https://www.faz.net/-gum-z1hs

Eurovision Song Contest : Er will nicht wie Ralph Siegel werden

Will nicht nach Baku, oder doch? Stefan Raab Bild: dpa

Hört Stefan Raab wirklich mit dem Eurovision Song Contest auf? Das scheint er gesagt zu haben. Doch es ist, versteht man ihn richtig, etwas anders gemeint. Mit der Absage ist eine Ansage verbunden.

          2 Min.

          Gibt Stefan Raab den Eurovision Song Contest auf? Auf den ersten Blick scheint es so und die Agenturmeldungen klingen danach. Doch man muss schon ganz genau lesen, was er dem Fachdienst „Kress Report“ gesagt hat, um zu erkennen, dass Raab seine ESC-Karriere zwar beendet, aber - nicht ganz. „Das Eurovision-Song-Contest-Finale 2011 in Deutschland war der absolute Höhepunkt meiner ESC-Karriere“, sagte der Entertainer. Er werde künftig „nicht mehr als Moderator, Juryvorsitzender, Komponist oder musikalischer Produzent mitwirken.“ Nicht mehr Moderator, nicht mehr Chef der Jury, nicht mehr Komponist des Titels, der für Deutschland ins Rennen geht und auch nicht mehr musikalischer Obermufti - das ist für Raab nach dem Lena-Festival sicherlich genau der richtige Schritt. Was er aber nicht gesagt hat, ist, dass er nicht mehr Produzent der Fernsehsendung sein will, die den Aufgalopp zum nächsten Eurovision Song Contest in Aserbaidschan darstellt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Mit seiner Produktionsfirma Brainpool, sagte Raab vielmehr, stehe er ARD und Pro Sieben weiter gerne zur Verfügung: „Ich würde mich freuen, wenn das von uns entwickelte Fernsehformat ,Unser Star für...` auch weiterhin Grundlage für den deutschen Vorentscheid ist.“ In der Absage an die eigene, tragende Rolle vor der Kamera ist also eine Ansage für das Wirken im Hintergrund direkt verbunden.

          Produzent der Sendung will er bleiben - Raab hat das Patentrecht

          Und wie sollte es auch anders sein? Die Idee zu „Unser Star für ...“ oder „Unser Song für …“ (Oslo, Düsseldorf, nun Baku) stammt schließlich von Raab und Brainpool. Er hat das Patentrecht - und auf dem beruht der Erfolg der deutschen Beteiligung am Eurovision Song Contest in den vergangenen beiden Jahren. Dass Raab sich nun ganz und gar verabschiedete, sollte man nicht erwarten und es erscheint - wohl auch aus Sicht der verschiedenen Beteiligten - ob des Erfolgs nicht unbedingt als sinnvoll. Durch seinen Teil-Rückzug verhindert Raab aber sehr wohl, dass er zum Ralph Siegel der neueren deutschen Eurovisions-Geschichte wird. Der Musikproduzent Siegel konnte es seinerzeit bekanntlich nicht lassen, einen Retortensong nach dem anderen für Deutschland ins Rennen schicken zu wollen.

          Bei „Unser Song für Deutschland” war Stefan Raab der geistige Vater

          Folgerichtig verhandeln ARD, Pro Sieben und Brainpool dieser Tage über die Fortsetzung der Geschichte. Anstelle von Raab könnte ja ein anderer prominenter Musiker den Vorsitz der Jury und vielleicht auch die Produktion des Interpreten übernehmen (Hauptsache nicht Dieter Bohlen). „Nun werden wir in aller Ruhe mit den ARD-Kollegen, aber auch gern mit Pro Sieben und dem Produktionsunternehmen Brainpool besprechen, wie es mit dem deutschen Vorentscheid im kommenden Jahr weitergeht“, sagte der NDR-Intendant Lutz Marmor - sein Sender hat beim Eurovision Song Contest für die ARD die Fäden gezogen.

          Wink mit dem Zaunpfahl für eine gedeihliche Zusammenarbeit

          „Stefan Raab war maßgeblich an dem Erfolg von Lena, am Gewinn des Eurovision Song Contest 2010 und an der überaus erfolgreichen Austragung in diesem Jahr in Düsseldorf beteiligt“, sagte Marmor noch. Das klingt nicht danach, als ob man sich nicht einigen wolle. Thomas Schreiber, der Unterhaltungskoordinator der ARD, konturiert die Sache schon einmal ganz diplomatisch: „Stefan Raab ist ein kluger Mann. Das Erfolgsformat ,Unser Star für...' kann mit einem neuen Jurypräsidenten weiterentwickelt werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn uns auch in Zukunft Stefan Raab mit seinem Rat, zum Beispiel als Jurymitglied, unterstützt. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass sich Stefan Raab bei seinen Kollegen aus der deutschen Musikszene dafür einsetzen wird, dass sie den deutschen Beitrag zum ESC künftig auch inhaltlich verantwortlich mitgestalten.“

          Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl für eine gedeihliche Zusammenarbeit auch in Zukunft ist. Gefahr droht dem Eurovision Song Contest im nächsten Jahr aus einer ganz anderen Richtung: Um die Organisation des Spektakels im Mai 2012 in Aserbaidschan will sich nämlich die Präsidenten-Gattin Mechriban Alijewa höchstselbst kümmern. Ihr Mann, der autoritär regierende Staatschefs Ilcham Alijew, dessen Regime Vetternwirtschaft von Gnaden nachgesagt wird, hat seine Frau (wie zur Bestätigung) zur Leiterin des Organisationskomitees ernannt. Das kann dann doch noch heiter werden, mit „Unserem Song für Baku“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.