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ESC-Vorentscheid : Ein Youtube-Star für Lissabon

Michael Schulte freut sich über den Erfolg. Bild: dpa

Michael Schulte gewinnt überlegen die deutsche Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest. Die Konkurrenz aber war schwach, der Fernsehabend eher provinziell.

          4 Min.

          Deutschland hat einen Kandidaten, der sich rühmen kann, gleich in dreifacher Hinsicht überzeugt zu haben. Zwölf Punkte bekam Michael Schulte von einem Europa-Panel mit 100 Auserwählten, die den europäischen Musikgeschmack repräsentieren sollen; zwölf Punkte von einer international besetzten Jury; und zwölf Punkte vom deutschen Fernsehpublikum.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Oder war Michael Schulte am Donnerstagabend beim Vorentscheid „Unser Lied für Lissabon“ doch einfach nur der beste von insgesamt sechs nicht besonders herausragenden Künstlern, die Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) vertreten wollten? Singen können sie alle, doch einen ESC-Moment, das Gefühl, dass da jemand in drei Minuten mit seinem Auftritt über sich hinauswächst, hatte man bei keinem einzigen.

          Unser Lied für Lissabon ist bislang nicht mehr als eine hübsche Ballade. Mit seinem selbst geschriebenen „You Let Me Walk Alone” verarbeitet der 27 Jahre alte Buxtehudener den frühen Tod seines Vaters. Es ist eine Mischung aus Pop, Alternative, Indie und Rock. Schulte ist ein Youtube-Star, hat 200.000 Abonnenten, mehrere Alben veröffentlicht und war 2012 bei „The Voice of Germany“ im Finale. Sein Coach damals war Rea Garvey, der ihn auch – auf Youtube – entdeckt hatte. Der Mann mit dem roten Wuschelkopf, der passenderweise schon mit Ed Sheeran auf der Bühne stand, ist ein ruhiger Typ, der mit seiner Stimme punktet. Sollte er daran bis zum Finale am 12. Mai in Lissabon nichts ändern, dürfte er es sehr schwer haben, einen Platz auch nur unter den Top Ten zu erreichen.

          Radikaler Neustart

          Denn singen konnten auch schon die Kandidatinnen der vergangenen Jahre, der letzte Mann, der für Deutschland ins ESC-Rennen ging, war Roman Lob 2012. Doch was Ann Sophie, Jamie-Lee und Levina boten, war eben nicht mehr als eine gute Gesangseinlage, begeistert haben sie das internationale Publikum nicht. Sie brachten uns zwei Mal den letzten und einmal den vorletzten Platz ein. Darum auch wollte der federführende Sender NDR in diesem Jahr den Vorentscheid „vom Kopf auf die Füße“ stellen. Ein radikaler Neustart sollte es werden. Und das war er auch – auf dem Papier.

          Vor allem internationaler sollte alles werden. So ein bisschen wie der ESC, damit man da vielleicht mal wieder eine Chance hat. Dafür lud der NDR nicht nur 20 internationale Juroren mit Grand-Prix-Erfahrung ein, sondern auch den Generalsekretär des Eurovision Song Contest, Jon Ola Sand, der die Punkte der Fernsehzuschauer bekanntgeben durfte.

          Doch der deutsche Vorentscheid war eine eher provinzielle Abendshow mit zwei Moderatoren, die noch nicht einmal ihre schlechten Witze fehlerfrei von ihren Karten ablesen konnten. Was kann man aber auch erwarten von zwei  „Moderatoren“, die nicht moderieren können, weil sie damit überhaupt keine Erfahrung haben. Die eine ist Nachrichtensprecherin (Linda Zervakis), sollte also zumindest vom Blatt ablesen können, der andere war mal Praktikant bei Stefan Raab (Elton), was offenbar für eine Karriere im Fernsehen ausreicht.

          Schon alleine der Name Stefan Raab verheißt ja Erfolg beim ESC. Er, so glauben viele, war verantwortlich für den Sieg Lenas im Jahr 2010. Auch wenn das nicht ganz stimmt, so gelang es der vom NDR zumindest mitgecasteten damals gerade Neunzehnjährige ganz Europa zu verzaubern – und das obwohl sie nicht die beste Stimme hat. Ohne Erfahrung ging sie in Oslo auf die ganz große Bühne, locker und unverkrampft sang sie ihr „Satellite“ und profitierte am Ende auch von einem insgesamt nicht besonders starken Jahrgang.

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