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Duisburg : Eine Stadt mit vielen Gesichtern

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Die größte Stahlstadt der Welt

Dabei hat die verarmte Stadt durchaus Potential. Duisburgs großes Plus war stets die verkehrsgünstige Lage: der Zufluss der Ruhr in den Rhein. So prosperierte der Ort im Mittelalter als Knotenpunkt für den Fernhandel, Standort für Tuchmessen und Hanse-Mitglied. Auch die von der Haniel-Familie Mitte des 18. Jahrhunderts 1756 in Duisburg Ruhrort gestartete und schnell zu einem Industriekonzern ausgebaute Unternehmung befasste sich zuerst mit dem Umschlag von Waren aus Holland. Der zweite, für die Neuzeit noch bedeutsamere Pluspunkt waren reichhaltige Steinkohlevorkommen, die im auslaufenden neunzehnten Jahrhundert die Stahlindustrie nach Duisburg zogen. Thyssen und Krupp haben neben eigenen Kohlezechen Stahlhütten errichtet. Jahre später folgte der Röhrenhersteller Mannesmann. Das Duisburger Zentrum ist heute von einem Ring bestehender oder geschlossener Stahlhütten umgeben.

Größtes Stahlwerk der Welt, größte Stahlstadt der Welt, größter Binnenhafen der Welt, Stadt mit den höchsten Steuereinnahmen je Bürger in Deutschland – mit solchen Attributen konnte sich Duisburg in der Blütezeit bis Mitte der siebziger Jahre rühmen. Das Zechensterben war damals zwar schon vorangeschritten. Das Bergwerk Walsum wurde 2008 als letztes von einst elf geschlossen. Aber in guten Zeiten malochten 70.000 Stahlarbeiter im Norden, Süden und Westen der Stadt. Heute zählt man noch 17.000 Beschäftigte in den Duisburger Stahlbetrieben von Thyssen-Krupp, Arcelor-Mittal und Salzgitter, die gleichwohl noch immer gut ein Drittel des Rohstahls in Deutschland erschmelzen.

Ein gutes Stück Strukturwandel

Mit der industriellen Blüte mehrten sich neben dem Wohlstand auch die Probleme in der Montanstadt: Der Zuzug von Zehntausenden Familien zumeist aus dem Ausland, deren Schicksal vom Gedeih und Verderb der Stahlunternehmen oder derer Kunden und Zulieferbetriebe abhängig ist. Oder die Stäube und Abgase, die die Gebäude grau färbten, die Gesundheit vieler Einwohner schädigten und sich zu einem dichten Dunstteppich über Duisburg verbanden. Gegen die Belastung von Mensch, Umwelt und Klima gehen Stadt und Land seit Jahrzehnten mit sichtbarem Erfolg an. Aber die mit dem Niedergang der Montanindustrie verbundenen Probleme sind schwerer zu beheben. Allein im Stadtbezirk Hamborn lebten in guten Zeiten mehr als 100.000 Menschen direkt oder indirekt von den Stahlbetrieben im Nordgürtel. Heute beschäftigt der Thyssen-Krupp-Konzern dort nur noch 12.000 Frauen und Männer. Ein altes Stahlwerk ist zu einem attraktiven Freizeitpark ausgebaut worden. Aber ansonsten bezeugen dort verlassene, heruntergekommene Häuserzeilen den Exodus der Arbeiterfamilien. Der Stadtteil Marxloh an der Ostgrenze der Thyssen-Hütte schien in den neunziger Jahren tot. Viele Geschäfte waren aufgegeben und Tausende Bewohner weggezogen. Weil vor allem Deutsche eine neue Heimat suchten, hat sich der jüngsten Einwohnerstatistik zufolge der Ausländeranteil zwischen 1975 und 2009 auf 35 Prozent verdoppelt. Es sind überwiegend Menschen aus der Türkei und ihre in Marxloh geborenen Kinder, die das Leben in dem kleinen Stadtteil erhalten.

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