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Loveparade in Duisburg : Zahl der Toten erhöht sich auf 21

  • Aktualisiert am

Unverhohlene Kritik am Oberbürgermeister: Plakat am Unglückstunnel Bild: ddp

Die Zahl der Todesopfer bei der Loveparade in Duisburg hat sich auf 21 erhöht. In der Nacht zum Mittwoch erlag eine 25 Jahre alte Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen. Derweil fordert die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Kraft nach der Katastrophe personelle Konsequenzen.

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          Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade hat sich auf 21 erhöht. In der Nacht zum Mittwoch sei eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haverkamp.

          Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft forderte nach der Katastrophe bei der Loveparade personelle Konsequenzen. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Amt bleiben wolle, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Düsseldorf. Sie fügte aber hinzu: „Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen.“

          Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen im Vorfeld der Loveparade in den Wind geschlagen zu haben. Ausdrücklich nahm Kraft die Polizei in Schutz, der Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller eine wesentliche Mitschuld an den Ereignissen am vergangenen Samstag gab.

          Blumen und Kerzen stehen in Duisburg nahe der Stelle, an der am Samstag 19 Menschen auf der Loveparade zu Tode kamen

          „Ich muss das durchhalten“

          Sauerland wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfen zurück, wonach Kritiker ihn darauf hingewiesen hätten, dass Duisburg für eine derartige Massenveranstaltung ungeeignet sei. „Mir sind keine Warnungen bekannt“, sagte er. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die auch sehr ernst genommen würden, sagte Sauerland der „Rheinischen Post“. Es sei gewissenhaft geprüft worden, ob die Veranstaltung stattfinden könne. Der CDU-Politiker steht inzwischen unter Polizeischutz. Er war am Sonntagabend bei Besuch der Unglücksstelle ausgebuht worden.

          Einen Rücktritt lehnt der Bürgermeister weiterhin ab. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte Sauerland den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. Ein Rückritt käme einem Eingeständnis gleich, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben. „Ich muss das durchhalten“, sagte Sauerland. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Wie die Loveparade-Veranstalter machte auch er ein Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.

          Land will Kommunen künftig bei Massenveranstaltungen unterstützen

          Nach Abschluss der Untersuchungen der Gerichtsmedizin steht fest, dass alle 20 Todesopfer infolge massiver Brustkompression in der Menschenmenge erstickten. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg am Dienstagabend mit. „Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen.“ Wer die Familien und Angehörigen und die über 500 Verletzten entschädigt, wird sich wohl erst in einem langwierigen Verfahren zeigen. Gegen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wurden neue Vorwürfe laut.

          Ministerpräsidentin Kraft kündigte als eine erste Konsequenz an, dass Kommunen künftig bei der Ausrichtung von Massenveranstaltungen geholfen werden sollte. Die Landesregierung werde Einzelheiten dazu noch erarbeiten und einen entsprechenden Vorstoß in der nächsten Bundesinnenministerkonferenz machen.

          Kraft vermied zwar eindeutige Schuldzuweisungen, betonte aber, zur tödlichen Panik sei es im Zugangbereich zum Festgelände gekommen. Dort hätten die Veranstalter und die Stadtverwaltung die Verantwortung gehabt und nicht die Polizei.

          Love-Parade-Veranstalter sieht Schuld bei der Polizei

          Schwere wechselseitige Vorwürfe erhoben Polizei und der Love-Parade-Organisator Schaller (siehe auch Loveparade: Wer beschuldigt wen?). Die Sicherheitskräfte hätten ohne Absprache die Besucher ungehindert in den Tunneleingang strömen lassen, wo es zu dem tödlichen Gedränge gekommen sei, sagte Schaller. „Warum diese Anweisung erfolgte, ist uns nicht bekannt.“ Dabei habe man zuvor mit der Polizei entschieden, zehn von 16 Zugängen am Tunneleingang wegen drohender Überfüllung des Tunnels zu schließen.

          Die Deutsche Polizeigewerkschaft warf Schaller im Gegenzug vor, von seiner Verantwortung abzulenken und deshalb ein Fehlverhalten bei der Polizei zu suchen. Rettungskräfte und Polizei hätten hervorragend gearbeitet, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt. „Ohne deren Arbeit gäbe es bestimmt noch mehr Opfer“, sagte er Reuters-TV.

          Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. In der Kritik stehen nicht nur die Polizei, sondern auch Schaller und die Stadt Duisburg.

          Für Samstag ist in Duisburg eine zentrale Trauerfeier für die Opfer geplant, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen will. Sie unterbricht dafür ihren Urlaub. Erwartet werden neben Bundespräsident Christian Wulff auch zahlreiche Gäste aus anderen Ländern. Unter den Todesopfern sind acht ausländische Besucher. Dagegen will Bürgermeister Sauerland der Trauerfeier fernbleiben, wie die „Rheinische Post“ berichtete. Der CDU-Politiker wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung. Die Zeitung zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zu der Entscheidung geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. Die Stadtverwaltung war am Dienstagabend nicht für eine Bestätigung erreichbar.

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