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Pilgerreisen : Erste Jakobsweg-Stempelstation in Berlin eröffnet

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Mit der Jakobsmuschel auf dem Pilgerweg: Für viele Wanderer ist auch das Sammeln der Stempel ein wichtiger Aspekt ihrer Reise. Bild: Picture-Alliance

Erstmal können Pilger zeigen, dass ihr Jakobsweg durch die Hauptstadt führte. Mit der Stempelstation können Wanderer nicht nur ihre Station in Berlin markieren, sondern auch ein Zeichen für die queere Gemeinschaft setzen.

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          Der Evangelische Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg hat am Montag die erste Stempelstation des berühmten Jakobswegs in Berlin eröffnet. Künftig können sich Pilger an der Königin-Luise-Gedächtniskirche im Stadtteil Schöneberg selbst einen Stempel in den Pilgerpass drücken. An der Einweihung der Station nahm auch die Frauenrechtlerin und Muslimin Seyran Ates teil.

          Der Jakobsweg sei für sie zum Friedensweg geworden, sagte Ates, die selbst schon mehrere Wochen auf der Strecke zu Fuß unterwegs war. Auf der Route würden Menschen verschiedener Religionen pilgern: „Alle sind dort willkommen.“

          Für sie als Muslimin sei Pilgern eine der religiösen Pflichten und gehöre zu den fünf Säulen des Islams, erklärte die Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Bei Christen und Juden sei Pilgern etwas anderes. Am Dienstag will Ates mit einer Pilgergruppe aus Christen und Atheisten vom Brandenburger Tor aus Richtung Süddeutschland aufbrechen. Sie sei dankbar, dass sie auf dem Jakobsweg willkommen geheißen „und nicht abgelehnt werde, weil ich eine andere ’Religion’ habe“, sagte Ates.

          „Es ist das Gegenmodell zum stressigen Alltag“

          Superintendent Michael Raddatz betonte, dass für die Berliner Pilgerstation ein eigener Stempel entwickelt wurde. Abgebildet ist darauf die achteckige Königin-Luise-Gedächtniskirche mit einem Regenbogen – dem Symbol für die Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender, die LGBT-Community. „Wir wollen damit ausdrücken, was unseren Kirchenkreis ausmacht, und dass ist eben auch das queere Leben hier“, sagte Raddatz. Am Jakobsweg kämen Menschen zusammen, „die sonst nicht miteinander verbunden sind“.

          Der Berlin-Beauftragte der Jakobusgesellschaft, Jörg Steinert, würdigte, dass sich Vertreter der evangelische Kirche zusammen mit der Jakobusgesellschaft für die Ausschilderung der Jakobsweg-Route in Berlin engagieren. Zudem betonte er, dass Pilgern auch im 21. Jahrhundert noch etwas sehr besonders sei: „Es ist das Gegenmodell zum stressigen Alltag, zum Hamsterrad. Es ist das Besinnen.“

          Die Jakobusgesellschaft veröffentlichte für die Region Berlin-Brandenburg einen eigenen regionalen Pilgerpass, der künftig auch online abrufbar sein soll. Der Kirchenkreis startete am Montag überdies einen eigenen lokalen Pilgerweg für Kinder, Jugendliche und Familien. Die Route führt durch den Stadtteil Marienfelde unter anderem an einem alten Stück Berliner Mauer vorbei.

          Die neue Stempelstation an der Königin-Luise-Gedächtniskirche in Schöneberg liegt nahe einer alten Jakobsweg-Route, der Via Imperii, die mitten durch Berlin verläuft. Von Stettin führt die Strecke unter anderem am Brandenburger Tor vorbei über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg, die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Von Berlin bis zum Ziel des Jakobsweg, der Kathedrale von Santiago de Compostela in Nordspanien, sind es fast 2900 Kilometer.

          Insgesamt gibt es in Deutschland rund 30 Strecken, die zum Jakobsweg gehören. Seit dem Mittelalter überzieht ein ganzes Wegenetz aus oft alten römischen Handelsstraßen Europa. Pilgern auf dem berühmten Jakobsweg wurde zuletzt immer beliebter.

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