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Loveparade : Also doch: Man hätte es wissen können

  • -Aktualisiert am

Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Jäger (SPD), am Mittwoch in Düsseldorf vor der Sitzung des Innenausschusses. Bild: dpa

Manches über die Loveparade bleibt weiter im Unklaren. Sicher hingegen ist nun, dass es während der Planung etliche Anlässe gab, größere Vorsicht walten zu lassen.

          So frisch ist der Eindruck der Love-Parade-Katastrophe, dass der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags seine Sondersitzung am Mittwoch mit einer Gedenkminute für die 21 Todesopfer beginnt. Eineinhalb Wochen nach dem Unglück will auch das Parlament die Ursachenforschung aufnehmen. Es geht, wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) formuliert, darum, mehr Klarheit zu gewinnen, was sich am 24. Juli auf dem ehemaligen Güterbahnhof zugetragen hat. Es gebe viele Fakten, viele Hinweise, sehr viele Widersprüche und viele Fragen. „Wer trägt die Verantwortung? Wo fängt sie an? Wo hört sie auf?“, sagt Jäger, der selbst aus Duisburg stammt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Wie schon vor einer Woche wehrt sich der neue Innenminister gegen „den durchsichtigen Versuch“, den Eindruck zu vermitteln, die Polizei sei Schuld an der Katastrophe. „Vorausgesetzt, das Sicherheitssystem des Veranstalters hätte funktioniert, hätte die Polizei nicht zur Unterstützung und Hilfe gerufen werden müssen.“

          Abermals wirft Jäger der Stadt Duisburg und dem Veranstalter der Love Parade, Rainer Schaller, vor, Verantwortung abzuschieben - und schiebt dann seinerseits selbst wieder die Schuld auf den Veranstalter und die Stadt. „Was wir in den vergangenen Tagen nach der Love Parade erlebt haben, lässt den Schluss zu, dass auf Seiten der Stadt und des Veranstalters bisher gemauert wurde.“

          Der Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Wehe, vor der Sitzung des Innenausschusses.

          Innennminister Jäger: „Ein Armutszeugnis“

          Der Innenminister spricht von einem „Armutszeugnis, wie mühsam hier der Weg ist, von der Stadt Duisburg und dem Veranstalter der Love Parade zu erfahren, was geschehen ist.“ Nun aber hat der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der seit der Katastrophe die Kritik, ja sogar den Hass wie kein anderer Beteiligter auf sich gezogen hat, der sich deshalb nicht einmal zur Trauerfeier am vergangenen Samstag wagte und sich und seine Familie noch immer mit Todesdrohungen konfrontiert sieht, dem Landtag am späten Dienstagabend einen ersten Zwischenbericht zukommen lassen.

          Am Mittag unterbricht der Innenausschuss seine Sitzung für eine halbe Stunde, damit sich seine Mitglieder einen ersten Leseeindruck verschaffen können. Das von der Stadt Duisburg beauftragte Anwaltsbüro kommt nach der Sichtung von 35 Aktenordnern zu dem Ergebnis, dass die Kommune „keine allgemeine oder gar übergeordnete Zuständigkeit für die Sicherheit der gesamten Veranstaltung“ und insbesondere nicht für die Regulierung der Besucherströme vor und auf dem Veranstaltungsgelände hatte. „Insbesondere die Passierbarkeit des Tunnels oblag Veranstalter und Polizei.“

          Den Duisburger Prüfern liegen keine Erkenntnisse dafür vor, dass städtische Mitarbeiter ihre gesetzlichen Pflichten verletzt hätten und auf dieses Weise zum Unglück beigetragen oder es gar verursacht hätten. „Allerdings haben unsere Recherchen verschiedene Umstände ergeben, aus denen sich schließen lässt, dass Dritte gegen die Vorgaben und Auflagen der Stadt Duisburg verstoßen haben.“

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