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Erotischer Bibelkalender : Hosen runter für die Heilige Schrift

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Deckblatt des Bibelkalenders Bild: ddp, www.bibelkalender.de/Stefan Wiest

Die himmlische Eva mal ganz anders: Mit einem erotischen Bibelkalender sorgt die Katzwanger evangelische Pfarrjugend landesweit für Aufregung. Doch die Proteste scheinen die Jugendlichen und ihren Pfarrer nicht weiter zu stören.

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          Trotz Empörung und heftiger Kritik scheint die evangelische Pfarrjugend aus dem Nürnberger Stadtteil Katzwang ihren erotischen Bibelkalender ab Sonntag verkaufen zu wollen.

          Das Werk zeigt Szenen aus der Bibel, wobei die Darsteller wenig bis nichts auf dem Leib tragen. Die Szene der Eva mit dem Sündenapfel wurde sogar in der örtlichen Kirche vor dem Hochaltar fotografiert. Das Modell ist bis auf ein Feigenblatt nackt.

          Mit großer Mehrheit genehmigt

          Auf der Homepage www.bibelkalender.de wurde bereits heftig gegen den Kalender protestiert: „Was Ihr macht ist unzivilisiert! Was soll eigentlich der Scheiß? Das ist eine Kirche“, schreibt ein anonymer Kritiker. „Euer Kalender hat mich echt schockiert. Ihr seid zu weit gegangen“, beklagt eine Frau. Ein weiterer Schreiber moniert: „Die Bibel als Motivvorlage für Nacktfotos zu mißbrauchen, finde ich schamlos.“ Er appelliert an die Verantwortlichen: „Bekennt Eure Sünde und laßt sie.“

          Der Katzwanger Pfarrer Bernd Grasser kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Es sei doch „anerkennenswert, wenn sich die Jugendlichen mit der biblischen Geschichte befassen“, sagte Grasser am Freitag. Er sei überrascht von der Heftigkeit der Reaktionen. „Das zeigt nur, wie weit viele Erwachsene von der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen entfernt sind.“ Die Kirchengemeinde sei im Vorfeld in die Planung einbezogen worden und habe das Projekt mit großer Mehrheit genehmigt.

          Keine Provokation

          Von der evangelischen Landeskirche hieß es dazu lediglich: „kein Kommentar“. Dafür macht die katholische Kirche im Freistaat um so deutlicher, was sie von dem Kalender hält. Der Sprecher von Kardinal Friedrich Wetter sagte: „Es ist sicherlich nicht in Ordnung, wenn in einer Kirche nackt posiert wird.“ Er halte das Projekt für einen schlechten Scherz. „Das ist nicht die richtige Form, sich mit der Heiligen Schrift auseinander zu setzen, indem man die Hosen runterläßt“, kritisierte Röhmel. Er hoffe, daß die evangelische Landeskirche die „intellektuelle Kraft“ habe, sich mit dem Vorfall zu befassen. Natürlich komme auch in der Bibel Nacktheit vor, räumte der Sprecher des Kardinals ein, die Kalenderaufnahmen erinnerten ihn aber eher an Fotos in gewissen Magazinen.

          Fotograf Stefan Wiest verteidigte hingegen das Projekt. Bei der Umsetzung der Themen hätten er und die Jugendlichen sich von Gemälden alter Meister inspirieren lassen, sagte er. Die Bilder würden zudem von theologischen Texten begleitet. Ziel sei es, neue Menschen für das Thema Kirche zu interessieren. Auch Gemeindepfarrer Grasser versicherte, es sei nie das Motiv gewesen, andere zu provozieren. Die Jugendlichen seien fest in der Gemeinde verankert. Der Erlös der 2000 Kalender, die jeweils 12,50 Euro kosten, soll der evangelischen Jugendarbeit zugute kommen.

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