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Eschede-Unglück : Entscheidung im Prozess um Schmerzensgeld auf September vertagt

  • Aktualisiert am

Trauer am Mahnmal für die Opfer des Eschede-Unglücks Bild: ddp

Die Fronten zwischen den Hinterblieben der Zugkatastrophe von Eschede und der Deutschen Bahn bleiben verhärtet.

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          Die Entscheidung im Eschede-Prozess ist vertagt worden. Das Berliner Landgericht setzte den nächsten Verhandlungstag über höheres Schmerzensgeld für Hinterbliebene des ICE-Unglück von Eschede auf den 18. September fest. Der Vergleichsvorschlag des Gerichts an Hinterbliebene und Bahn blieb zunächst erfolglos.

          Während Kläger-Vertreter Reiner Geulen für seine Mandanten bis zu 250 000 Euro Schmerzengeld fordert, will die Bahn nicht deutlich über die bereits angebotene Summe von jeweils 15.340 Euro hinausgehen.

          Im ersten großen Zivilprozess um Schmerzensgeld für Hinterbliebene der ICE-Katastrophe schlug das Landgericht einen Vergleich vor. Die Deutsche Bahn könnte an die Interessengemeinschaft Selbsthilfe 511.000 Euro zahlen, regte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Seeburg am Mittwoch an.

          Seeburg sagte, nach deutschem Schuldrecht gebe es keine Norm, Hinterbliebenen Schmerzensgeld zuzusprechen. Dies sei nur vorgesehen bei Verletzungen und schweren gesundheitlichen Folgen. Die Forderungen der sechs Hinterbliebenen lägen „im Bereich des Unmöglichen“. Hinterbliebenen-Anwalt Reiner Geulen hatte in der Musterklage bis zu 250.000 Euro Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen von der Deutschen Bahn AG gefordert.

          Die Bahn hatte für jeden Toten 30.000 Mark (gut 15.300 Euro) an die Hinterbliebenen gezahlt. Richterin Seeburg kritisierte das Fernbleiben von Bahnchef Hartmut Mehdorn. „Wir bedauern, dass er dem Prozess nicht die Bedeutung zugemessen hat, die notwendig gewesen wäre.“ Sie wollte das Verfahren zunächst nicht aussetzen. Dies hatte die Bahn beantragt, da die Schuldfrage noch ungeklärt sei.

          Strafprozess ab August

          Diese soll voraussichtlich ab August in einem Strafprozess gegen drei mutmaßlich Verantwortliche von der Bahn und dem Hersteller des gebrochenen Radreifens vom Lüneburger Landgericht geklärt werden (siehe Link „Hintergrund: Die juristische Aufarbeitung des Eschede-Unglücks“).

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