https://www.faz.net/-gum-6jytj
 

Kommentar : Erdrückende Bürde in Duisburg

  • -Aktualisiert am

Gerät immer mehr unter Druck: Adolf Sauerland (CDU) Bild: AP

Verantwortung kann Ruhm und Ehre bedeuten, sie kann aber auch zu einer schweren Bürde werden. Ein Oberbürgermeister, der nicht auf der Trauerfeier für die Opfer des größten Unglücks erscheinen kann, kann seine Pflichten nicht mehr erfüllen.

          Konsequent ist das nicht: Ein Bundespräsident, der sein Amt vorzeitig und „unverzüglich“ aufgibt, behält seine vollen Bezüge bis zum Lebensende; ein Oberbürgermeister, der das Gleiche tut, verliert sogar seine vor dem Wahlamt erworbenen Ruhegeldansprüche. Den kommunalen Wahlbeamten Sauerland trifft jetzt mit besonderer Härte der Satz, den Bundestagspräsident Lammert am 30. Juni vor der Bundesversammlung dem zurückgetretenen und dem zu wählenden Bundespräsidenten ins Stammbuch schrieb: „Niemand muss öffentliche Ämter übernehmen. Wer kandidiert und gewählt wird, übernimmt Verantwortung, die er mit all seiner Kraft, nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen hat.“

          Verantwortung kann Ruhm und Ehre bedeuten, sie kann aber auch zu einer schweren, ja erdrückenden Bürde werden. Und gerade weil das so ist, wollte der Gesetzgeber einen direkt gewählten Oberbürgermeister auch nicht einfach davonlaufen lassen, wenn die Not am größten ist. Er hat dazubleiben und die Pflichten zu erfüllen, die er übernommen hat.

          Kann der Oberbürgermeister seine Pflichten noch erfüllen?

          Dieses Pflichtbewusstsein sollte man auch einem Oberbürgermeister Sauerland nicht rundheraus absprechen, der seit einer Woche nicht nur um seine Pension, sondern auch um seine Ehre kämpft. Schließlich hat er nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich der Verantwortung stellen werde, der er ohnehin nicht entkommt. Ein Oberbürgermeister aber, der nicht auf der Trauerfeier für die Opfer des größten Unglücks erscheinen kann, das seine Stadt in Friedenszeiten getroffen hat, kann seine Pflichten nicht mehr erfüllen.

          Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland am Sonntag in der Nähe des Loveparade-Geländes

          Bei der Aufarbeitung der Massenpanik vom vergangenen Samstag haben alle Verantwortlichen - die Medien eingeschlossen - ein geradezu abstoßendes Schauspiel geboten. Außer Fritz Pleitgen, dem Repräsentanten von Ruhr 2010, der noch am weitesten vom Geschehen entfernt war, hat niemand so etwas wie Zerknirschung darüber an den Tag gelegt, dass man diese Love Parade unbedingt, auch unter Hintanstellung begründeter Warnungen, haben wollte. Dieselben, die jetzt die Jagd auf Sauerland freigegeben haben, hätten ihn in der Luft zerrissen, wenn er dem öffentlichen Druck widerstanden hätte. Diese Verantwortungsflucht lastet schwerer auf der Trauerfeier an diesem Samstag als ein noch nicht vollzogener Rücktritt.

          Weitere Themen

          Der Bierpreis bricht mal wieder Rekorde Video-Seite öffnen

          186. Oktoberfest : Der Bierpreis bricht mal wieder Rekorde

          Der Wiesnbesucher muss in diesem Jahr für eine Maß tief in die Tasche greifen. Bis zu 11,80 Euro wird für ein Liter Bier verlangt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter verteidigt den Preis und Blickt dem Volksfest gut gestimmt entgegen.

          Kein Sonnenkönig

          Max-Planck-Gesellschaft : Kein Sonnenkönig

          Martin Stratmann ist gänzlich frei von Allüren eines Alleinherrschers. Darin unterscheidet er sich von seinen Vorgängerinnen. Nun stellt der Korrosionsforscher die Max-Planck-Gesellschaft neu auf.

          Topmeldungen

          Ein Hoeneß vergisst nichts : Hauruck – und Zefix!

          Dass der scheidende Präsident des FC Bayern noch einmal einen großen Angriff in Richtung DFB inszeniert, ist kein Zufall. Vielmehr steckt dahinter besonderes Kalkül. Denn der eigentliche Kern der Debatte ist Bundestrainer Joachim Löw.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.