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Loveparade in Duisburg : „Verantwortung liegt beim Veranstalter“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Polizei und Politik in Nordrhein-Westfalen sehen die Schuld für die Katastrophe bei der Loveparade beim Veranstalter. Dieser habe sich nicht an Absprachen gehalten, sagte Innenminister Jäger. Ministerpräsidentin Kraft fordert derweil indirekt den Rücktritt von Duisburgs Bürgermeister Sauerland.

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          Nach dem Unglück während der Loveparade hat der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) scharfe Kritik am Veranstalter der Techno-Party geübt. Dieser habe nach ersten Erkenntnissen Vorgaben seines eigenen Sicherheitskonzepts nicht eingehalten, sagte Jäger am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. So habe der Veranstalter die Polizei um Hilfe gebeten, weil er einen Besucher-Rückstau am Geländezugang nicht auflösen konnte. Jäger berief sich auf einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei zu der Katastrophe am Samstag in Duisburg. Nach dem Tod einer 25-jährigen Festivalbesucherin in der Nacht zum Mittwoch war die Zahl der Todesopfer nochmals auf nun 21 gestiegen. Mehr als 500 weitere Menschen wurden verletzt.

          Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte derweil indirekt den Rücktritt von Duisburgs Bürgermeister Adolf Sauerland (CDU). In der „Rheinischen Post“ vom Donnerstag sagte sie: „Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen.“ Einen Rücktritt lehnt Sauerland weiter ab.

          Der CDU-Politiker besteht darauf, keine Genehmigung für die Techno-Party unterschrieben zu haben. „Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben“, sagte er der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag.

          Unter Druck: Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller

          Wahrscheinlich alle Opfer bei der Massenpanik erstickt

          Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Polizeiinspekteurs Dieter Wehe deuten die bisherigen Erkenntnisse darauf hin, dass alle Opfer bei der Massenpanik in der Menge erstickten. Wehe zufolge hatte der Loveparade-Veranstalter zwar in Absprache mit der Polizei seine Ordner angewiesen, die am Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände installierten Sicherheitsschleusen zu sperren. Diese Anweisung sei aber „trotz verbindlicher Absprache“ durch die Ordner aus unbekannten Gründen nicht umgesetzt worden. Durch die geöffneten Tunnelzugänge seien daraufhin weiter Menschen durch den Tunnel in Richtung des Veranstaltungsgeländes am alten Güterbahnhof geströmt. Drei im Tunnelbereich errichtete Polizeisperren habe die Polizei wegen des ständig wachsenden Drucks der Menschenmenge aufgeben müssen.

          Laut Wehe hatte die Polizei hatte die Polizei im Vorfeld der Loveparade auf mögliche Probleme bei einem Rückstau im Bereich der Zugangsrampe am Tunnelausgang besonders hingewiesen. Der Veranstalter habe im Gegenzug auf seine Erfahrungen aus früheren Loveparade-Veranstaltungen verwiesen. Die vom Veranstalter zugesagten Ordner, die die Menschen am Ende der Rampe weiterleiten sollten, hätten „ihre Aufgabe nicht erfüllt“, sagte der Polizeiinspekteur. „Dem Veranstalter gelang es entgegen seiner Zusage nicht, die Menschen auf die frei Fläche zu bewegen und den Rückstau aufzulösen.“

          Schaller: Vorwürfe müssen „sehr genau geprüft werden“

          Der Loveparade-Organisator Rainer Schaller hatte dagegen zu der Massenpanik am Zugangstunnel erklärt, an dessen westlichem Eingang seien auf Polizei-Anweisung alle 16 dort installierten Schleusen geöffnet worden. Danach seien die Besucher „unkontrolliert von Westen in den Tunnel“ geströmt. Wehe sagte dazu, er habe keine Erklärung für die Angaben von Schaller. Jäger unterstrich, die Erkenntnisse seien vorläufig und lieferten „noch kein vollständiges und detailliertes Bild“. Es sei aber „unerträglich“, dass „Verantwortung auf Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird - und zwar bevor überhaupt alle Fakten bekannt sind“.

          Schaller reagierte am Mittwoch zurückhaltend auf die Vorwürfe. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte er der Nachrichtenagentur dpa mit. Die Darstellung von Innenminister Ralf Jäger (SPD) werfe „viele Fragen auf“. Inwieweit auch das Verhalten der Polizei die Situation mitverursacht habe, „wird die Staatsanwaltschaft herausfinden“, so Schaller. Diese sei im Besitz des vollständigen Videomaterials der sechs Kameras im Tunnel- und Eingangsbereich. Schaller kündigte zudem einen Hilfsfonds für die Angehörigen der Opfer an.

          Trauerfeier am Samstag

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Trauerfeier an diesem Samstag in ganz Deutschland Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um elf Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Wegen des erwarteten Andrangs werden vor der Kirche Lautsprecher aufgestellt.

          Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland will nicht an der geplanten Trauerfeier am Samstag teilnehmen. Er wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Das Blatt zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zur Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Angekündigt haben sich auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

          Loveparade Thema bei der Innenministerkonferenz

          Inzwischen gab es erste private Trauerfeiern. In Münster nahmen Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen. Politisch werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Das Bundesinnenministerium begrüßte den Vorschlag, Kommunen bei der Organisation von Großveranstaltungen zu helfen. Minister Jäger will die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern mit dem Thema beschäftigen.

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