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Ermittlungen : Cliff Richard in der Schmuddelecke

  • -Aktualisiert am

Vergangenen Donnerstag durchsuchten Polizeibeamte ein kaum bewohntes Apartment des Sängers Bild: dpa

Die Vorwürfe gegen Sir Cliff Richard wegen sexuellen Missbrauchs füllen momentan die britische Regenbogenpresse. In die Reaktionen auf die Missbrauchsvorwürfe mischt sich so etwas wie Genugtuung.

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          Die Nachricht verbreitete sich am Donnerstag in Großbritannien wie ein Lauffeuer. Am Nachmittag durchsuchte die Polizei ein kaum bewohntes Apartment des Sängers Sir Cliff Richard im Zusammenhang mit einer Ermittlung wegen sexuellen Missbrauchs. Wie von Zauberhand waren die Kameras der BBC gleich mit von der Partie und filmten die Hausdurchsuchung fleißig aus der Luft. Kurz darauf verlas der Nachrichtensender das Dementi des Sängers. Richard wird von einem Mann beschuldigt, sich bei einer religiösen Veranstaltung an diesem 1985 sexuell vergangen zu haben, als dieser noch minderjährig war.

          Die für ihre Loyalität berüchtigte britische Fangemeinde Cliff Richards steht unterdessen geschlossen hinter dem „Some People“-Sänger und hält die Kampagne gegen Richard, die schon vor Monaten im Internet und in der englischen Klatschpresse begann, für Rufmord. So schreibt Paul Andrew, ein Fan, auf Facebook: „Cliff ist zum Opfer der Treibjagd-Mentalität geworden, die seit dem Jimmy-Savile-Skandal um sich greift. Ich halte die Geschichte für eine reine Erfindung. Jemand, der ihn nicht leiden kann, will seinen Namen beschmutzen.“

          Auch die Cliff-Anhängerin Dawn Wortley-Nott äußert sich entsprechend auf der offiziellen Facebook-Seite, auf der sich schon wenige Stunden nach Bekanntwerden der Hiobsbotschaft Zehntausende Supporter zu Wort meldeten: „Hinter den Vorwürfen gegen Sir Cliff Richard stehen bloß Internet-Trolls. Ich habe ein paar ihrer bösartigen Bemerkungen gelesen, und mir tut Cliff im Moment wirklich nur leid.“ Zu den abstrusen, im Netz kursierenden Gerüchten zählt auch die Anschuldigung, Cliff Richard sei in die „Mordfälle“ von Prinzessin Diana und Jill Dando, einer Journalistin, verwickelt. Ein Skandal wäre tatsächlich ein gefundenes Fressen für den britischen Boulevard, dem der „Saubermann“ im Laufe der 56 Jahre seiner Karriere kaum eine schlüpfrige Schlagzeile geliefert hat. Deshalb käut die Regenbogenpresse die sattsam bekannte Mutmaßung wieder, der unverheiratete Sänger sei homosexuell. Aber nicht nur die Boulevardpresse wünscht ihn sich schon lange in der Schmuddelecke.

          Ambivalentes Verhältnis zu ihrer wertkonservativen Popikone

          Die Briten zeichnet allgemein ein ambivalentes Verhältnis zu ihrer wertkonservativen Popikone aus. Radio-DJs weigern sich seit Jahren, seine Songs zu spielen, schon die Erwähnung seines Namens führt in bildungsbürgerlichen Kreisen zu Reaktionen zwischen müdem Abwinken und abschätzigem Schmunzeln, und im Gegensatz zu seinen Altersgenossen Mick Jagger und Paul McCartney gilt Cliff Richard bei den unter 40 Jahre alten Briten als uncool und muss als Pointe so manchen Witzes hinhalten. Diese Klientel würde den aktuellen Anschuldigungen gegen den Sänger einen hohen Unterhaltungswert beimessen, unabhängig davon, zu welcher Schlussfolgerung die Ermittlungen der Polizei am Ende kommen. Diese gesellschaftliche Gier nach einem Cliff-Richard-Skandal dürfte auch die medienwirksame BBC-Inszenierung der Hausdurchsuchung erklären, der man geradezu einen Hauch von Genugtuung anzumerken meinte.

          Zurzeit gehen die Ermittler einem einzelnen Vorwurf gegen Sir Cliff Richard nach. Die Untersuchung gegen den Sänger steht in keinem Zusammenhang mit dem Ermittlungsausschuss Yewtree, der sich mit den massenhaften pädophilen Straftaten des inzwischen verstorbenen BBC-Moderators Jimmy Savile, des kürzlich zu fast sechs Jahren Haft verurteilten Komikers Rolf Harris sowie anderen britischen Prominenten befasst.

          Als Zeichen ihrer Solidarität mit dem Popsänger tauschen zurzeit viele seiner Unterstützer ihr Profilbild auf Facebook gegen das letzte offizielle Bild von Cliff Richard aus: lächelnd in seiner Villa in der Algarve. Das Lachen wird ihm nun aber sicher für eine Weile vergehen.

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