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Eurovision Song Contest : „Du musst nicht jede Scheiße beantworten, Lena“

Sie wird doch nicht etwa in einem dieser schlichten schwarzen Kleider auftreten? Bild:

Spekuliert wird viel in diesen Tagen in Oslo. Auch darüber, warum Lena Meyer-Landrut bisher nur mit vier Background-Sängerinnen ihre Auftritte absolviert. Sollte etwa Stefan Raab höchstpersönlich beim großen Finale plötzlich neben Lena stehen?

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          Sie wird doch nicht etwa in einem dieser schlichten schwarzen Kleider auftreten, mit denen man sie seit Wochen im Fernsehen sieht? Doch, wird sie. Und an ihrer englischen Aussprache? Da feilt sie doch bestimmt in Oslo noch dran? Nein, kein bisschen. Einen „vocal coach“ wie im vergangenen Jahr, als die Hamburger Popdozentin Jane Comerford (Texas Lightning) ihr Bestes gab, um die Nummer „Miss Kiss Kiss Bang“ von Alex Swings Oscar Sings! doch noch bühnentauglich zu machen, gibt es in diesem Jahr für Lena nicht. Lena bleibt schlicht - Lena. Neuerdings sogar ohne Meyer-Landrut.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Spekuliert wird viel in diesen Tagen in Oslo. Auch darüber, warum Lena bisher nur mit vier Background-Sängerinnen ihre Auftritte absolviert. Das Grand-Prix-Reglement erlaubt nämlich bis zu sechs Personen auf der Bühne. Sollte etwa Stefan Raab höchstpersönlich am Samstag beim großen Finale des 55. „Eurovision Song Contest“ plötzlich neben Lena stehen? Schon 2004 ließ er es sich nicht nehmen, seinen Schützling Max Mutzke in Istanbul mit der Gitarre zu begleiten, auch wenn die Musik beim Grand Prix schon seit 1998 nur noch vom Band kommt. Auch Sir Andrew Lloyd Webber hielt es im vergangenen Jahr so: Bis zuletzt war nicht ganz klar, ob er wirklich am Flügel sitzen würde, um für Sängerin Jade das von ihm komponierte „My Time“ zu „spielen“. Er tat es - und Großbritannien konnte mit einem fünften Platz einen seiner größten Erfolge in der jüngeren ESC-Geschichte feiern.

          „Toppløs“ im deutschen Fernsehen

          Dementiert wird ebenfalls viel in diesen Tagen. Oder es wird erst gar nicht darüber gesprochen. Lena und Stefan Raab sind da gleichermaßen rigoros. Fragen nach der Familie werden weiterhin ignoriert oder abgewiesen („Du musst nicht jede Scheiße beantworten, Lena“, so Raab in einer der Pressekonferenzen). Für die deutschen Fans, die jedes Detail über Lena derzeit geradezu aufsaugen, ist das frustrierend. Doch wer würde es der Hannoveranerin verübeln, die seit genau vier Tagen 19 Jahre alt ist. Sie steht als „større favoritt“ (größte Favoritin) sowieso schon im Mittelpunkt des Interesses. Gegraben in ihrem Privatleben wird trotzdem. Und so wurde am Mittwoch aus der Deutschen „Skandale-Lena“, weil sie sich „toppløs“ im deutschen Fernsehen präsentiert habe. Ihr nackter Busen, über den das norwegische „Dagbladet“ erst jetzt groß berichtete, blitzte schon vor drei Wochen in den heimatlichen Boulevard-Blättern auf. Geschadet hat es Lena damals nicht. Und auch hier interessiert sich kaum jemand für solche Schlagzeilen.

          Und an ihrer englischen Aussprache? Da feilt sie doch bestimmt in Oslo noch dran?

          Zwei Mal schon stand die deutsche Hoffnungsträgerin nun zur Probe auf der Bühne in der Telenor-Arena. Drei weitere Generalproben folgen am Freitag und am Samstag. Wesentliches ändern wird sie gewiss nicht mehr. Sie sei froh, dass nicht zwölf Tänzer um sie herumsprängen, sagt sie (was allerdings ja auch gar nicht erlaubt wäre). Ihre vier Sängerinnen indes würden ihr noch zusätzlich Sicherheit geben. Ganz alleine auf der Bühne, das würde sie nur noch nervöser machen (was man ihr allerdings kaum anmerkt). Und so präsentiert sie sich wie schon im Finale von „Unser Star für Oslo“. Dass ihre Tanz-Bewegungen joecockerhaft wirken, ist ihr und ihrem Gefolge egal. Stefan Raab will, wie er sagt, bewusst einen Kontrapunkt setzen. Lena soll herausstechen - durch ihre Andersartigkeit. Allerdings haben auch andere Teilnehmer erkannt, dass sie mit aufreizendem Krawall nicht mehr unbedingt punkten können. Mazedonien ist mit seiner unsäglich schlechten Pornonummer (Gjoko Taneski mit „Jas ja imam ilata“ - Ich habe die Kraft) gleich im ersten Halbfinale rausgeflogen. Nicht halbnackt wie in den vergangenen Jahren, sondern fast schon sittsam in langen Abendkleidern stehen viele der Künstlerinnen in Oslo auf der Bühne. Insofern ragt Lena auch eher durch ihre Art zu singen heraus.

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