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Duisburg : Eine Stadt mit vielen Gesichtern

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Ein gutes Stück Strukturwandel hat die Stadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein geschafft, auch wenn eine Bootstour auf dem Fluss und den Kanälen noch viele Relikte aus alter Zeit offenbart. Duisburg setzt heute auf eine Mischung aus Industrie, Dienstleistung, Bildung, Kunst und Tourismus. Der vor mehr als 250 Jahren gegründete Mischkonzern Haniel, zu dem gewichtige Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen wie Metro oder Celesio gehören, ist für die Stadt eine der Vorzeigeadressen. Zu ihren Traditionsunternehmen zählen neben den Stahlgesellschaften auch das Handelshaus Klöckner & Co., die Grillo-Werke, das Logistikunternehmen Lehnkering, Sachtleben Chemie oder die König-Brauerei. Die Tourismusbranche wird von Unternehmen wie Alltours Flugreisen oder die IFA Hotel & Touristik repräsentiert.

Zukunftsträume von einer vitalen Innenstadt

Eine wirkliche Erfolgsgeschichte hat die Stadt mit ihrem Hafen Duisport geschrieben. Zwar hat der größte Binnenhafen der Welt im vergangenen Jahr die Wirtschaftskrise in einem gesunkenen Güterumschlag zu spüren bekommen, gleichwohl stehen bei dieser riesigen Hinterland-Logistikdrehscheibe weiterhin die Zeichen auf Wachstum. Über diesen Knotenpunkt werden heute gewaltige Warenströme von den europäischen Seehäfen über Wasser, Schiene und Straße bis tief nach Süd- und Osteuropa und zurück gelenkt. Die Erschließung des brachliegenden Krupp-Hüttengeländes in Rheinhausen zum sogenannten Logport-Areal gehörte zu den sogenannten Leuchtturmprojekten des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Rund dreihundert Unternehmen haben sich hier mit Niederlassungen angesiedelt. Die meisten von ihnen sind spezialisiert auf Transport- und Logistikdienstleistungen. Der japanische Kosmetikkonzern Shiseido versorgt über das hiesige Zentrallager Europas Parfümerien mit Produkten rund um die Schönheit. Danone lässt hier seine Wässer Evian und Volvic für die Weiterverteilung innerhalb Deutschlands kommissionieren. Rund 17.000 Arbeitsplätze hängen derzeit in der Stadt Duisburg direkt und indirekt vom Hafen ab.

Auch die Innenstadt mit ihrer Hauptflaniermeile Königstraße hat sich in den vergangenen Jahren stark gemausert. Die Stadt, die noch immer mit dem Image zu kämpfen hat, es regne Briketts vom Himmel, hat sich in den letzten Jahren mächtig herausgeputzt, um den Abzug von Kaufkraft zu stoppen. Denn der Konkurrenzdruck des nahe gelegenen Shopping- und Freizeitzentrums Centro in Oberhausen oder der nicht fernen Einkaufsquartiere Essens und Düsseldorfs ist immens. Die vor zwei Jahren eröffnete innerstädtische Einkaufsgalerie Forum Duisburg ist erst jüngst von dem International Council of Shopping Center als bestes europäisches Einkaufszentrum 2010 in der Kategorie „Große Center“ prämiert worden. Und auch das noch recht neue Citypalais, in dem diverse Geschäfte, Gastronomiebetriebe, ein Spielcasino und mit der Mercatorhalle auch ein Konzert- und Kongresszentrum beherbergt sind, ist Ausdruck des Wunsches, die Stadt zu verjüngen und neues Publikum anzuziehen. Umso unverständlicher sind da Pläne, im Norden der Stadt ein Factory-Outlet-Center zu errichten, das manche Zukunftsträume von einer vitalen Innenstadt zunichtemachen würde. Aber auch das ist Duisburg.

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