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Duisburg : Eine Stadt mit vielen Gesichtern

  • -Aktualisiert am

Grau: Das Stahlwerk Bruckhausen Bild: ddp

Deutschland schaut schon die ganze Woche, und speziell an diesem Samstag auf Duisburg, wo die Trauerfeier für die bei der Loveparade verunglückten Menschen stattfand. Die Blicke treffen auf eine gebeutelte Stadt.

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          Duisburg ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Da zeigen Londoner Star-Architekturbüros wie Norman Foster oder Chapman Taylor ihre Handschrift in modernster und aufwendigster Einzelhandels- oder Büroarchitektur. Ortsfremde Besucher hingegen, die auf dem Weg in die Thyssen-Krupp-Hütte am S-Bahnhof Marxloh aussteigen, wähnen sich in einen lebhaften türkischen Basar versetzt: In der in den neunziger Jahren verödeten Hauptverkehrsstraße haben sich dort innerhalb einer Dekade mehr als 50 Läden für Hochzeitsbedarf niedergelassen. Da ragt seit zwei Jahren das 34 Meter hohe Minarett von Deutschlands derzeit noch größter Moschee in den Himmel. Wenige Fahrminuten weiter südlich wiederum zeugen zu Museen für moderne Kunst umgestaltete Speichergebäude, wie aus altem junges Leben entsteht. Das ist Duisburg.

          Noch zwei Gesichter, hier das eine, aufgezeichnet im Mai: Aus Lautsprechern erklang die Ouvertüre aus Richard Wagners „Das Rheingold“. Achtzig Trapezkünstler der spanisch-katalanischen Theatergruppe „La Fura dels baus“ boten unter sommerlichem Nachthimmel eine akrobatische Performance rund um die Riesin Concordia und den berühmten Sohn der Stadt Duisburg, den Kartographen Gerhard Kremer Mercator. „Das globale Rheingold“ hieß das amüsant-phantasievolle Stück, an dessen Ende es darum geht, wie die Menschen im Ruhrgebiet voller Energie und Optimismus ihre Kräfte vereinen, um die Region in eine neue Epoche zu führen. Schauplatz war ein altes Motorschiff, das an der Mercatorinsel im Hafengelände von Ruhrort festgemacht hatte. Aus dieser überwiegend noch brachliegenden Landzunge, die einst Lagerfläche für Kohle oder Erze war, soll einmal ein Park werden, der viel Raum für Kultur und Kunst bietet. An jenem Frühsommerabend Ende Mai konnte die zur „Ruhr2010“ mit dem Leitspruch „Duisburg – Hafen der Kulturhauptstadt“ angetretene Ruhrgebietsstadt den ersehnten Struktur- und Kulturwandel anschaulich machen.

          Im Feuer der Kritik

          Und dann das andere Gesicht, aufgezeichnet am vergangenen Samstag, als sich die Stadt in völliger Selbstüberschätzung das ohnehin unpassende Label einer flippigen Raver- und Party-Location anheften wollte. Das Projekt geriet zur Katastrophe: 21 Tote und Hunderte Verletzte wurden gezählt. Nun herrscht Trauer in Duisburg. Das Bild von einer jungen Ruhrgebiets-Metropole ist weggewischt. Die Verwaltung steht im Feuer der Kritik; Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der sich sechs Jahre lang umtriebig für die Erneuerung eingesetzt hat, ist nicht mehr zu halten. Auch das ist jetzt Duisburg.

          Grün: Die Königstraße, die Haupteinkaufsstraße in der Innenstadt

          Die Herausforderung aber, aus der Stadt wieder etwas zu machen, bleibt. Denn die mit der Montanindustrie reich gewordene Stadt hat für den Wegfall von Zehntausenden von Bergbau- und Stahlarbeitsplätzen in den zurückliegenden Jahrzehnten keinen adäquaten Ausgleich geschaffen. Die Zahl der Einwohner ist seit den siebziger Jahren um 100.000 auf 493.000 geschrumpft. Im Juli lag die Arbeitslosenquote mit 13,3 Prozent – wie seit langem – weit über dem Landesdurchschnitt. Duisburg hat kein Geld mehr. Seit 1993 ist der Stadthaushalt defizitär. Rechnerisch lasteten Anfang Januar fast 6000 Euro Schulden auf jedem Bürger. Das sind 2,75 Milliarden Euro für die Stadt. Seit Jahren kontrolliert die Landesregierung im Rahmen des „Nothaushaltsgesetzes“ die Ausgaben.

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