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Nach der Katastrophe von Duisburg : Was ist, wenn zum Chaos Panik kommt?

Aber es war, als hätte auf dieser Veranstaltung schon ein Druck gelegen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. „Im letzten Jahr hat's ja nicht geklappt“, sagte der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland nur wenige Stunden vor Beginn der Loveparade am Samstagmorgen dem WDR-Fernsehen. „In diesem Jahr waren wir einfach, ja, im Zwang, es hinkriegen zu müssen. Sonst wär' wahrscheinlich die Loveparade endgültig gestorben fürs Ruhrgebiet gewesen.“ Worauf bezog sich diese Aussage? Auf die Absage Bochums im Vorjahr? Auf den Druck des Veranstalters und Hauptsponsors, der Lopavent GmbH, die größte Party der Welt auch wirklich stattfinden zu lassen?

In Duisburg deutlich mehr Raver erwartet

Was Polizei und Sicherheitsberater nicht schafften - auch die kritische Öffentlichkeit änderte es nicht. Am Dienstag vergangener Woche veröffentlichte Ingmar Kreienbrink auf dem Portal „DerWesten“ den Artikel „Loveparade wird zum Tanz auf dem Drahtseil“. Demnach würden in Duisburg deutlich mehr Raver erwartet, als auf das Güterbahnhofsgelände passen: „Bislang gehen Schätzungen von einer Million Besucher aus.“ Und die Kollegin Annette Kalscheur legte an eben jenem Dienstag unter der launigen Überschrift „Bloß nicht in Flip-Flops zur Loveparade!“ nach.

Die Kommentare zu diesen Artikeln haben einen so negativen Unterton, dass man sie als Warnung hätte ernst nehmen müssen. „Klotsche“ sieht es am 22. Juli um 17.08 Uhr so, und die Rechtschreibung tut hier ausnahmsweise nichts zur Sache: „sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen? also in meinen augen is das ne falle. das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? ich fass es nicht!!!! ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen.“

Panik heißt Flucht, und Flucht heißt Ausdehnung

Auch Skydiver60 ist sich an jenem Dienstag vor einer Woche um 19.41 Uhr sicher: „400000 - 500000 passen auf das Gelände. 1-1,5 Millionen werden erwartet. Bei Überkapazität werden die Raver nicht mehr auffs Gelände gelassen. Leute, das geht inne Buchse, definitiv. Sollte es zu diesem Gau kommen verabschiedet euch schon mal von der Duisburger Innenstadt. Diese Planer waren Laien der dümmsten Sorte. Auf das alles irgendwie gut geht. Glück Auf“. Maike Kampmann meinte: „Wem sein Leben lieb ist, der bleibt von diesem Wahnsinn fern.“

„Voltage“ schließlich meinte: „Das Schlimme an dieser Geschichte ist doch, dass man anschließend diese organisatorischen Vollidioten noch nicht mal zur Verantwortung wird ziehen können. Was die da machen, ist höchstgradig kriminell. Was ist denn, wenn zu dem Chaos noch Panik kommt, was ist dann? Panik heißt Flucht, und Flucht heißt Ausdehnung. Wohin soll sich diese Masse an Menschen ausdehnen, wenn was schief geht, und Panik ausbricht?“ Und „tron“ meinte: „Es gibt nur einen Zugang zum Gelände, und der ist unter einer langen Brücke. Was passiert, wenn hier Panik ausbricht?“ Und „Duisburger““: „Es wird das größte Chaos geben. Die Stadt wäre besser beraten gewesen, die Loveparade abzusagen. Dann wäre ein paar Tage negative Presse über Duisburg in den Nachrichten zu hören, aber über diese Loveparade wird man noch lange reden - leider nur in negativer Form.“

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