweiten Generalprobe. Zehn der Kandidaten sind ihnen dann bereits aus dem ersten Halbfinale bekannt: Vukasin Brajic aus Bosnien Herzegowina (“Thunder And Lightning“), Sunstroke Project & Olia Tira aus Moldau (“Run Away“), Peter Nalitch & Friends aus Russland (“Lost And Forgotten“), Giorgos Alkaios & Friends aus Griechenland (“Opa“), Filipa Azevedo aus Portugal (“Há dias assim“), 3+2 aus Weißrussland (“Butterflies“), Milan Stankovic aus Serbien (“Ovo je Balkan“), Tom Dice aus Belgien (“Me And My Guitar“), Juliana Pasha aus Albanien (“It's All About You“) und Hera Björk aus Island (“Je ne sais quoi“).

          Von den 17 Halbfinalisten stammten elf aus dem ehemaligen Ostblock, sechs schafften es ins Finale. Zugleich kamen vier von den sechs Kandidaten aus dem Westen weiter - nur Finnland und Malta müssen vorzeitig nach Hause fahren. Dabei handelte es sich bei „Työlki Ellää“ von den Finnen Kuunkuiskaajat um eine hübsche, eher ungarische Weise. Die Malteserin Thea Garrett („My Dream“) hingegen übertrieb es mit ihrem Bühnenzauber: Ihr wuchsen große Schwingen, die ihren traurigen Vortrag letztlich der Lächerlichkeit preisgaben. Besonders glücklich darf sich der Belgier Tom Dice schätzen: Er schaffte, woran selbst die viel bekanntere und von vielen 2006 sogar favorisierte Kate Ryan gescheitert war - die Finalteilnahme. Damit steht erstmals seit sechs Jahren wieder Belgien in der Endrunde eines „Eurovision Song Contest“.

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