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Nach der Tragödie in Duisburg : Panikforscher verteidigt Sicherheitskonzept

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach der Tragödie in Duisburg hat der Panikforscher Michael Schreckenberg Stellung zu den Vorwürfen gegen das Sicherheitskonzept der Veranstaltung genommen, das er selbst mitgestaltet hat.

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          Gegen die sofort aufbrandende Kritik hat Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) das Sicherheitskonzept für die Veranstaltung als „stichhaltig“ verteidigt. Am Sonntag haben die Veranstalter und die Stadt auf einer schon vorher geplanten Pressekonferenz im Duisburger Rathaus über die Vorgänge berichtet: Loveparade-Tragödie: Staatsanwaltschaft ermittelt. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob es richtig war, bei der Erwartung von mehr als einer Million Besuchern und einem Gelände für maximal 250.000 Menschen nur einen Zugang anzubieten, der wiederum nur durch Tunnels erreichbar war. Oberbürgermeister Sauerland sagte bereits: Es „lag nicht am Sicherheitskonzept, das nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen.“

          Der Erfinder der Loveparade, Dr. Motte alias Matthias Roeingh, gab den Veranstaltern die Schuld für die Katastrophe: „Die haben einen krassen Management-Fehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal“, sagte der DJ dem „Berliner Kurier“.

          Panikforscher verteidigt Sicherheitskonzept

          Nach der Tragödie hat der Panikforscher Michael Schreckenberg das Sicherheitskonzept verteidigt, an dem er selbst beteiligt war. Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagte der Professor am Samstagabend im Westdeutschen Rundfunk. Und der Tunnel sei mehrfach gesperrt worden, wenn zu viele Menschen in ihn hineingedrängt seien.

          Nach Angaben des Experten waren bei der Erstellung des Konzepts viele mögliche Notfälle durchgespielt worden. Es gebe aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln hielten. Laut Schreckenberg hatten kurz vor dem Unglück einzelne Jugendliche ein Gitter überrannt und waren eine ungesicherte Treppe hochgelaufen. Einige von ihnen seien dann von der Treppe aus einer Höhe von acht bis zehn Metern nach unten gestürzt. Dass „Menschen von oben herunterfallen“ sei ein Fall gewesen, der überhaupt nicht in dem Sicherheitsplan vorgesehen gewesen sei, betonte Schreckenberg.

          Der Cheforganisator der Kulturhauptstadt „Ruhr.2010“, Fritz Pleitgen, fühlt sich nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg mit in der Verantwortung. „Ganz klar fühle ich mich auch mitverantwortlich, aber eher im moralischen Sinne“, sagte Pleitgen Samstagnacht im ZDF. Die Loveparade sei ein „erprobtes Format“. „Es ist uns angeboten worden als Projekt für die Kulturhauptstadt. Wir haben das angenommen, aber wir sind weder finanziell noch organisatorisch beteiligt.“ Er trage aber „schwer“ daran.

          Die Loveparade galt im Vorfeld als eine der wichtigsten und größten Veranstaltung zur „Ruhr.2010“ im Kulturhauptstadtjahr.

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