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Eurovision Song Contest : In drei Minuten ist alles entschieden

Ob Lena auch in Oslo im Siegerkonfetti stehen wird? Bild: dpa

Was Lena Meyer-Landrut mit englischen Buchmachern zu schaffen hat, wie Ralph Siegel über Irland nach Oslo wollte und warum Tschechien die Lust auf Gesang vergangen ist: Unser Einstieg in den Eurovision Song Contest mit den Videos aller Teilnehmer.

          3 Min.

          Zum Glück scheint Lena Meyer-Landrut mit hohen Erwartungen gut umgehen zu können: Deutschlands Kandidatin wird schon seit einigen Wochen als Favoritin des Eurovision Song Contest gehandelt. Sowohl bei den Buchmachern in England, als auch zum Beispiel bei der Eurovision-Prognose der Internetsuchmaschine Google liegt sie klar vorne. Dass die Hannoveraner Abiturientin in ihrer Heimat seit Wochen schon in den Single-Charts ganz vorne liegt und gerade erst auch mit ihrem ersten Album „My Cassette Player“ die Spitze erklommen hat, ist zwar für eine deutsche Grand-Prix-Teilnehmerin nicht selbstverständlich.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Viel zu sagen aber haben alle Vorhersagen und derzeitigen Erfolge noch nichts. Denn letztlich kommt es auf die drei Minuten in der Telenor Arena in Oslo an. Nicht allein die Musik oder das Lied zählt, sondern der Auftritt insgesamt. Klicken Sie auf die Ländernamen, um die jeweiligen Kandidaten im Video zu sehen:

          Lena wird am 29. Mai gleich im Finale erstmals vor einem riesigen Millionen-Publikum ihr „Satellite“ aufführen. Bei aller Nervosität kann sie sich auf die Bühne und die Halle freuen: Die ist nicht ganz so groß wie im vergangenen Jahr in Moskau, in Oslo fällt überhaupt alles eine Spur kleiner aus. Trotzdem kann die Telenor Arena mindestens einen Rekord vorweisen: Sie ist mit rund 15.600 Plätzen das größte Indoor-Fußballstadion Europas. In ihr spielt sonst der norwegische Erstligist Stabæk - und zwar auf Kunstrasen und unterm Dach, was bei dem zeitweise doch recht rauhen Klima Norwegens sicher zum Wohle von Spielern wie Zuschauern ist.

          Niamh Kavanagh, die vor 17 Jahren mit „In Your Eyes” im irischen Millstreet für Irland gewann, hat kaum eine Chance auf einen Sieg

          Für den deutschen „Mister Grand Prix“, Ralph Siegel, war es dieses Jahr besonders schwer, ins Finale zu gelangen: Deutschland setzte ganz auf die Zusammenarbeit mit Stefan Raab, Montenegro tritt in diesem Jahr aus finanziellen Gründen nicht an (2009 hatten Ralph Siegel und Bernd Meinunger unter den Pseudonymen „Peter Match“ und „Gunter Johansen“ das Lied „Just Get Out Of My Life“ für die Montenegrinerin Andrea Demirović geschrieben, sie schied allerdings bereits im Halbfinale des 54. „Eurovision Song Contest“ in Moskau aus). Und Malta, für den Inselstaat hatte Siegel 2004 mit „On Again . . . Off Again“ den Vorentscheid gewonnen, schloss ausländische Komponisten ganz aus.

          Trotzdem schaffte es Ralph Siegel auch 2010 wieder, zumindest bei einer Vorentscheidung dabei zu sein - diesmal der irischen. Gemeinsam mit seinem „Ein bisschen Frieden“-Texter Bernd Meinunger alias John O'Flynn sowie José Santana schrieb er für Lee Bradshaw den Titel „River Of Silence“. Am Ende aber musste sich Siegel doch geschlagen geben. Nach Oslo fährt eine alte Grand-Prix-Bekannte: Niamh Kavanagh, die vor 17 Jahren mit „In Your Eyes“ im irischen Millstreet für Irland gewann. Beim 55. ESC in Oslo hat sie mit ihrer eher rückwärts gewandten Ballade „It's For You“ allerdings kaum eine Chance auf einen zweiten Sieg.

          Während Lena erst seit dem 20. Mai in Oslo ist, proben die Halbfinalisten schon seit dem 16. Mai in der norwegischen Hauptstadt. Da im Finale aus Zeitgründen nur höchstens 25 Länder an den Start gehen können, finden schon seit einigen Jahren zwei Zwischenrunden statt. Im vergangenen Jahren traten 42 Länder an, in diesem Jahr sind es noch einmal drei weniger: Und das nicht, weil Italien, Monaco und Österreich wieder oder weiterhin dem Wettbewerb fernbleiben, sondern weil die Vorjahresteilnehmer Andorra, Montenegro, die Tschechische Republik und Ungarn nicht nach Oslo reisen wollten. Dreien war der ESC schlichtweg zu teuer, die Tschechen haben aufgrund ihrer bislang schlechten Platzierungen angeblich schon das Interesse verloren. Georgien indes, das 2009 wegen des politischen Beitrags „We Don't Wanna Put In“, was sehr nach einer Abrechnung mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin klang, disqualifiziert worden war, ist in Oslo wieder dabei.

          Die Zwischenrunden beginnen am Dienstag

          Im Finale gesetzt sind neben Deutschland noch die anderen drei großen Geldgeber des ESC: Frankreich, Großbritannien und Spanien sowie natürlich der Gastgeber Norwegen. Die Startplätze stehen auch schon fest: Deutschland hatte Glück und zog eine Wildcard. Der deutsche Delegationsleiter Ralf Quibeldey entschied sich daraufhin dafür, dass Lena als 22. auftreten soll, also kurz vor Schluss, was allgemein als guter Startplatz gilt, weil der Künstler dann dem Zuschauer angeblich noch besonders in Erinnerung ist.

          Nur die drei höchsten Punktzahlen (zwölf, zehn und acht) werden jeweils verlesen. In Deutschland übernimmt das für Oslo die Schlagersängerin „Uschi Blum“, die sich von der Hamburger Reeperbahn melden wird. Hinter der Kunstfigur „Uschi Blum“ verbirgt sich Hape Kerkeling, für den damit, wie er sagt, ein Traum in Erfüllung geht. Der NDR, federführend zuständig für den ESC, hat dafür gesorgt, dass alle drei Grand-Prix-Runden live im deutschen Fernsehen zu sehen sind. Am 25. Mai überträgt von 21 Uhr an der NDR selbst, am 27. Mai wird das zweite Halbfinale auf Einsfestival gezeigt. Das Finale wird am Samstagabend im Ersten gesendet - schon von 20.15 Uhr an. Die Sendungen kommentieren wird wieder Peter Urban vom NDR, der 2009 nicht nach Moskau reisen konnte.

          Schon jetzt ist klar, dass die Einschaltquoten hoch sein werden. Der „Lena-Hype“ hat ganz Deutschland erfasst. Kein Wunder, dass die ARD und ProSieben an ihrem Konzept festhalten wollen und schon vor dem eigentlichen Grand Prix gemeinsam bekannt gegeben haben, dass auch 2011 wieder Stefan Raab unseren ESC-Star suchen wird. „Endlich mal eine Koalition, die hält, was sie verspricht“, sagt Raab dazu und nennt sein Konzept einen „großen Schritt“ für ganz Deutschland..

          Das Bewertungssystem:

          In den Halbfinalen treten jeweils 17 Länder an, die in der jeweiligen Runde auch stimmberechtigt sind. Die Abstimmung erfolgt durch Juroren und Fernsehzuschauer gleichermaßen - zu je 50 Prozent. Damit hat die Europäische Rundfunkunion die Stellung der nationalen Jurys noch einmal gestärkt. Die fünf Finalisten wurden bereits einem Halbfinale zugelost, Deutschland ist im ersten Halbfinale am 25. Mai stimmberechtigt. Die Startposition der Qualifikanten für das Finale wird ebenfalls (noch) ausgelost.

          Auch im Finale sind wieder die Wertungen des Publikums und der Juroren je zur Hälfte gültig. Damit wird das reine Zuschauervotum weiter geschwächt, nicht zuletzt auch deshalb, weil es in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden gab: Es hieß - vor allem im Westen -, der Osten würde die Punkte untereinander aufteilen. Die Länderjurys bestehen aus fünf unabhängigen Musikexperten. Sie müssen die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes haben und dürfen in keinerlei geschäftlichen Beziehungen mit dem nationalen Teilnehmer stehen. Neu ist auch, dass die Zuschauer nicht erst nach dem letzten Auftritt anrufen können. Die Leitungen sind schon vom ersten Künstler an geöffnet.

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