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Eurovision Song Contest : Das kann die größte Show der Welt werden

  • -Aktualisiert am

Hat viel von den norwegischen Kollegen gelernt: Organisator Thomas Schreiber Bild: dapd

Noch drei Wochen bis zum Eurovision Song Contest. Über hundert Firmen arbeiten an der perfekten Inszenierung. Für eine Nacht wird die Düsseldorfer Arena ein „etwas größeres Fernsehstudio“, untertreibt Organisator Thomas Schreiber.

          Die Fußball-WM in Deutschland hat ein ganzes Nationalgefühl geprägt. Ist es realistisch, dass eine Sing-Europameisterschaft auch so ein Gefühl vermittelt? Und müsste das dann, weniger als drei Wochen vor der Veranstaltung, nicht langsam mal losgehen?

          Sobald die ersten Delegationen in Düsseldorf sind und sich die Berichterstattung intensiviert, wird das Bewusstsein dafür, dass der ESC in Deutschland ist, zunehmen.

          War es dafür nicht hinderlich, Lena noch mal gesetzt zu haben? So konnte der Eindruck entstehen, es gehe gar nicht um ein ganzes Land, sondern bloß um Lena.

          Ich glaube nach wie vor, dass dies die einzig richtige Entscheidung war, aus einem einfachen Grund: Es ist eine verdammt schwere Aufgabe, in die Fußstapfen von Lena zu treten.

          In der Düsseldorf Arena wird im Augenblick aufgebaut: 35 000 Zuschauer fasst das Stadion. Die Fortuna, die hier sonst Fußball spielt, muss für den Wettbewerb am 14. Mai ausweichen

          Für sie selbst aber auch.

          Ja. Aber was hätte ein neues Talent noch besser als Lena machen können? Jeder Nachfolger wäre nur kritisiert worden. Selbst als Sieger wäre er bloß der Sieger, der nach Lena kam. Wir hatten echt ein irres Glück mit Lena. Für jemand anderes wäre es eine nicht lösbare Aufgabe, die Erwartungen zu erfüllen. Noch mal anzutreten und ordentlich abzuschneiden ist eine für Lena lösbare Aufgabe. Es gilt der Satz, der in Oslo richtig war: Top Ten ist gut. Mein Anspruch: Wir treten nicht an, um zu verlieren.

          Und wenn sie gewinnt, muss sie nächstes Jahr noch mal ran?

          Erst einmal stimmen die Zuschauer in Europa ab, dann sehen wir weiter. Aber nach heutigem Stand würden wir einen klaren Strich ziehen und neu beginnen. Lena im ESC forever, das wollte ich niemandem zumuten, auch Lena nicht.

          Im vergangenen Jahr war immer vom Grand-Prix als einer „nationalen Aufgabe“ die Rede. Komischerweise hört man davon gar nichts mehr. Dabei wäre das jetzt doch wirklich eine: sich als Nation der Welt zu präsentieren.

          Wir versuchen zunächst einmal, gute Gastgeber zu sein. Das ist, wenn Sie so wollen, die internationale Aufgabe. Aber die nationale Aufgabe geht auch weiter, denn in der ESC-Woche werden ja noch mal alle zusammenarbeiten: Im Ersten wird es täglich eine Vorabendsendung live aus der Arena in Düsseldorf geben; Pro Sieben wird eine tägliche Show machen, die Radios sind sehr stark engagiert.

          Aber es schien vergangenes Jahr so wichtig, zu gewinnen.

          Es war erst mal wichtig, nicht zu verlieren.

          Der Preis fürs Siegen ist eigentlich, dass man sich der Welt präsentieren darf. Estland stellte sich als Land vor, das mit Macht und Lust nach Europa drängt, Russland sagte vor zwei Jahren, wir zeigen der Welt mal . . .

          . . . dass wir die Größten sind. Ja.

          Wie kommt es, dass solche Fragen die deutsche Öffentlichkeit gar nicht bewegen? Wir könnten der Welt etwas zeigen von uns, was auch immer.

          Unser Ziel muss sein, eine zeitgenössische Show zu machen. Die Frage, wie wir Deutschland präsentieren, haben wir mit dem Motto beantwortet: Feel your heart beat! ist ja nicht nur ein Appell. Der Herzschlag und damit die Emotion ist nicht die erste Assoziation, die man mit Deutschen und Deutschland hat. Wir wollen eine Show machen, die auch diese emotionalen Momente hat, in denen nicht nur die Künstler, sondern auch die Fernsehzuschauer ihren Herzschlag spüren.

          Wie viel hatten Sie vor dem Finale geplant für den Fall, dass Lena gewinnt?

          Wir haben geplant, was wir am nächsten Tag machen, wenn wir gewinnen. Sonst nichts. Meine Erwartung nach dem Sieg von Oslo war, ich könnte mal eine Nacht durchschlafen.

          Haben Sie seitdem nicht?

          Manchmal schon. Aber in der Nacht von Oslo kam sofort die Frage: In welche Stadt geht ihr? Also sind wir sofort wieder nach Oslo geflogen und haben uns mit den norwegischen Kollegen getroffen - nachdem die mal ausgeschlafen hatten. Wir haben gefragt: Was hat es gekostet? Wie habt ihr es finanziert? Und wie habt ihr es organisiert? Das war die größte Hilfe und beste Vorbereitung.

          Aber es kamen keine Vertreter der Bundesregierung oder der Deutschen Tourismus-Zentrale, um Ihnen zu sagen, wie Sie Deutschland präsentieren müssen?

          Nein.

          Der ESC wird mit 35.000 Zuschauern in der Halle zu den größten gehören, die es jemals gab. Das ist natürlich auch ein Statement des größten europäischen Landes.

          Ja, aber darum ging es nicht. Der Kern des künstlerischen Konzeptes ist, in dieser Größe Nähe herzustellen. Ich will nicht die russischen Kollegen schlechtreden, aber in Moskau hatten sie auch einen großen Raum und haben versucht, den mit Größe zu füllen. Die Bühne dort hatte einen Durchmesser von dreißig Metern. Da war ein Viertel aller damals weltweit verfügbaren LED-Wände verbaut. Patricia Kaas sah aus wie eine Ameise auf einer Glasplatte. Das sind keine humanen Dimensionen. Unsere Bühne ist im Durchmesser dreizehn Meter, das sind noch vertretbare Größen.

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