https://www.faz.net/-gum-6klni

Loveparade-Unglück : Rechtsgutachten entlastet Polizei

  • Aktualisiert am

Ein Kerzenmeer gedenkt der Opfer, während die Suche nach den Schuldigen fortgesetzt wird Bild: dpa

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen nach dem Loveparade-Unglück nehmen kein Ende: Ein Gutachten des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sieht die Verantwortung bei der Stadt Duisburg und dem Veranstalter - und entlastet die Polizei.

          Mehr als fünf Wochen nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg hat ein Rechtsgutachten die Polizei entlastet. Das am Mittwoch vorgestellte Gutachten für das nordrhein-westfälische Innenministerium sieht die Verantwortung für die Sicherheit bei der Duisburger Stadtverwaltung und dem Veranstalter Lopavent. Die Polizei habe laut Ordnungsrecht nur eine nachgeordnete Zuständigkeit gehabt. In erster Linie sei der Veranstalter zuständig für die Sicherheit gewesen.

          Die Stadt hätte auch am Tag der Loveparade kontrollieren müssen, ob der Veranstalter alle Sicherheitsauflagen einhält, heißt es in dem Gutachten einer Bonner Rechtsanwaltskanzlei. Bei Mängeln hätte die Stadt dafür sorgen müssen, dass sie abgestellt werden.

          Letzte Kontrolle des Geländes fand am Vorabend des Unglücks statt

          Ein weiteres, von der Stadt Duisburg in Auftrag gegebenes Gutachten, das am Mittwoch veröffentlicht werden sollte, kommt einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Mittwoch) dagegen zu einem anderen Ergebnis. Danach habe die Kommune keine Fehler gemacht, die Ursache für die Katastrophe gewesen seien. Bei der Loveparade Ende Juli kamen 21 Menschen ums Leben.

          Nach Angaben des innenpolitischen Sprechers der SPD- Landtagsfraktion, Thomas Stotko, haben die Duisburger Ordnungsbehörden das Gelände auf dem ehemaligen Güterbahnhof zuletzt am Vorabend der Veranstaltung kontrolliert. Am Tag der Loveparade habe es nach den ihm vorliegenden Unterlagen keine Kontrolle gegeben.

          Nur die Staatsanwaltschaft kann die Schuldfrage der Polizei klären

          Ob die Polizei am Tag der Katastrophe früher eingreifen „und den Laden“ hätte übernehmen müssen, könne nur die Staatsanwaltschaft klären, sagte Stotko. Dazu habe der Innenausschuss des Landtags, der sich am Donnerstag abermals mit der Katastrophe befassen wird, keine Möglichkeit. Die Polizei hatte wiederholt betont, sie sei vom Veranstalter um Hilfe gebeten worden, weil dessen Sicherheitskonzept zusammengebrochen sei.

          Lopavent-Chef Rainer Schaller hatte am Montag einen aus Aufnahmen von Überwachungskameras zusammengeschnittenen Film ins Internet gestellt, in dem eine Polizeikette auf der Hauptrampe zum Loveparade- Gelände als Hauptursache der Katastrophe dargestellt wird. Schaller will am Donnerstag nicht zur Sitzung des Innenausschusses kommen, er will sich am Abend in der Sat.1-.Sendung „Kerner“ äußern. Der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hat seine Teilnahme bei der Sitzung dagegen zugesagt.

          Weitere Themen

          Es begann auf dem Bolzplatz

          Jean Zimmer : Es begann auf dem Bolzplatz

          Er ist beliebt, ehrgeizig, enorm schnell und hat es so in die Bundesliga geschafft: Fußballer Jean Zimmer und sein Motto „Niemals aufgeben“.

          Helfer retten Delfine Video-Seite öffnen

          Gestrandet in Chile : Helfer retten Delfine

          Zwei Delfine sind an der Küste von Los Rios in Chile gestrandet. Helfer haben die Säugetiere stundenlang mit Wasser versorgt, bis sie wieder ins Meer gebracht wurden.

          Topmeldungen

          Torwartwechsel: Manuel Neuer (l.) verteidigt seine Position gegenüber Marc-Andre ter Stegen

          Ter Stegen gegen Neuer : Zeit für einen Torwartwechsel?

          Keine Position im Fußball wird so gerne diskutiert wie die zwischen den Pfosten. Nur wenige Torhüter haben den Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft konservieren können – und es ins kollektive Gedächtnis geschafft.
          Michael Jürgs starb im Juli mit 74 Jahren

          Michael Jürgs’ letztes Buch : Wer tot ist, muss sehen, wo er bleibt

          Eine Seele wirft keinen Schatten: Der Journalist Michael Jürgs hat zwei Wochen vor seinem Ableben sein letztes Buch beendet. In „Post mortem“ surft er durchs Jenseits und trifft dort höchst lebendige Tote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.