https://www.faz.net/-gum-7t6cx

Erstes Düsenflugzeug : Zwei Runden über Rostock

  • -Aktualisiert am

Düsentrieb: Mit dem ersten Flug der HE 178 am 27. August 1939 begann das Düsen-Zeitalter in der Luftfahrt, Testpilot war Erich Warsitz Bild: picture-alliance / dpa

Vor 75 Jahren hob das erste Düsenflugzeug ab, Testpilot der waghalsigen Mission war Erich Warsitz. Das Unternehmen läutete ein neues Zeitalter des Fliegens ein, doch der Enthusiasmus hielt nicht lange.

          2 Min.

          Als die klapprige Kiste am 27. August 1939 um vier Uhr morgens auf den Startplatz des Flugplatzes Marienehe in Rostock gehievt wurde, ahnte noch niemand, was alles passieren könnte. Jeder wusste, dass die Zukunft des Fliegens einem Strahlflugzeug-Modell wie der Henkel He 178 gehört. Aber würde der riskante Flug gelingen?

          Der Testpilot dieser waghalsigen Mission sollte Erich Warsitz sein. „Dies war der erste Flug eines Strahl-Flugzeugs der Welt“, berichtete Strahltriebwerk-Erfinder Hans-Joachim Pabst von Ohain später. „Wiederum hatte Erich Warsitz durch sein enormes fliegerisches Können und seinen mutigen Willen ein völlig neues Flugprinzip zum ersten Mal in der Welt zum Fliegen gebracht.“

          Der Dreiunddreißigjährige setzte sich also in das Flugzeug und blickte in die erwartungsvollen Gesichter der Mitarbeiter. Er ließ die Maschine aufheulen. Nur das Brüllen des Motors war zu hören, dann hob das Flugzeug ab. Die Mitarbeiter strahlten erleichtert.

          Der Düsenflieger klapperte und polterte

          „Vorsichtig leitete ich die erste Linkskurve ein, und vorsichtig flog ich ganz ruhig zwei große Platzrunden“, erinnerte sich Warsitz danach. Der Düsenflieger klapperte und polterte, der Pilot brauste mit haarsträubender Geschwindigkeit über den Flugplatz. Die Rostocker schauten entgeistert aus den Fenstern und fragten sich, woher der Höllenlärm stammte. Nach acht Minuten setzte das Flugzeug zur Landung an. Warsitz kletterte mühsam aus dem Cockpit, und die paar Zuschauer stürmten begeistert auf ihren Helden zu und feierten ihn. Flugzeugbauer Ernst Heinkel hielt sich die Szene hinterher vor Augen: „Die Monteure hoben Warsitz und mich auf die Schultern und trugen uns, schreiend vor Begeisterung, umher.“

          Die Grundlage des Testfluges hatte der Physiker Hans-Joachim Pabst von Ohain gelegt, der neue Antriebstechniken für Flugzeuge entwickelte. Die alten Antriebsmechanismen waren den Ansprüchen nicht mehr gewachsen, neue Ideen mussten her. Daher holte Ernst Heinkel ihn nach einem Empfehlungsschreiben von Ohains Vater in den Betrieb. Von Ohain konstruierte eine Turbine mit dem Strahltriebwerk He S3, die nur mit Benzin als Treibstoff lief und in das Versuchsmodell He 178 eingebaut wurde. Das Strahltriebwerk saugt die Umgebungsluft an, stößt die Verbrennungsprodukte als Antriebsstrahl aus und erzeugt durch den Rückstoß die gewaltige Schubkraft.

          Ein neues Zeitalter des Fliegens

          Hans von Ohain schreibt auch Erich Warsitz – nachzulesen auf www.firstjetpilot.com, wo Lutz Warsitz, der Sohn des Piloten, Dokumente zum Leben seines Vaters sammelt – eine wichtige Rolle zu: „Ich bewundere ihn noch heute und bin der festen Überzeugung, dass er durch seine mutige Opferbereitschaft und sein fliegerisch-technisches Können wesentlich zur schnellen Entwicklung der Turbinen-Strahl-Triebwerke beigetragen hat.“

          Heinkel, von Ohain und Warsitz öffneten die Tür für ein neues Zeitalter des Fliegens. Doch hielt die enthusiastische Stimmung nicht lange an. Fünf Tage nach dem ersten Düsenflug der Welt begann der Zweite Weltkrieg. Die He 178 wurde gegen Ende des Krieges in Rostock bei einem Bombenangriff zerstört. Auch Warsitz spürte die Folgen des Krieges am eigenen Leib. 1942 beendete ein schwerer Flugunfall seine Tätigkeit als Pilot, im Dezember 1945 griffen ihn russische Soldaten auf. Er verweigerte bei Verhören Auskunft über Raketen- und Düsenflugzeugentwicklungen und wurde schließlich zu Zwangsarbeit in einem sibirischen Straflager verurteilt. Erst im Jahr 1950 kehrte Warsitz zurück und gründete eine Maschinenfabrik. Am 12. Juli 1983 starb er in der Schweiz.

          Weitere Themen

          Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Liveblog zu Coronavirus : Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Jens Spahn kündigt für Montag eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses an +++ Dritter Virus-Fall In Hessen gemeldet +++ Automobilsalon in Genf und ITB Berlin abgesagt +++ Südkoreaner soll am Wochenende zu Hause bleiben+++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Bulgarien vs. Louvre

          Ausstellung abgesagt : Bulgarien vs. Louvre

          Besucher des Pariser Louvre werden im Sommer keine Schau bulgarischer Kunst aus vergangenen Jahrhunderten zu sehen bekommen. Der Grund: Die bulgarische Orthodoxie will die Artefakte Pilgern vorbehalten.

          Topmeldungen

          In der südkoreanischen Stadt Daegu versprühen Soldaten in Schutzanzügen Desinfektionsmittel.

          Liveblog zu Coronavirus : Südkorea bleibt am Wochenende zuhause

          Jens Spahn kündigt für Montag eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses an +++ Dritter Virus-Fall In Hessen gemeldet +++ Automobilsalon in Genf und ITB Berlin abgesagt +++ Südkoreaner soll am Wochenende zu Hause bleiben+++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Reformstau in Deutschland : Deutschland, wie geht es dir?

          Ein Jahrzehnt Daueraufschwung neigt sich dem Ende entgegen, wirtschaftlich macht sich ein Gefühl des Stillstands breit. Politisch aber bahnen sich Umbrüche an. Zeit zu handeln also – diese Vorschläge hat die F.A.Z.-Redaktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.