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Europa : Jeder dritte spricht Deutsch

  • -Aktualisiert am

¿Que? - Die Franzosen lernen lieber Spanisch als Deutsch Bild: picture-alliance / dpa

Eine Umfrage zu den Sprachfertigkeiten in der EU zeigt große Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern: Mancherorts hält man Mehrsprachigkeit für sehr wichtig, andernorts weniger, die Ungarn lernen Deutsch und die Franzosen Spanisch.

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          Die Kenntnis von Fremdsprachen in der Europäischen Union nimmt zu. Das geht aus einer im Auftrag der Europäischen Kommission Ende 2005 vorgenommenen „Eurobarometer“-Umfrage hervor. Demnach stieg der Anteil der EU-Bürger, die mindestens eine Fremdsprache beherrschen, seit 2001 von 47 Prozent auf zuletzt 56 Prozent. Nach wie vor ist English am stärksten verbreitet, aber nicht zuletzt wegen des EU-Beitritts von acht mittel- und osteuropäischen Ländern liegt Deutsch noch vor Französisch an zweiter Stelle.

          51 Prozent der Befragten gaben an, die Sprache Shakespeares zu beherrschen - dreizehn Prozent (Briten und Iren) als Muttersprache und 38 Prozent als Fremdsprache. Jeweils 14 Prozent der EU-Bürger können Deutsch oder Französisch als Fremdsprache. Daß die Sprache Goethes und Schillers auf 32 Prozent, die Voltaires dagegen nur auf 26 Prozent kommt, liegt daran, daß für mehr als 80 Millionen Bewohner der EU-Länder Deutsch und für 55 Millionen Französisch die Muttersprache ist.

          Unterschiedlich viel Lust auf Fremdsprachen

          Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt jedoch, daß die Lust auf Fremdsprachen in Europa unterschiedlich ausgeprägt ist. Mehr als vier Fünftel der Befragten - 83 Prozent - sind zwar der Ansicht, daß Fremdsprachenkenntnis „nützlich ist oder wäre“. Die Hälfte stimmen sogar dem 2002 von den Staats- und Regierungschefs der EU in Barcelona formulierten Ziel zu, daß jeder Bürger in der Lage sein sollte, sich in zwei Fremdsprachen verständigen zu können. 75 Prozent der Polen sind dieser Ansicht, während sich gerade 36 Prozent der Deutschen für die im EU-Sprachjargon inzwischen gängige Formel „Muttersprache + zwei“ erwärmen können.

          Europameister in dieser Disziplin sind die Luxemburger. Neben dem moselfränkischen „Letzebuergisch“ beherrschen 92 Prozent mindestens zwei und 69 Prozent sogar mindestens drei weitere Sprachen. Europas Fremdsprachenmuffel sind in Spanien und Italien anzutreffen. Dort genügt nicht einmal jeder sechste der Barcelona-Norm „Muttersprache + zwei“. Außer Konkurrenz sollten Iren (13 Prozent) und Briten (18 Prozent) betrachtet werden, die das „Pech“ haben, die bevorzugte Fremdsprache der Europäer - Englisch - als Muttersprache zu sprechen.

          Deutsch in 14 Ländern auf zweitem Platz

          Auf die Frage, welche zwei Fremdsprachen Kinder lernen sollten, wurde Englisch (77 Prozent) am häufigsten genannt. Französisch führten 33 Prozent, Deutsch 28 Prozent, Spanisch 19 Prozent und Italienisch nur drei Prozent der Befragten auf. In 14 der 25 EU-Länder rangiert Deutsch in der Beliebtheitsskala vor Französisch. Während 45 Prozent der Deutschen Französisch zu den zwei zu erlernenden Fremdsprachen zählen, nennen nur 24 Prozent der Franzosen Deutsch, während 45 Prozent eine Präferenz für Spanisch zeigten. So weit die Wunschvorstellung - schon heute beherrschen dreizehn Prozent der Franzosen Spanisch, aber nur acht Prozent Deutsch, während in Deutschland 15 Prozent der Bürger sich in Französisch ausdrücken können.

          In einem einzigen EU-Land - Ungarn - steht Deutsch mit einem Anteil von 25 Prozent an der Spitze der beherrschten Fremdsprachen. 23 Prozent der Ungarn gaben an, English sprechen zu können; andere Sprachen kamen auf insgesamt elf Prozent. Die „Eurobarometer“Umfrage ermöglicht nicht nur Einblicke in die sprachliche Befindlichkeit der Europäer - so zum Beispiel durch die Frage, warum sie in neue sprachliche Gefilde streben wollten. Hauptgrund hierfür scheint die Aussicht zu sein, die sprachlichen Fertigkeiten im Urlaub zu nutzen (47 Prozent). An Vorteile im Berufsleben denken dagegen nur 27 Prozent. Während 21 Prozent angaben, die Sprachenkenntnisse dazu nutzen zu wollen, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, dachten offenbar 37 Prozent zunächst an sich selbst und antworteten: „Für meine eigene Zufriedenheit.“

          „Eine im wahrsten Sinne mehrsprachige Institution“

          Der EU-Kommissions-Bericht liefert auch einige Beispiele dafür, daß sich in Brüssel in manchen Büros über die Jahre ein eigenes Sprachgefühl entwickelt hat. Kostprobe aus dem jüngsten „Eurobarometer Spezial“: Die drei Kernziele der Kommission auf dem Feld der Mehrsprachigkeit „sind die Förderung des Sprachenlernens, die Förderung einer gesunden multilingualen Wirtschaft und der Zugang aller EU-Bürger zu den Rechtsvorschriften, Verfahren und Informationen der Union in ihrer eigenen Sprache“. Zeitgenossen zwischen Andalusien und Lappland und zwischen den Shetland-Inseln und Zypern, die an Europas Fremdsprachen verzweifeln, bieten die Brüsseler Kommissare immerhin folgende tröstende Worte: „Die Europäische Union ist eine im wahrsten Sinne mehrsprachige Institution, die das Ideal einer Gemeinschaft mit Vielfalt der Kulturen und Sprachen fördert.“

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