https://www.faz.net/-gum-88l3b

Berufstätige Mütter : Die Schnellstarterinnen

Kerstin, 33, Journalistin: Zu Hause sein hat mich nicht erfüllt

Für mich war von Anfang an klar, dass ich nach der Geburt schnell wieder in meinen Beruf als freie Journalistin zurückkehre. Bei einigen Auftraggebern habe ich meine Schwangerschaft gar nicht an die große Glocke gehängt. Außerdem arbeite ich Teilzeit noch fest. Bei der festen Stelle habe ich recht schnell gesagt, dass ich nach vier Monaten wiederkomme und einen Teil der Arbeit am Anfang als Home-Office mache. Ich habe mich schon gefragt, ob ich das schaffe, und auch mit der Hebamme darüber geredet, ob es realistisch sei, so schnell wieder in den Job einzusteigen, mit Stillen und allem Drum und Dran. Die hat mich aber darin eher bestärkt und gesagt: „Wenn du das willst, dann funktioniert das!“

Drei Wochen nach der Geburt habe ich schon wieder meinen ersten Text geschrieben. Das war nicht gezwungenermaßen, ich hatte eher Lust drauf, und es hat Spaß gemacht. Auch Interviews habe ich in dieser ersten Zeit schon geführt, wenn die Kleine geschlafen hat. In der Anfangszeit ist mein Freund zwei Tage vormittags zuhause geblieben. Es war schon gut, dass er recht früh gesehen hat, dass es durchaus anstrengend ist, einen halben Tag auf das Kind aufzupassen.

In dieser Zeit habe ich noch gestillt und anfangs die Milch abgepumpt, aber das Baby wollte nicht aus der Flasche trinken und hat dann einfach gewartet, bis ich mittags wieder nach Hause kam. Das funktionierte auch. Ich fand es angenehm, vier Stunden am Tag rauszukommen. Mich hat das nicht so erfüllt, dieses ständige Kaffeetrinken mit anderen Müttern im Park. Irgendwann ist es eben nicht mehr so spannend, sich ständig über so einen Säugling zu unterhalten.

Es gibt schon einige, die das nicht verstehen, wenn man das Kind so früh abgibt. Es gibt ja auch viele Mütter, denen ihr Beruf vielleicht sowieso nicht mehr so viel Spaß gemacht hat und die dann gerne mal drei Jahre zu Hause bleiben. Solche Ansichten machen es für jemanden, der früh wieder einsteigen will, schwieriger. Ich würde mir wünschen, dass man viel offener über Kinderwunsch und Schwangerschaften reden kann.

Mit sechs Monaten brachte ich meine Tochter dann zur Tagesmutter. Das würde ich heute vielleicht anders machen. Es kommt sicher auf das Kind an, aber gefühlt war meine Tochter vielleicht erst mit acht Monaten so richtig bereit dazu. Damals hat sie manchmal geweint, wenn ich sie zur Tagesmutter gebracht habe. Wenn ich sie jetzt mit ihren 14 Monaten abgebe, winkt sie fröhlich zum Abschied.

Christiane, 44, Vice President bei einer Großbank: Die Beförderung blieb aus

Mein Sohn war fünf Monate alt, als ich mit 70 Prozent wieder anfing zu arbeiten. Das ist jetzt neun Jahre her, und für damalige Verhältnisse war das schon ziemlich früh. Vor der Geburt hatte ich mir nicht so wahnsinnig viele Gedanken gemacht. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass das klappt. Damals lief es beruflich ziemlich gut, ich hatte ein erfolgreiches Projekt geleitet und dachte deshalb, dass es nach der Geburt so weitergeht und bald die Beförderung kommt. Die Betreuung hatte ich durch eine Tagesmutter gut organisiert. Kurzum: Ich dachte, ich kann beruflich genau da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Weitere Themen

Entsetzen nach Gewalttat an russischer Schule Video-Seite öffnen

Täter festgenommen : Entsetzen nach Gewalttat an russischer Schule

Bei einem Schusswaffenangriff auf eine Schule im zentralrussischen Kasan sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Mehrere der rund 20 Verletzten, die ins Krankenhaus gebracht wurden, schwebten in Lebensgefahr.

Topmeldungen

Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.

Cyberattacke auf Pipeline : Erpressung in Arbeitsteilung

Der Hacker-Angriff auf eine amerikanische Pipeline zeigt: Cyberkriminelle professionalisieren ihre Geschäftsmodelle. Sie investieren in Software und Öffentlichkeitsarbeit.
Polizisten 2005 während Unruhen in der Banlieue Clichy-sous-Bois nördlich von Paris. Vorausgegangen war der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei durch einen Stromschlag in einer Trafostation ums Leben kamen.

Verrohung in Frankreich : „Die Republik zerlegt sich“

Ehemalige französische Generäle warnen vor islamischen „Horden in der Banlieue“ und einem Bürgerkrieg. Der Politikwissenschaftler Jérôme Fourquet erklärt im Interview, was in seinem Land im Argen liegt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.