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Loveparade-Unglück : „Wir stehen vor einer Flut von Daten“

  • Aktualisiert am

Noch immer erinnern Kerzen an die Katastrophe bei der Loveparade Bild: ddp

Die Ermittlungen zu den Ursachen der Loveparade-Katastrophe beschäftigen inzwischen fünf Staatsanwälte und mehr als 80 Fahnder. Sie müssen allein 900 Stunden Videomaterial sichten. Rund 220 Strafanzeigen gegen Verantwortliche beim Veranstalter, der Stadt Duisburg und der Polizei liegen vor.

          900 Stunden Videomaterial, mehr als 1000 Hinweise und eine gigantische Menge Computerdaten harren der Auswertung: Die Ermittlungen zur Aufklärung der Loveparade- Katastrophe in Duisburg werden zum Kampf mit einer immensen Datenflut. Gehörten der Ermittlungsgruppe „Loveparade“ der Kölner Polizei bislang 63 Beamte an, sind es nun 83, wie die Behörde am Dienstag gemeinsam mit der federführenden Staatsanwaltschaft Duisburg mitteilte. Dort sind vier Staatsanwälte und ein Oberstaatsanwalt mit dem Verfahren betraut. Bei der Loveparade in Duisburg kamen am 24. Juli 21 Menschen ums Leben.

          Die schwierigen und umfangreichen Ermittlungen bräuchten Zeit, hieß es. „Sorgfalt und Genauigkeit gehen hier vor Schnelligkeit.“ Wann die Ermittlungen zum Ende kämen, sei „absolut nicht absehbar“, sagte Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung „gegen unbekannt“. Daneben sind bislang weitere 220 Strafanzeigen eingegangen. Sie richteten sich vor allem gegen Verantwortliche des Veranstalters, der Stadt Duisburg und der Polizei.

          Die riesige Datenmenge - mehr als 50 Terabyte - hätten Spezialisten bis jetzt beim Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei sichergestellt. „Das sind Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt Tausende Aktenordner füllen würden“, hieß es. Allein das Überspielen der Daten der Stadt Duisburg habe rund zwei Wochen gedauert.

          Die Spreu vom Weizen trennen

          „Zwar wird nur ein Teil der Daten verfahrensrelevant sein, aber wir müssen uns einen Überblick verschaffen und die Spreu vom Weizen trennen“, erklärte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Kriminaldirektor Stephan Becker (49), in der Mitteilung. Zu den elektronischen Daten kämen noch mehr als achtzig Aktenordner mit schriftlichen Planungs- und Durchführungsunterlagen hinzu.

          Das Videomaterial stammt unter anderem aus Überwachungskameras des Veranstalters, von der Polizei, von Handys von Zeugen, von Medien und aus Internetveröffentlichungen. Auch werde umfangreiches Fotomaterial ausgewertet, das aus unterschiedlichen Quellen stamme.

          Die mehr als 1000 Hinweise aus dem In- und Ausland würden alle auf ihre Bedeutung überprüft. „Allen nach dieser Prüfung relevant erscheinenden Hinweisen wird nachgegangen“, hieß es. Die Polizei wies darauf hin, dass nicht jeder Hinweisgeber noch einmal von den Ermittlern kontaktiert wird. „Einige Tipps sind so erschöpfend, dass eine Rückkoppelung aus verfahrensökonomischen Gründen entfallen kann.“
          Darüber hinaus seien mehrere hundert Zeugen zu vernehmen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass viele von ihnen ein und denselben Sachverhalt völlig unterschiedlich wahrgenommen haben.

          Die Ermittler wollen nun gegebenenfalls auch die Polizei am Wohnort der Zeugen bitten, sie bei den Vernehmungen und Befragungen zu unterstützen. „Wenn notwendig, erfolgt eine ergänzende Vernehmung durch die Ermittlungsgruppe“, sagte Becker. Wegen der Vielzahl könne das jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Staatsanwälte und die Ermittlungsgruppe würden die Beteiligten beim Veranstalter, bei der Stadt, der Feuerwehr und der Polizei vernehmen.

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