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Eschede-Prozess : Stichwort: Radreifen und Vollräder

  • Aktualisiert am

Das Archivbild zeigt die Achse eines Waggons des verunglückten ICE. Bild: dpa

So viel scheint bislang klar zu sein: ein gebrochener Radreifen hat die den ICE Konrad Röntgen aus den Schienen gehoben.

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          Der Bruch eines Radreifen hat die ICE-Katastrophe von Eschede am 3. Juni 1998 ausgelöst. Deshalb steht vor allem dieses Bauteil im Mittelpunkt des Celler Prozesses gegen drei Ingenieure, die sich seit Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen.

          Die Radreifen an Schienenfahrzeugen sind die Schnittstelle zwischen Rad und Schiene. Es sind Ringe aus hochfestem Stahl, die glühend heiß auf die Räder geschoben werden und sich beim Erkalten fest um den Korpus des Rades schließen, indem sie sich zusammenziehen. In der Regel werden sie noch zusätzlich gesichert. Im Prinzip ist seine Funktion mit der eines Auto- oder Fahrradreifens vergleichbar.

          Extremer Verschleiß

          Der Stahl des Radreifens muss in bestimmten Intervallen ausgewechselt werden, weil er extremem Verschleiß ausgesetzt ist. Die Kohäsion zwischen Rad und Schiene, die bei Beschleunigungsvorgängen des manchmal Tausende Tonnen schweren Zuges überwunden werden muss, muss er ebenso „wegstecken“ wie die Reibung beim Bremsvorgang. Auch die seitlich wirkenden Kräfte muss er aushalten, nicht nur bei Kurvenfahrten, sondern auch bei Geradeausfahrten, bei denen etwa die vorderen Radsätze einer den Zug ziehenden Lokomotive aus normalen physikalischen Gründen ständig nach rechts und links „schleudern“.

          Moderne Technologie bei Antrieb und Steuerung von Eisenbahnen versucht - ähnlich wie beim Auto Anti-Schlupf-Regelung und Anti-Blockier-System -, die Spitzen der Belastung dieser Schnittstellen zu mindern. Andererseits ist es mit solchen Technologien auch möglich geworden, die Belastbarkeitsgrenzen weiter hinauszuschieben und höhere Geschwindigkeiten zuzulassen.

          Zu spät, wenn Fehler sichtbar sind

          Der Grad des Verschleißes ist mit bloßem Auge erst zu erkennen, wenn es zu spät ist. Er wird in regelmäßigen Abständen mit Ultraschall-Messgeräten ermittelt. Das Platzen von Radreifen ist allerdings ein Zwischenfall, der öfter vorkommt. Er kann entweder auf äußere Einwirkung zurückzuführen sein, etwa Gegenstände auf der Schiene oder zu häufige Notbremsungen während einer Fahrt, oder eben auf Materialschwächen oder -ermüdung, die nicht rechtzeitig erkannt wurde.

          Nach dem Zugunglück von Eschede gab es schnell Hinweise auf die Anfälligkeit des Systems. Auch bei Straßenbahnen, deren Räder nach dem ähnlichen Prinzip aufgebaut sind, war es zuvor schon mehrfach zu Brüchen gekommen. Die Bahn zog als Konsequenz aus dem ICE-Unglück alle Radreifen unter Hochgeschwindigkeitszügen aus dem Verkehr und setzt seitdem wieder Vollräder ein.

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