https://www.faz.net/-gum-6plxc

Ermittlungsverfahren : Fleischstreit in Hessen: Frisch oder bearbeitet?

  • Aktualisiert am

Rewe-Niederlassung: Handelskette bot gefrorenes Fleisch als frisch an Bild: dpa

Der Handelskonzern Rewe soll aufgetautes Rindfleisch in Supermärkten in Hessen und Rheinland-Pfalz als frisch verkauft haben.

          1 Min.

          Die Rewe-Handelsgruppe hat 20 bis 30 Tonnen nicht verkauftes Rindfleisch im letzten Jahr eingefroren und in den vergangenen Wochen als Frischfleisch angeboten. Deshalb hat die Gießener Staatsanwaltschaft gegen das Kölner Unternehmen ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen die Kennzeichnungspflicht von Rindfleisch eingeleitet.

          Während der Großteil des Fleischs allerdings längst verkauft und verbraucht wurde, entdeckten Lebensmittelkontrolleure vergangene Wochen in einem zum Rewe-Konzern gehörenden „Minimal-Markt“ in Hessen falsch deklarierte Rouladen und Steaks. Das Angebotsfleisch sei bereits im vergangenen Jahr in den Supermärkten gewesen, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft. Weil der Rindfleischmarkt im Zuge der BSE-Krise zusammengebrochen war, sei das Fleisch damals nicht verkauft, sondern eingefroren worden. Das bereits aufgetaute Fleisch wurde als „Frischfleisch“ angeboten. Ordnungsgemäß hätte dieses Fleisch mit den Hinweisen „aufgetaut - sofort verzehren“ verkauft werden müssen. Nachdem der Fehler bekannt geworden war, zog die Handelskette das Fleisch sofort aus dem Verkehr.

          Bearbeitetes Fleisch oder Frischfleisch?

          Der Knackpunkt ist nun, ob es sich nur um bearbeitetes Fleisch oder tatsächlich um Frischfleisch handelt. Nach der geltenden Fleischverordnung muss Fleisch nicht als aufgetaut gekennzeichnet werden, wenn es zuvor bearbeitet wurde. Nach Auffassung des hessischen Sozialministeriums, das vergangene Woche von dem Vorfall informiert wurde, ist das Vorgehen von Rewe deshalb legal. Denn als bearbeitet gelten zum Beispiel Rouladen und marinierte Steaks, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Dies sieht die Staatsanwaltschaft nicht so und will weiter gegen Rewe vorgehen. Der Konzern wiederum behauptet, das Fleisch sei vorher nie in Märkten gewesen, sondern als Jungbullenfleisch Ende vergangenen Jahres in einem Tiefkühllager eingefroren worden.

          Keine gesundheitlichen Gefahren

          Gesundheitliche Gefahren für Verbraucher haben nach Angaben des Rewe-Sprechers ohnehin nicht bestanden. Auch das Sozialministerium und die Verbraucherzentrale Hessen sehen keine Gefährdung.

          Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, das Fleisch stamme von Rindern, die nicht auf die Rinderkrankheit BSE getestet wurden, widerlegte das Sozialministerium. Sämtliche Tiere seien jünger als 20 Monate gewesen, so dass sie weder vor dem Einfrieren noch jetzt auf BSE getestet werden muss.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thunberg setzt Segel-Trend : Per Anhalter über die Weltmeere

          Wie Greta Thunberg die Meere zu besegeln, ist für junge Abenteurer das neue Rucksackreisen. Viele Bootsbesitzer sind von den teils penetranten Anfragen aber schon genervt. Und der Trip über den Ozean kann schnell zur Tortur werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.