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Nach der Katastrophe von Duisburg : Was ist, wenn zum Chaos Panik kommt?

Trauer im Tunnel: Gedanken in Duisburg am Montag Bild: dpa

Zweifel begleiteten die Loveparade von Anfang an: Polizei, Berater und Öffentlichkeit warnten vor Sicherheitsproblemen. Doch die Stadt und die Organisatoren wollten die Veranstaltung.

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          Bei der Loveparade von Duisburg liefen die Zweifel immer mit - und die Selbstgewissheit, dass schon alles gut gehen werde. Die Fragen, wie das alles gehen und passen soll. Und die Antworten, dass das Ruhrgebiet diese Veranstaltung braucht, dass man die Massen schon bewältigt, dass es insgesamt und überhaupt schon gut geht. Man wollte die Veranstaltung, nicht um jeden Preis, schon gar nicht um den Preis der Sicherheit, das ist klar. Aber man wollte sie.

          Andrea Diener
          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Loveparade musste einfach stattfinden. Schon lange sorgte sich zum Beispiel Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen, ob die Party in Duisburg überhaupt stattfinden könnte. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, so sagte er zum Beispiel am 9. Februar, um das „Fest der Szenekultur“ auf die Beine zu stellen. In Gesprächen mit dem Innenministerium und der Bezirksregierung müsse geklärt werden, ob die Stadt trotz hoher Schuldenlast 840.000 Euro für den Techno-Umzug ausgeben dürfe.

          „Wir wenden uns entschieden an junge Menschen, auch mit sogenanntem Migrationshintergrund“, sagt Pleitgen heute dazu. „Die Loveparade erschien uns als hilfreiches Mittel, um jungen Menschen zu zeigen: Das Ruhrgebiet hat auch für sie etwas Interessantes zu bieten.“ Wenn er gefragt worden sei, habe er gesagt: „Jawoll, das wollen wir haben.“ Das alles habe aber nichts mit der Sicherheit zu tun: „Hier waren Profis am Werk, die das schon vielfach in anderen Städten veranstaltet haben“, sagt Pleitgen. „Wenn es wirklich Sicherheitsbedenken gegeben hätte und man - wie in Bochum - die Loveparade hatte absagen müssen, hätte man das zwar bedauert, aber akzeptiert.“

          „Ich habe sofort gesagt, Duisburg ist ungeeignet”: Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

          „Wir stellen fast überall Problemlagen fest“

          Pleitgen mag von den Zweifeln an der Sicherheit nichts gehört haben. Aber anderen Verantwortlichen müssen sie vor Augen gestanden haben. Ein Vertreter der Polizei nahm schon im Herbst 2008 an einer Sitzung des Arbeitskreises „Loveparade“ teil. In Duisburg eine Veranstaltungsfläche für 500.000 oder gar mehr Menschen zu finden, inklusive An- und Abreise, sei nicht einfach, so das Fazit. Mehrere Strecken wurden geprüft. Im Februar fasste der Pressesprecher der Stadt zusammen: „Wir stellen fast überall Problemlagen fest.“ Die Innenstadt komme für die Riesenparty nicht in Frage. An der A 59 gebe es zu viele Böschungen am Straßenrand, die Rettungseinsätze behindern würden.

          „Ich habe sofort gesagt, Duisburg ist ungeeignet“, sagt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, der aus der Stadt am Rhein stammt, am Montag. „Duisburg ist eine enge Stadt, eine reine Industriestadt mit enger Wohnbebauung. Es gibt überhaupt kein Gelände, auf dem man eine Million Menschen auflaufen lassen kann, und erst recht nicht mitten in der Stadt.“

          Dennoch kam man zu dem Schluss, dass Duisburg das bewältigen werden, schließlich hatte man mit dem Gelände des alten Güterbahnhofs eine große Fläche. „Die Polizei war an den Sicherheitsgesprächen beteiligt“, sagt der Sprecher der Polizei. Die Einwände seien berücksichtigt worden. „Wenn die Stadt die Genehmigung erteilt und sich die Polizei nicht öffentlichkeitswirksam davon distanziert, so haben wir nicht so große Bedenken, dass die Veranstaltung nicht hätte stattfinden können.“

          „Einsatz konnte nur schiefgehen“

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