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Eurovision Song Contest : „Da Da Dam“ statt „Chucka Chucka“

Griechenland: Loucas Yiorkas feat. Stereo Mike „Watch my Dance” Bild: AFP

Insgesamt konnte man mit der Grand-Prix-Bewährungsprobe auf deutschem Boden zufrieden sein. Auch wenn das Moderatorentrio nicht immer gute Stimmung verbreitete. Im ersten Halbfinale wurden zehn Länder ins Finale gewählt.

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          Island hatte am Ende niemand mehr auf der Rechnung. Neun Halbfinalisten waren bereits in die Endrunde eingezogen, nur noch ein Platz war zu vergeben. Island konnte es einfach nicht sein. Schließlich war die Türkei in den vergangenen Jahren stets ein sicherer Finalkandidat gewesen und dann auch fast immer unter den Top Ten gelandet - und Yüksek Sadakat und sein rockiges „Live It Up“ hatten auch gar nicht schlecht geklungen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Auch die armenische „Pop-Prinzessin“ Emma „Emmy“ Bejanyan war mit ihrem simpel gestrickten Partykracher „Boom Boom“ gefolgt von „Chucka Chucka“, es sollte eine Art Hommage an den deutsch-armenischen Boxer Arthur Abraham sein, den Fans in Düsseldorf seit Tagen nicht mehr aus den Köpfen gegangen. Doch am Ende waren es eben nicht diese beiden erwartbaren Finalisten, sondern sechs Männer aus Island mit ihrer fast altmodisch sanften Country-Nummer „Coming Home“.

          Dabei hätten gar nicht sie, sondern ihr Freund Sigurjón „Sjonni“ Brink am Dienstagabend beim ersten Halbfinale des „Eurovision Song Contest“ (ESC) auf der Bühne in der Düsseldorf Arena stehen sollen. Doch der erst 36 Jahre alte Musiker war am 17. Januar nach einem Herzanfall unerwartet gestorben. Also sprangen Sigurjóns Friends, wie sich die sechs engen Weggefährten von Sjonni nennen, für ihn ein. Das Weiterkommen, so hatten sie vorher gesagt, sei ihnen gar nicht so wichtig. Sie wollten vor allem eins: Sjonnis Lied im Wettbewerb singen, so wie er es sich gewünscht hatte. Dass sie das nun am Samstag sogar noch ein zweites Mal tun können, damit hatten sie selbst am allerwenigsten gerechnet.

          Aserbaidschan: Ell und Nikki „Running Scared”
          Aserbaidschan: Ell und Nikki „Running Scared” : Bild: AFP

          Spektakuläre Bühne

          Noch größer war die Freude nur bei der sympathischen Schweizerin Anna Rossinelli. Der Jubel ihrer Delegation haute sie tatsächlich um. Viele hatten sich die Dreiundzwanzigjährige und ihren Song „In Love For A While“ ins Finale gewünscht, doch in der Endrunde erwartet hatten sie nicht einmal sehr optimistische Grand-Prix-Experten. Die Baselerin überzeugte besonders mit ihrer souligen Stimme, an ihrem etwas schüchternen und durch erkennbare Nervosität geprägten Auftritt kann sie nun noch ein paar Tage arbeiten. Für die Eidgenossen war der erste Entscheidungsabend schon ein ganz großer: In den vergangenen vier Jahren hatte es die kleine Alpenrepublik kein Mal in ein ESC-Finale geschafft. Selbst der wohl bekannteste Schweizer, DJ Bobo, war 2007 bereits im Halbfinale ausgeschieden.

          Auch San Marino hatte bei seiner erst zweiten Grand-Prix-Teilnahme (2008 war ebenfalls im Halbfinale Schluss) kein Glück. Senit, die aus Eritrea stammt, konnte sich mit ihrem „Stand By“ nicht behaupten. Und Portugal, bekanntermaßen das erfolgloseste Land des ESC (45 Mal teilgenommen und nicht einmal ein Platz unter den besten Fünf), gelang es auch mit der Spaßtruppe Homens Da Luta (Männer des Kampfes) nicht zu punkten. Die Gruppe, die aus Männern und auch aus Frauen besteht, wollte an eine gar nicht so lustige Geschichte erinnern: die Nelkenrevolution von 1974. Doch den historischen Rückblick verstanden wohl die wenigsten Zuschauer, die Kostüme, die Protestschilder, das Megaphon, dazu das portugiesische Lied „Luta É Aleria“ (Kampf ist Freude) verhießen nicht wirklich Spaß. Da half auch nicht die LED-Leinwand im Hintergrund, die ganz patriotisch in die Nationalfarben des Landes, Grün und Rot, getaucht war.

          Viel war seit Wochen schon über die Bühne und die Ausstattung in der Düsseldorf Arena geredet worden. Nun zeigte sich erstmals, welch spektakuläre Arbeit der Münchner Designer Florian Wieder seit Monaten geleistet hat. Wohl bei noch keinem Grand Prix hat es eine Bühne gegeben, die inmitten eines so großen Stadions steht. Die Zuschauer sitzen im Kreis drum herum, haben von allen Seiten gute Sicht auf das Geschehen. Die Bühne selbst beginnt unter der Decke der Arena, zieht sich von dort an den Seiten hinab und reicht wie ein Krake mit Stegen weit in die Zuschauerränge hinein.

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